Der französische Triebwerkshersteller Safran hält am Ausbau seiner Kapazitäten für Wartung, Reparatur und Überholung (MRO) fest und rechnet mit einer weiter steigenden Nachfrage. Das sagte Vorstandsvorsitzender Olivier Andriès vor Journalisten. Als Grund nannte er die zunehmende Zahl ausgelieferter Flugzeuge.
"Es gibt bereits einen sehr starken Bedarf an Triebwerkswartung. Und jetzt sehen wir einen Anstieg bei der Auslieferung von Flugzeugen, was bedeutet, dass es letztlich einen größeren Bedarf an Triebwerkswartung geben wird", sagte Andriès.
Der Kapazitätsausbau sei vor allem seit den Engpässen in der Instandhaltung nötig, die nach der Corona-Pandemie entstanden waren, sagte Andriès. Bei der Produktion sieht sich Safran im Plan. Das Unternehmen erwarte, in diesem Jahr alle Lieferzusagen gegenüber Airbus zu erfüllen.
Im Oktober hatte Safran einen höheren Umsatz im dritten Quartal gemeldet und die Jahresprognose bestätigt. Die Aktie gab dennoch nach, weil Anleger fürchteten, dass sich das langsamere Wachstum im Aftermarket-Geschäft bis ins Jahr 2027 fortsetzen könnte.
Andriès sieht Annäherung Großbritanniens an die EU
Andriès äußerte sich auch zur britischen Industriepolitik. Er sehe bei der Labour-Regierung die Bereitschaft, enger mit der Europäischen Union zusammenzuarbeiten. Nach Jahren der Spannungen infolge des Brexits deutet sich damit ein Kurswechsel an.
"Mit dieser neuen Regierung gibt es den Willen, wieder näher an Europa heranzurücken, und das war eine bewusste Entscheidung mit Blick auf den Aufbau von Partnerschaften", sagte Andriès mit Blick auf die Regierung von Premierminister Andy Burnham (Labour). Die Luft- und Raumfahrtindustrien Großbritanniens und Frankreichs seien seit Langem eng verbunden und natürliche Partner, fügte er hinzu.
Burnham hatte wiederholt erklärt, Großbritannien brauche eine engere Beziehung zur EU. Das Land war 2020 aus der Europäischen Union ausgetreten, nachdem sich die Briten 2016 in einem Referendum dafür entschieden hatten. Nach Angaben auf der Unternehmenswebsite betreibt Safran 14 Standorte in England und Wales.
Prüfung eines Triebwerks für Kampfdrohnen
Andriès bekräftigte außerdem das Interesse von Safran an einem Triebwerk für die nächste Generation sogenannter kollaborativer Kampfflugzeuge. Die französische Regierung will die Industrie stärker in das Programm einbinden. Die französische Rüstungsbeschaffungsbehörde hatte Unternehmen im Juni aufgefordert, ihre Fähigkeiten bei kollaborativen Kampfdrohnensystemen darzulegen. Die Frist dafür lief bis Ende August.
Ob Safran eine Antwort eingereicht hat, wollte Andriès nicht sagen. Das Unternehmen prüfe aber, ob es ein Triebwerk für das Konzept eines kollaborativen Kampfflugzeugs mit der Bezeichnung M15 entwickeln wolle. "Wir prüfen derzeit, ob wir die Konstruktion eines M15-Triebwerks starten oder nicht, aber im Moment haben wir das noch nicht getan", sagte Andriès.
