Der US-Reiseverband "U.S. Travel Association" ist besorgt, dass die Regierung von Präsident Donald Trump ihr Visa-Kautionsprogramm über die derzeit erfassten Länder hinaus ausweiten könnte. Ein solcher Schritt hätte nach Einschätzung des Verbands schädliche Folgen für die Reisebranche und die Wirtschaft.
Das US-Außenministerium hat in diesem Monat ein zunächst im August 2025 als Pilotprojekt gestartetes Visa-Kautionsprogramm dauerhaft eingeführt. Es erlaubt Konsulatsmitarbeitern, von bestimmten Touristen- und Geschäftsreise-Visa-Antragstellern aus 50 Ländern eine rückzahlbare Kaution von bis zu 20.000 US-Dollar (rund 17.000 Euro) zu verlangen.
"Es gibt bereits Anzeichen dafür, dass dieses Programm auf weitere Länder ausgeweitet werden könnte, in denen ein Visum erforderlich ist – möglicherweise auf alle visumspflichtigen Länder", sagte "U.S. Travel Association"-Präsident Geoff Freeman gegenüber Reuters. "Das hätte außerordentlich schädliche Auswirkungen auf die US-Wirtschaft und die Reisebranche." Das Außenministerium reagierte zunächst nicht auf eine Anfrage von Reuters.
Regierung verweist auf Rückgang bei überzogenen Aufenthalten
Nach Angaben der Regierung sanken die Visa-Erteilungen in den vom Pilotprogramm erfassten Ländern in dessen ersten zehn Monaten um 83 Prozent. Gleichzeitig sei die Zahl der Fälle mit überzogener Aufenthaltsdauer aus diesen Ländern von rund 45.500 im Haushaltsjahr 2024 auf weniger als 50 während der Pilotphase gesunken.
Die 50 vom Programm erfassten Länder liegen überwiegend in Afrika, eine kleinere Zahl in Asien, der Karibik, Zentralasien und Lateinamerika. Das Programm ziele nach Angaben der Regierung darauf ab, überzogene Aufenthalte von Staatsangehörigen aus Ländern mit hohen Überzugsquoten oder Mängeln beim Informationsaustausch, bei Sicherheitsüberprüfungen und bei der Dokumentensicherheit zu verringern.
Weitere Länder könnten mit einer Frist von 15 Tagen in die Liste aufgenommen werden. Die Kaution verfällt laut der Regelung, wenn Reisende ihren Aufenthalt überziehen oder andere Auflagen ihres Status verletzen.
Reisebranche verzeichnet bereits deutliche Rückgänge
Freeman zufolge entfallen auf die derzeit erfassten Länder weniger als zwei Prozent der Besucher in den USA. Die Reisebranche verzeichne aber bereits einen Rückgang der Reisen aus Kanada um 25 Prozent, während die Reisezahlen aus Asien nur noch die Hälfte des Niveaus von 2019 erreichten.
Die Gesamtzahl der Überseereisen in die USA sank nach vorläufigen Zahlen des National Travel and Tourism Office bis Juni im Jahresvergleich um 4,3 Prozent, darunter ein Rückgang von 1,8 Prozent im Juni während der Fußball-Weltmeisterschaft.
Die Branche habe gehofft, dass die politisch Verantwortlichen aus den Erfahrungen der Weltmeisterschaft Lehren ziehen und internationale Besuche fördern würden, anstatt Maßnahmen zu ergreifen, die von Reisen abschrecken, sagte Freeman. "Wenn wir schon während der Weltmeisterschaft keinen Anstieg der Besucherzahlen im Jahresvergleich hinbekommen haben, was sollen wir dann bitte in einem durchschnittlichen September erwarten?"