Ryanair will ihre Kerosin-Absicherungsstrategie vorerst fortführen – überprüft sie angesichts des Nahostkonflikts aber grundsätzlich. Das erklärte CEO Eddie Wilson auf einer Pressekonferenz in Berlin.
Die Airline habe zwar 80 Prozent des bis Ende März 2027 benötigten Treibstoffes über Hedging zum Festpreis von 67 Dollar pro Barrel gesichert. "Aber 20 Prozent Unsicherheit sind immer noch da." Aktuell liege der Ölpreis bei 150 Dollar.
Wilson räumte ein, dass die Absicherung über Swap-Geschäfte mit Banken nur dann ihren Sinn erfülle, wenn der aktuelle Preisanstieg als temporäre Störung einzustufen sei. Werde ein dauerhaft hohes Preisniveau zur Normalität, verliere das Instrument seinen zentralen Vorteil.
Mittelfristig will Ryanair an der Absicherungsstrategie festhalten. Künftige Entscheidungen würden aber stärker davon abhängen, welcher Kerosinpreis auf mehrjährige Sicht als realistischer Durchschnitt gelte, sagte Wilson.
Auf die Frage, ob Ryanair von klassischen Swaps auf Options-basiertes Hedging umsteigen oder die Absicherung ganz aufgeben könnte, antwortete Wilson ausweichend: Man überprüfe die Strategie regelmäßig, wolle aber keine taktische Cleverness vortäuschen, die man nicht habe.
Den Kerngedanken hinter dem Hedging beschrieb Wilson dann auch als Instrument zur Kostensicherheit, nicht zur Spekulation auf möglichst billige Preise.
Sollte der Konflikt im Nahen Osten dauerhaft anhalten, würde das Hedging die Airline letztlich einholen. In einem solchen Szenario dürften aber ohnehin deutlich weniger Fluggesellschaften am Markt übrig bleiben, so Wilson.
Damit wählt die irische Billigfluggesellschaft einen anderen Weg als die Lufthansa-Gruppe, die ihr Hedging zuletzt vorübergehend ausgesetzt hat, um sich nicht dauerhaft an aktuelle Rekordpreise zu binden.
Ryanair sieht sich im Preiskampf gut aufgestellt
Höhere Kerosinkosten würden sich mittelfristig auch in den Preisen niederschlagen – bei Ryanair ebenso wie bei der Konkurrenz. Verstärkt werde der Effekt durch ein verändertes Buchungsverhalten: Seit Beginn des Konflikts buchten Passagiere deutlich kurzfristiger als zuvor, was automatisch zu höheren Durchschnittspreisen führe.
Ryanair-CCO Jason McGuinness ergänzte, die grundsätzliche Preisstrategie bleibe dennoch unverändert: Auslastung habe Vorrang vor Ertrag – der Preis folge der Nachfrage, nicht umgekehrt.
Für viele Konkurrenten stellt sich die strategische Frage anders: Sie sind nach Angaben von Ryanair-CCO Jason McGuinness kaum oder gar nicht abgesichert. Schon bei unter 100 US-Dollar je Barrel hätten zahlreiche Carrier keine Gewinne erwirtschaftet – bei derzeit rund 150 US-Dollar je Barrel drohten einigen die Existenzgrundlagen wegzubrechen. Kapazitätskürzungen oder Insolvenzen seien in den kommenden Monaten nicht auszuschließen.
Selbst eine rasche Beilegung des Konflikts würde die Lage kurzfristig kaum entspannen: McGuinness geht davon aus, dass erhöhte Kerosinpreise noch zwölf bis 18 Monate nachwirken würden – unabhängig davon, wie sich die geopolitische Lage entwickelt.
Wenig Sorgen über Verfügbarkeiten
Einen akuten Versorgungsengpass sieht Ryanair derzeit nicht – wohl aber strukturelle Risiken. Rund 20 Prozent des globalen Kerosinangebots seien durch den Konflikt betroffen. Jet-A1 werde aus verschiedenen Quellen bezogen – darunter Westafrika, die USA und Osteuropa – weshalb die Lage je nach Standort unterschiedlich sei.
Spanien profitiere von eigenen Raffineriekapazitäten und alternativen Ölquellen und sei damit besser abgeschirmt. Großbritannien sei deutlich verwundbarer. Als zusätzlichen Puffer verwies die Airline auf den Einsatz von Tankern.
Einen Verhandlungsvorteil sieht Ryanair in seiner Marktstellung: Als größter Kerosinabnehmer in vielen Ländern habe die Airline eine stärkere Position gegenüber Lieferanten als kleinere Wettbewerber.