Der Nettogewinn von Turkish Airlines ist im zweiten Quartal um 71 Prozent auf 197 Millionen US-Dollar eingebrochen. Der Umsatz stieg dagegen um 20,5 Prozent auf 7,2 Milliarden US-Dollar, teilte Turkish Airlines mit. Das blieb deutlich unter der Analystenerwartung zurück, wie arabische Medien berichteten.
Die Nettomarge schrumpfte von 11,6 Prozent auf 2,7 Prozent. Ein positiver Beitrag aus dem Investmentportfolio hielt das Unternehmen eigenen Angaben zufolge unter dem Strich in der Gewinnzone. Operativ verzeichnete Turkish Airlines im Quartal allerdings einen Verlust von 64 Millionen US-Dollar, nachdem im Vorjahreszeitraum noch ein operativer Gewinn zu Buche gestanden hatte.
Größter Belastungsfaktor waren die Treibstoffkosten. Sie kletterten im Jahresvergleich um 93 Prozent auf 2,8 Milliarden US-Dollar, nach 1,4 Milliarden US-Dollar im Vorjahresquartal, und machten 32,1 Prozent der gesamten Betriebskosten aus. Personalkosten folgten mit einem Anteil von 24,3 Prozent.
Die Passagierzahl blieb mit 23,2 Millionen laut Turkish nahezu unverändert. Der Passagierumsatz legte um 15 Prozent auf 5,7 Milliarden US-Dollar zu, gestützt auf höhere Stückerlöse. Das Angebot an Sitzplatzkilometern (ASK), ein Maß für die Kapazität einer Fluggesellschaft, wuchs um 1,2 Prozent auf 68,2 Milliarden. Der Frachtumsatz kletterte um 58 Prozent auf fast 1,3 Milliarden US-Dollar, das Frachtaufkommen legte um 11,3 Prozent zu.
Kapazität verschiebt sich Richtung Fernost
Die Unruhen im Nahen Osten prägten auch die Streckenplanung von Turkish Airlines. Die Kapazität auf Strecken in den Nahen Osten fiel um 48 Prozent, während sie auf Strecken nach Fernost um 18 Prozent zunahm. Im Inlandsverkehr sank die Kapazität um zwei Prozent.
Ihren Flugplan und das Kapazitätsmanagement habe Turkish Airlines zudem rasch an das veränderte Umfeld angepasst, teilte das Unternehmen mit. Einzelne Strecken strich die Airline dagegen bereits, darunter die Verbindung nach Leipzig/Halle.
Turkish Airlines hatte zunächst davon profitiert, dass Passagiere wegen der Unruhen in der Region Golf-Drehkreuze mieden. Inzwischen bauen die Golf-Carrier ihr Angebot aber wieder aus und konkurrieren verstärkt um Verkehr zwischen Asien und Europa, während hohe Kerosinpreise weiter auf den Kosten lasten, berichteten arabische Medien.
Flottenausbau trotz schwächerer Marge
Trotz des schwächeren Ergebnisses hält Turkish Airlines an ihren Wachstumsplänen fest. Die Fluggesellschaft investierte in den ersten sechs Monaten insgesamt 3,1 Milliarden US-Dollar und baute die Flotte trotz der Unsicherheiten durch den Krieg im Nahen Osten und trotz Engpässen in der Flugzeugproduktion weiter aus. Bis zum 100. Jubiläum des Unternehmens im Jahr 2033 soll die Flotte auf 800 Maschinen wachsen. Laut Unternehmensangaben fliegt Turkish Airlines bereits 133 Länder an und damit mehr als jede andere Fluggesellschaft weltweit.
Für das dritte Quartal rechnet Turkish Airlines mit einer EBITDAR-Marge von 20 bis 25 Prozent. Eine robuste Nachfrage im Passagier- und Frachtgeschäft dürfte nach Einschätzung des Unternehmens die negativen Effekte höherer Kerosinpreise infolge erneuter geopolitischer Spannungen begrenzen.