Die staatlich gestützte lettische Fluggesellschaft Air Baltic will bei einem Treffen mit ihren Anleihegläubigern am 3. August um kurzfristige Finanzierung bitten. Das geht aus einer bislang unveröffentlichten Mitteilung an die Anleihegläubiger hervor, die der Nachrichtenagentur "Reuters" vorliegt.
Die Fluggesellschaft, an der auch die Lufthansa beteiligt ist, versucht damit, ihre Finanzen zu stabilisieren und einen drohenden Zahlungsausfall zu vermeiden.
Air Baltic suche eine "Zwischenfinanzierung", während das Unternehmen seine Kapitalstruktur überprüfe, hieß es in der Mitteilung. "Um sicherzustellen, dass der Konzern während dieses Prozesses auf einer stabilen Plattform steht, beabsichtigt der Emittent, eine Zwischenfinanzierung zu suchen, damit ausreichend Liquidität gewährleistet ist, während die Überprüfung durchgeführt wird." Jeder Anleihegläubiger solle die Möglichkeit erhalten, sich an der Zwischenfinanzierung zu beteiligen.
Wie viel Geld die Fluggesellschaft aufnehmen will, geht aus der Mitteilung nicht hervor.
Steigende Kosten seit Kriegsbeginn im Iran
Die finanziellen Probleme von Air Baltic zeigen, wie die seit Ende Februar gestiegenen Kosten infolge des Iran-Kriegs strukturelle Schwächen bei manchen Fluggesellschaften offengelegt haben. Das schürt bei Investoren Zweifel daran, ob betroffene Airlines ihre Schulden bedienen können.
Air Baltic betreibt eine Flotte von 55 Maschinen des Typs Airbus A220-300 und will diese Zahl bis 2030 nahezu verdoppeln. Pläne für einen Börsengang hat das Unternehmen wegen Verzögerungen bei Triebwerkslieferungen, die zahlreiche Maschinen am Boden hielten, bereits mehrfach verschoben.
Die Rendite der 380 Millionen Euro schweren Air-Baltic-Anleihe mit Fälligkeit 2029 ist seit März deutlich gestiegen, wie Daten des Finanzdienstleisters LSEG zeigen – ein Zeichen für ein höher eingeschätztes Risiko.
Ratingagentur warnt vor Zahlungsausfall
Air Baltic hat einen kurzfristigen Kredit der lettischen Regierung über 30 Millionen Euro bislang nicht zurückgezahlt, der im August fällig ist. Zudem hat das Unternehmen es im Juni versäumt, ein für die 2029er-Anleihe vorgeschriebenes Reservekonto wieder aufzufüllen, wie die Ratingagentur Fitch vergangene Woche mitteilte.
Fitch hat das langfristige Emittentenrating von Air Baltic von "CCC-" auf "Rating Watch Negative" gesetzt. Die Anleihe trage ein Recovery-Rating von "RR4", was bedeute, dass Investoren im Fall eines Zahlungsausfalls zwischen 31 und 50 Prozent des eingesetzten Kapitals zurückerhalten könnten.
"Wir gehen davon aus, dass dem Unternehmen im Laufe des Jahres mit hoher Wahrscheinlichkeit ein Zahlungsausfall oder eine Form der Umschuldung droht, sollten die bestehenden Anteilseigner oder ein externer Investor keine zusätzlichen Mittel bereitstellen", erklärte Fitch.
Der lettische Ministerpräsident Andris Kulbergs sagte vergangene Woche gegenüber Journalisten, die Regierung könne Air Baltic nicht weiter unterstützen, solange die Airline keine klare Strategie für ihre Zukunft vorlege. Es brauche einen "strategischen kommerziellen Investor, der auch eine aktive Beteiligung am Unternehmen übernimmt", sagte Kulbergs.