Saudi-Arabien hat nach Informationen von drei mit der Sache vertrauten Personen eine Flugunfalluntersuchung zum Angriff im Cockpit einer Flydubai-Maschine eingeleitet. Ein Copilot hatte Ende September auf dem Flug FZ1073 mutmaßlich versucht, die Boeing 737 Max zum Absturz zu bringen.
Die Insider sagten, Saudi-Arabien habe Fachbehörden im Ausland informiert, dass es eine Sicherheitsuntersuchung nach internationalen Regeln zu dem Flug durchführe. Die Maschine habe sich im saudi-arabischen Luftraum befunden, als der Copilot den Kapitän mit einer Axt angegriffen habe. Das Flugzeug war auf dem Weg nach Israel.
Sicherheitsuntersuchungen sind nach Unfällen üblich, bei vorsätzlichen Handlungen jedoch nicht verpflichtend. Bislang war offen, ob Saudi-Arabien eine solche Untersuchung einleitet. Das für Unfalluntersuchungen zuständige National Transport Safety Center reagierte zunächst nicht auf eine Anfrage. Auch Regierung und Aufsichtsbehörde des Landes äußerten sich nicht.
Fast alle der 172 Menschen an Bord waren israelische Staatsbürger. Israel hat angeboten, sich an einer von Saudi-Arabien geleiteten Sicherheitsuntersuchung zu beteiligen, ist bislang aber nicht eingeladen worden. "Wir warten weiterhin auf eine Benachrichtigung aus Saudi-Arabien, die uns zur Teilnahme an der Untersuchung einlädt", sagte Ofer Vaknin, Direktor der israelischen Flugunfalluntersuchungsbehörde Aircraft Safety Investigation Authority.
Die US-Verkehrssicherheitsbehörde NTSB wäre bei einer Untersuchung eng eingebunden, weil die Boeing 737 Max, die den steilen Sinkflug überstand, in den USA entwickelt und gebaut wurde. Sie war zunächst nicht für eine Stellungnahme erreichbar. Auch Vertreter der Vereinigten Arabischen Emirate äußerten sich nicht. Nach internationalen Regeln wären die Emirate automatisch beteiligt, weil die Maschine dort registriert ist und die Airline ihren Sitz in Dubai hat.
Strafrechtliche Ermittlungen in den Emiraten
Die Emirate hatten bereits ein separates Strafermittlungsverfahren zu dem Vorfall eingeleitet. Der Generalstaatsanwalt des Landes bezeichnete ihn als "Terroranschlag".
Experten prüfen zudem, welche Folgen der Vorfall für die Flugsicherheit haben könnte. Sicherheitsuntersuchungen sollen Empfehlungen zur Flugsicherheit hervorbringen, ohne Schuld zuzuweisen. Nach Einschätzung von Experten könnte der Fall dieses System der internationalen Zusammenarbeit auf die Probe stellen.
Saudi-Arabien und Israel unterhalten keine diplomatischen Beziehungen. Experten zufolge kann das seit Jahrzehnten bestehende System der Zusammenarbeit zur Unfallverhütung politische Grenzen überschreiten. Ihm wird allgemein ein deutlicher Rückgang der Unfallrate zugeschrieben.