Tui geht trotz etwas geringerer Buchungen von einer robusten Nachfrage nach Urlaubsreisen im Sommer aus. Der gebuchte Umsatz des Reiseveranstalters bewege sich mit einem Minus von einem Prozent im Winter und zwei Prozent weniger im Sommer im erwarteten Rahmen, wie der Touristikkonzern mitteilte.
Es gebe derzeit eine Tendenz zu kurzfristigerem Buchen, erklärte Tui-Chef Sebastian Ebel. Während des guten Winterwetters in den vergangenen Wochen wurden die Reisebüros weniger frequentiert, um den Sommerurlaub zu buchen. Doch das habe sich zuletzt wieder normalisiert.
"Tui bleibt auf Wachstumskurs", betonte Ebel. Für den angepeilten Anstieg des operativen Gewinns im Gesamtjahr um sieben bis zehn Prozent komme es darauf an, Synergien in allen Geschäftsfeldern zu heben. Das Marktumfeld in Europa sei weiterhin wettbewerbsintensiv und konjunkturell anspruchsvoll. Die verbindlich verplanten Kapazitäten seien etwas reduziert worden. Die Preise für Hotels und Resorts sollen um drei Prozent steigen.
Im ersten Quartal des im Oktober begonnenen Geschäftsjahres 2025/26 erzielte Tui einen Umsatz auf Vorjahresniveau von 4,9 Milliarden Euro und verdiente operativ 77,1 Millionen Euro. Das waren 26,3 Millionen Euro mehr als im Vorjahreszeitraum. Nach Angaben steigerte das Unternehmen den bereinigten operativen Gewinn damit um gut die Hälfte. Normalerweise fällt in der Wintersaison operativ ein Verlust an.
Das saisonale Minus bei Pauschalreisen und Flügen konnte Tui durch Gewinn bei Kreuzfahrten und Hotels mehr als ausgleichen. Dabei hatte der Wirbelsturm Melissa auf Jamaika Ende Oktober eine Belastung von 16 Millionen Euro verursacht, weil Reisen abgebrochen und storniert wurden. Im zweiten Quartal könne es einen weiteren negativen finanziellen Effekt von fünf bis zehn Millionen Euro geben. Dennoch erklärte Tui, mit dem ersten Quartal zufrieden zu sein und ein gutes zweites Quartal zu erwarten.
Die Nettoverschuldung sank um eine halbe Milliarde auf rund 3,6 Milliarden Euro, hieß es weiter. Der Vorstand will die Kosten im Veranstaltergeschäft um rund 250 Millionen Euro senken, vor allem bei den allgemeinen Kosten. Bisher sei Tui dabei auf einem "sehr guten Weg", sagte Ebel.
Erste Dividende seit Corona-Krise
Bei der Hauptversammlung in Hannover treffen die Aktionäre erstmals seit der Corona-Pandemie wieder persönlich mit dem Vorstand und dem Aufsichtsrat von Tui zusammen. Die Anteilseigner sollen die erste Dividendenzahlung seit der Corona-Krise beschließen: Je Aktie ist eine Ausschüttung von zehn Cent geplant.
An der Börse kamen die Neuigkeiten am Morgen schlecht an: Die im Nebenwertindex M-Dax notierte Tui-Aktie gab zu Handelsbeginn mehr als zwei Prozent nach. Im Tagesverlauf weitete sich der Verlust auf viereinhalb Prozent aus, der Kurs fiel auf 8,93 Euro. Allerdings war er tags zuvor erst auf den höchsten Stand seit fast drei Jahren geklettert. Dabei hatten die Papiere allein seit Anfang November rund 38 Prozent an Wert gewonnen.
Die Analysten von Bernstein Research erklärten, mit den etwas schwächeren Buchungen sei es unwahrscheinlich, dass die Jahresprognose wie im vergangenen Jahr übertroffen werde. Die Markterwartungen für das Gesamtjahr gingen jetzt vermutlich um ein bis zwei Prozent zurück.
Asien gefragt, USA weniger
Bei Fernreisen orientierten sich die Kunden stärker in Richtung Asien. Die Nachfrage nach USA-Reisen sei deutlich gesunken, erklärte Ebel. Trotz der Naturkatastrophe in der Region im vergangenen Herbst will Tui jetzt stärker mit Karibik-Zielen wachsen. Anders als in Deutschland, wo der Konzern an Wachstumsgrenzen stößt, kann Europas Marktführer in Osteuropa, zuletzt etwa in Rumänien, sein Geschäft ausbauen. In diesem Jahr eröffnen in der Region 50 neue Reisebüros.
An den beiden größten Märkten Deutschland und Großbritannien will Tui künftig das Segment der Billigreisen stärker bedienen mit einer neuen Marke. Durch niedrige Kosten solle aber eine auskömmliche Marge erzielt werden, erklärte der Tui-Chef.