Tui Airline sucht einen neuen Chef. Bis zur Neubesetzung führen Chief Operating Officer (COO) Tilman Reinshagen und Chief Commercial Officer (CCO) Peter Glade die Sparte gemeinsam. Das sagte Glade im Interview mit "FVW".
"Die Suche nach einem neuen CEO läuft", sagte Glade. Er und Reinshagen berichten bis dahin weiter an Marco Ciomperlik. Ciomperlik hatte die Airline-Sparte bis Mai als Chef geleitet und gehört seither dem Tui-Vorstand an, wo er alle operativen Bereiche des Konzerns verantwortet.
Tui hatte Ende März einen Umbau des Konzernvorstands und die Schaffung eines COO-Postens bekannt gegeben, den Ciomperlik seit Mai ausfüllt.
Glade ist seit November 2024 für das kommerzielle Geschäft von Tui Airline zuständig. Er soll die fünf Flugbetriebe der Sparte, die bislang eng an die Veranstalter der jeweiligen Länder gebunden waren, kommerziell einheitlich steuern. Nach seinen Angaben gehören dazu 130 Flugzeuge, davon 18 für die Langstrecke.
Sparziel im Segment "Markets + Airline"
Bei den geplanten Einsparungen im Segment "Markets + Airline" fällt den Airlines nach Glades Worten die größte Last zu. "Die Airlines haben einen Löwenanteil zu tragen", sagte er. Man habe sich ein striktes Ziel gesetzt, ergänzte Glade.
Als Hebel nannte er den Abbau von Doppelarbeit. Aufgaben, die früher in allen fünf Betrieben einzeln anfielen, sollen künftig nur noch einmal erledigt werden. Außerdem will die Sparte die Flugzeuge besser auslasten. Im Winter seien die Blockstunden bei Tui eher niedrig, sagte Glade. Tui Airline müsse deshalb weitere Marktsegmente und Reiseanlässe erschließen, weil viele Kosten einer Fluggesellschaft Fixkosten seien.
Tui hatte Anfang Dezember 2025 Einsparungen von 250 Millionen Euro bis zum Geschäftsjahr 2028 im Segment "Markets + Airline" angekündigt. Welchen Anteil davon die Airlines übernehmen sollen, nannte Glade nicht.
Verteilung des Kerosinrisikos
Neben den Sparzielen beschäftigt Glade die Frage, wer das Risiko steigender Kerosinpreise trägt. Die Diskussion darüber sei deutlich intensiver als früher, sagte er. Teils enthielten die Verträge Preisgleitklauseln, teils sei das komplette Paket zum Festpreis verkauft. In diesem Fall müsse sich der Anbieter des Fluges selbst entsprechend absichern.
Auch die Absicherung sei komplexer geworden, sagte Glade. Neben den Währungen komme der Ölpreis ins Spiel, und es stelle sich die Frage, ob Brent oder der Kerosinpreis selbst abgesichert werde. Glade erwartet nach eigener Aussage, dass diese Debatten 2027 mit darüber entscheiden, wer im Markt erfolgreich ist. Tui Airline müsse auch dann attraktive Konditionen bieten, wenn die Preise hoch bleiben oder noch weiter anziehen, damit sich Familien 2027 einen Sommerurlaub leisten könnten.
Die Kerosinpreise waren nach Beginn des Iran-Kriegs Ende Februar und den Störungen an der Straße von Hormus zeitweise auf nahezu das Doppelte gestiegen. Tui, Alltours und Dertour hatten Anfang Mai nachträgliche Preiserhöhungen für bereits gebuchte Reisen ausgeschlossen.
