Die Anleihegläubiger von Air Baltic haben zugestimmt, dass die staatlich kontrollierte lettische Fluggesellschaft die Zinszahlungen für August und November aussetzt. Das teilte die Airline mit. Air Baltic sucht derzeit frisches Kapital.
Mehr als 75 Prozent der Inhaber der 380 Millionen Euro schweren Anleihe stimmten zu, die Zinsen dem Kapitalbetrag zuzuschlagen, statt sie bar auszuzahlen. Die Anleihe war 2024 mit einem Kupon von 14,5 Prozent begeben worden. Die Gläubiger setzten zudem eine Mindestliquiditätsanforderung bis November aus.
"Die genehmigten Beschlüsse sichern die Fortführung des Flugbetriebs von Air Baltic, die Airline fliegt weiterhin ihren vollständigen Flugplan wie geplant", teilte Air Baltic mit. Passagiere könnten weiterhin mit Vertrauen künftige Reisen buchen, hieß es weiter.
Der lettische Ministerpräsident Andris Kulbergs sagte laut dem öffentlich-rechtlichen Sender LSM, die Gläubiger hätten nicht den gesamten vorgeschlagenen Geschäftsplan der Airline gebilligt. Details nannte er nicht. Seine Regierung werde das Parlament bitten, zusätzliche Unterstützung für die Fluggesellschaft zu prüfen, etwa die Umwandlung der eigenen Anleihebeteiligung von 50 Millionen Euro in Eigenkapital.
Zwischenfinanzierung und Umschuldung geplant
Air Baltic hatte in der vergangenen Woche die Zustimmung der Anleihegläubiger zu einer Zwischenfinanzierung über 225 Millionen Euro beantragt, um kurzfristigen Liquiditätsbedarf zu decken. Zusätzlich schlägt die Fluggesellschaft eine umfassendere Restrukturierung vor, während die lettische Regierung parallel mit einem strategischen Investor verhandelt.
Dabei sollen die Gläubiger einen Teil der 380 Millionen Euro Schulden in Eigenkapital tauschen. Der verbleibende Teil soll durch bis zu 125 Millionen Euro neue Anleihen ersetzt werden. Weitere, nicht näher bezifferte Verbindlichkeiten sollen ebenfalls in Eigenkapital umgewandelt werden, teilte die Airline mit.
Flotte soll bis Ende des Jahres schrumpfen
Nach dem überarbeiteten Geschäftsplan soll Air Baltic ihre reine Flotte aus dem Airbus A220-300 von derzeit 54 auf 36 Flugzeuge bis Ende des Jahres verringern. Bis 2031 soll die Flotte anschließend schrittweise wieder auf 40 Maschinen wachsen.
Langfristig sieht der Plan eine Rekapitalisierung durch 225 Millionen Euro neue Anleihen und 100 Millionen Euro frisches Eigenkapital vor.
Fitch-Ratings-Direktor Raman Singla hatte im Juli gesagt, Air Baltic müsse einen für das laufende Jahr erwarteten freien Barmittelabfluss von 156 Millionen Euro bewältigen, um den Flugbetrieb wie geplant fortzuführen. Zuvor hatte die Ratingagentur bereits vor einem möglichen Zahlungsausfall oder einer Umschuldung gewarnt.
Die Kapitalstruktur der Fluggesellschaft, zu der geleaste Flugzeuge und aus seiner Sicht "sehr teure" Anleihen mit Fälligkeit 2029 gehörten, sei nach Einschätzung von Fitch "nicht tragfähig".