Der Zusammenbruch von Spirit Airlines Anfang Mai hat rund 17.000 Beschäftigte in den Jobmarkt entlassen. Tausende von ihnen suchen nun eine neue Stelle in der Luftfahrtbranche – und stoßen dabei auf strukturelle Hürden, die eine rasche Rückkehr ins Cockpit oder in die Kabine erschweren.
Die Airline hatte im April in ihre zweite Insolvenz geschliddert und schließlich den Betrieb eingestellt.
Besonders hart trifft es jene, die viele Jahre bei der Fluggesellschaft gearbeitet haben. Denn anders als in anderen Branchen bringt Erfahrung bei einem neuen Arbeitgeber zunächst wenig: Wer zu einer anderen Airline wechselt, verliert seine Seniorität und muss am Ende der Gehaltsskala neu beginnen. Flexibilität bei Einsatzplanung und Stationierung wird ebenfalls zurückgesetzt.
"Meine fast zehnjährige Erfahrung bei Spirit könnte mir helfen, einen neuen Job zu bekommen – aber was ich dann bekomme, wenn ich die Tür öffne, ist eine ganz andere Frage", sagte ein entlassener Spirit-Pilot gegenüber der Nachrichtenagentur "Reuters". Seinen Namen wollte er nicht nennen, um seine Jobchancen nicht zu gefährden. "Ich stehe dann auf der gleichen Stufe wie jemand, der noch nie einen Jet geflogen hat."
Gewerkschaft warnt vor langen Wartezeiten
Sara Nelson, Präsidentin der Flugbegleitergewerkschaft AFA-CWA (Association of Flight Attendants-CWA), schätzt, dass es für mehrere Hundert der rund 3500 betroffenen Spirit-Flugbegleiter vier bis fünf Monate dauern könnte, bis sie bei einer anderen Airline wieder arbeiten – und das sei noch die optimistische Variante.
Hintergrund: Airlines planen ihre Einstellungen zu Beginn des Geschäftsjahres auf Basis von Renteneintritten, Flottenentwicklung und Planungsbedarf. Für die Sommersaison sind die Stellen in vielen Fällen bereits vergeben. Zudem haben mehrere große Carrier ihre Trainingsklassen zuletzt deutlich reduziert. "Einige hatten wöchentliche Klassen mit rund 100 Personen. Das wurde bei den großen Airlines auf 30 alle zwei Wochen zurückgefahren", sagte Nelson.
Für Piloten stehen die Chancen langfristig etwas besser – angesichts geplanter Kapazitätserweiterungen und einer bevorstehenden Rentierungswelle in den kommenden Jahren. Ein strukturelles Problem dabei: US-Airlines mangelt es schon länger an erfahrenen Flugkapitänen. Besonders gesucht sind Prüfpiloten (sogenannte Check Airmen) und Simulatorinstruktoren. Dennoch bedeutet ein Arbeitgeberwechsel zunächst erhebliche Einbußen. "Es ist ein massiver Gehaltsschnitt und eine massive Veränderung der bisherigen Lebensqualität", sagte Taylor Brown, ein früherer Spirit-Pilot, der die Airline bereits im Oktober vergangenen Jahres verlassen hatte, um für UPS zu fliegen.
Große Carrier zeigen begrenzte Aufnahmebereitschaft
Mehrere US-amerikanische Großfluggesellschaften haben signalisiert, dass sie grundsätzlich bereit seien, frühere Spirit-Mitarbeiter aufzunehmen – die Stellen seien jedoch begrenzt.
United Airlines, die 2026 rund 1300 Piloten einstellen will, hat nach eigenen Angaben bereits 2800 Bewerbungen von Spirit-Mitarbeitern für verschiedene Positionen erhalten. Delta Air Lines plant, 2026 Hunderte Piloten und Flugbegleiter neu einzustellen. American Airlines verzeichnete bislang 2000 Bewerbungen früherer Spirit-Beschäftigter, Southwest Airlines richtete eigens eine Microsite für Spirit-Mitarbeiter ein. Frontier Airlines will Stellen mit Spirit-Personal besetzen, sobald sie frei werden. Jetblue hingegen hat Einstellungen vorübergehend gestoppt.
Viele weitere US-Carrier machten keine konkreten Angaben zu ihren Einstellungsplänen.
Klage wegen fehlender Kündigungsfristen
Ehemalige Spirit-Mitarbeiter haben jüngst eine Sammelklage eingereicht. Der Vorwurf: Die Fluggesellschaft habe die gesetzlich vorgeschriebene Kündigungsfrist nicht eingehalten und damit rund 17.000 Beschäftigte um 60 Tage Lohn und Leistungen gebracht. Spirit hat bis Mitte Juli Zeit, zu antworten. Ein Unternehmensanwalt erklärte vor Gericht, die Airline habe die Betroffenen so früh wie möglich informiert. Der Kollaps von Spirit war Teil einer Serie von Schocks, die den US-Luftverkehrsmarkt im Frühjahr 2026 erschütterten.
Für Travis Arcamone, der im April noch zum Flugbegleiter des Jahres an der Spirit-Basis Orlando gekürt wurde und einen Monat später seinen Job verlor, läuft die Suche nach einer Rückkehr in die Luftfahrt weiter. Bis es so weit ist, arbeitet er als Autoverkäufer.