US-Präsident Donald Trump droht Kanada mit einem Strafzoll von 50 Prozent auf alle in dem Nachbarland gefertigten Flugzeuge. Zudem kündigte er an, die Zertifizierung für Maschinen des Flugzeugbauers Bombardier und anderer in Kanada hergestellter Flugzeuge abzuerkennen, sollten die kanadischen Behörden nicht umgehend mehrere Flugzeugtypen des US-Konkurrenten Gulfstream zulassen.
Trump zufolge weigert sich Kanada, die Gulfstream-Modelle G500, G600, G700 und G800 zuzulassen. Die US-Luftfahrtbehörde FAA und die europäische Flugsicherheitsbehörde EASA hatten die G800 im April 2925 zertifiziert. "Sollte diese Situation aus irgendeinem Grund nicht sofort korrigiert werden, werde ich Kanada einen Zoll von 50 Prozent auf alle in die Vereinigten Staaten von Amerika verkauften Flugzeuge auferlegen", schrieb Trump am Donnerstagabend auf seiner Online-Plattform Truth Social.
Einem Vertreter des US-Präsidialamts zufolge will Trump jedoch nicht die Zulassung für bereits in den USA betriebene Flugzeuge aus Kanada widerrufen. Bombardier teilte mit, man habe Trumps Äußerungen zur Kenntnis genommen und stehe mit der kanadischen Regierung in Kontakt. Der Konzern hoffe auf eine schnelle Lösung, um erhebliche Auswirkungen auf den Flugverkehr zu vermeiden.
Branche warnt vor gravierenden Folgen
Branchenvertreter und Gewerkschaften warnten vor gravierenden Folgen. "Die Vermischung von Sicherheitsfragen mit Politik und Beschwerden ist eine unglaublich schlechte Idee", sagte der Analyst Richard Aboulafia von der Beratungsfirma AeroDynamic Advisory. Die Gewerkschaft IAM warnte vor einer Gefährdung tausender Arbeitsplätze in beiden Ländern.
US-Fluggesellschaften wie American Airlines und Delta Air Lines setzen für viele ihrer Regionalverbindungen auf in Kanada gebaute Maschinen. Es blieb zunächst unklar, welche Flugzeuge neben den Bombardier-Maschinen von Trumps Drohung betroffen sein würden, wie etwa der auch in Kanada hergestellte Airbus A220.
Es ist unklar, auf welcher rechtlichen Grundlage Trump die Zulassungen entziehen könnte, da dies Aufgabe der Luftfahrtbehörde FAA ist. Deren Vorschriften erlauben einen solchen Schritt aus Sicherheitsgründen, nicht jedoch aus wirtschaftlichen Erwägungen. Nach internationalen Regeln ist das Land, in dem ein Flugzeug entwickelt wird, für die Erstzertifizierung zuständig. Andere Länder übernehmen diese in der Regel, können aber auch weitere Daten anfordern. So hatten europäische Aufsichtsbehörden nach der Krise um die Boeing 737 Max die Anerkennung von US-Zertifizierungen verzögert und auf Änderungen am Design gedrängt.
Zunehmende Spannungen mit Kanada
Trump greift häufig zu Zöllen, um seinen Willen durchzusetzen. Davon bleiben auch traditionell enge Verbündete wie Kanada nicht verschont. Bisweilen nutzt Trump Zölle aber auch nur als Drohgebärde und setzt diese letztlich nicht um. Die Europäische Union erwägt als Reaktion auf Trumps Zollpolitik ihrerseits Gegenzölle.
Die neue Trump-Drohung fällt in eine Zeit größerer Spannungen zwischen den beiden Nachbarländern. Erst vor wenigen Tagen hatte Trump Kanada mit horrenden Zöllen gedroht, um eine engere wirtschaftliche Zusammenarbeit des Nachbarn mit China zu verhindern. Sollte die kanadische Regierung einen Deal mit der Volksrepublik schließen, würden alle Importe aus Kanada mit einem 100-Prozent-Zollsatz belegt, schrieb er auf Truth Social.
Kanadas Premierminister Mark Carney, der ebenso wie sein Vorgänger Justin Trudeau in der Vergangenheit diverse Streitigkeiten mit Trump auszutragen hatte, war im Januar nach Peking gereist und kündigte danach eine engere Zusammenarbeit mit China an. So nimmt Kanada einen Teil seiner Zölle auf chinesische Elektroautos zurück, im Gegenzug will China Handelshemmnisse für kanadische Agrarprodukte wie Raps abbauen.
Nach seiner China-Reise fiel Carney beim Weltwirtschaftsforum in Davos mit einer eindringlichen Rede auf, die auch als Kritik an Trump und dessen aggressiver "America First"-Politik verstanden wurde. Der US-Präsident hatte mehrfach davon gesprochen, dass Kanada als Bundesstaat in die USA integriert werden sollte.
