Der Passagierverkehr an Europas Flughäfen ist im Sommer stärker gewachsen als in den Monaten zuvor. Wie der Flughafenverband ACI Europe jetzt mitteilte, stieg die Zahl der Fluggäste im Juli um 3,9 Prozent und im August um 3,1 Prozent gegenüber den Vorjahresmonaten. Deutschland und Österreich zählten im August dagegen zu den Märkten mit den schwächsten Werten.
Im zweiten Quartal hatte das Wachstum noch bei 1,3 Prozent gelegen. Damals hatten nach Angaben des Verbands die Folgen des Kriegs im Nahen Osten die Entwicklung gebremst. Besonders kräftig wuchsen im Sommer die Flughäfen außerhalb des Verbunds aus EU, EWR, Schweiz und Großbritannien, und zwar um 6,6 Prozent im Juli und um sechs Prozent im August. Innerhalb dieses Verbunds fiel das Plus mit 3,4 Prozent im Juli und 2,5 Prozent im August geringer aus.
Die österreichischen Flughäfen verzeichneten im August ein Minus von sechs Prozent, die deutschen ein Minus von 0,2 Prozent. Schwächer als Österreich schnitt nur Island mit einem Rückgang von 9,3 Prozent ab. Auch Frankreich mit minus 1,7 Prozent, Zypern mit minus 1,5 Prozent und Norwegen mit minus 0,3 Prozent lagen am unteren Ende.
Unter den großen Märkten blieben neben Deutschland und Frankreich auch die britischen Flughäfen mit einem Plus von 0,9 Prozent unter dem europäischen Durchschnitt.
Deutlich zulegen konnten dagegen die touristisch geprägten Märkte Italien mit 5,2 Prozent und Spanien mit 4,7 Prozent. Die höchsten Zuwächse innerhalb des Verbunds meldeten die Slowakei mit 61 Prozent, Slowenien mit 19,3 Prozent, Estland mit 16,4 Prozent, Ungarn mit 13 Prozent und Malta mit 12,3 Prozent.
Verband erwartet schwierigeren Winter
ACI-Europe-Generaldirektor Olivier Jankovec sagte, die Erholung in den Spitzenmonaten des Sommers zeige, dass die Nachfrage trotz geopolitischer Spannungen, einer sich eintrübenden Konjunktur, Engpässen beim Angebot und höherer Ticketpreise robust bleibe. Urlaubsreisen und Besuche bei Freunden und Verwandten hätten für die Europäer weiterhin Priorität. Zugleich ziehe Europa Reisende aus aller Welt an.
"Diese Wachstumszahlen verdecken jedoch deutliche Unterschiede zwischen den nationalen Märkten", sagte Jankovec. Die Geopolitik präge die Entwicklung zunehmend. In mehreren Märkten, die im Sommer normalerweise eine starke Nachfrage verzeichneten, stagniere der Verkehr oder gehe sogar zurück.
Für die kommenden Monate rechnet der Verband mit zusätzlichem Druck auf Angebot und Nachfrage durch den geopolitisch ausgelösten Energiepreisschock. Die Airlines reduzierten bereits ihre Kapazitäten und erhöhten die Preise, um die steigenden Kerosinkosten aufzufangen, sagte Jankovec. Zugleich werde die in Europa wieder aufkommende Krise der Lebenshaltungskosten die Belastbarkeit der Nachfrage auf die Probe stellen. "Für die Flughäfen bedeutet das einen unsichereren Ausblick mit erneuten Verkehrsrisiken und zunehmendem Wettbewerbsdruck bis in die Wintersaison hinein."
Frankfurt und München mit leichtem Minus
Die Flughäfen mit mehr als 40 Millionen Passagieren wuchsen im August insgesamt um 1,3 Prozent. Frankfurt verlor dabei 0,3 Prozent, München 0,5 Prozent. Amsterdam-Schiphol legte um 0,1 Prozent zu, London-Gatwick ging um 3,4 Prozent zurück.
Größter Flughafen Europas war im Sommer Istanbul mit 8,6 Millionen Passagieren im August, das entspricht einem Plus von drei Prozent. Dahinter folgten London-Heathrow mit 7,9 Millionen Passagieren und einem Minus von 2,1 Prozent sowie Paris-Charles de Gaulle mit 6,9 Millionen Passagieren und einem Minus von 1,1 Prozent. Überdurchschnittlich wuchsen in dieser Gruppe Istanbul Sabiha Gökçen mit 9,5 Prozent, Madrid mit 4,9 Prozent und Barcelona mit 4,5 Prozent.
Am stärksten legten im August die Flughäfen mit zehn bis 25 Millionen Passagieren um 4,8 Prozent und die mit einer bis zehn Millionen Passagieren um 5,2 Prozent zu. Der Verband führt das vor allem auf den gezielten Ausbau einzelner Low-Cost-Carrier zurück, in geringerem Maß auch auf neue Transatlantikverbindungen. Spitzenreiter unter den mittelgroßen Flughäfen war Bratislava mit einem Plus von 75,9 Prozent. Die Standorte mit 25 bis 40 Millionen Passagieren wuchsen dagegen nur um 0,8 Prozent.
Die kleinen Flughäfen mit weniger als einer Million Passagieren kamen auf ein Plus von 4,2 Prozent. Zu den am schnellsten wachsenden zählte St. Gallen-Altenrhein mit 116,4 Prozent. Die Kategorie liegt als einzige noch unter dem Niveau von vor der Pandemie, und zwar um 25,5 Prozent unter dem Wert vom August 2019. ACI Europe begründet das mit Engpässen auf der Angebotsseite und damit, dass Airlines größere und profitablere Märkte bevorzugten.
Luftfracht geht im August zurück
Das Frachtaufkommen an Europas Flughäfen blieb im Juli mit einem Plus von 0,3 Prozent nahezu unverändert und ging im August um 6,1 Prozent zurück. Unter den zehn größten Frachtflughäfen wuchs Istanbul im August mit 18,1 Prozent am stärksten und lag auch beim Volumen vorn. Brüssel legte um 8,6 Prozent zu, Amsterdam um 7,6 Prozent. Die Zahl der Flugbewegungen stieg im Juli um 2,7 Prozent und im August um 2,2 Prozent.
ACI Europe erfasst in seinen monatlichen Verkehrsberichten nach eigenen Angaben mehr als 450 Flughäfen, die zusammen über 95 Prozent des europäischen Aufkommens abwickeln. Berücksichtigt sind alle Arten von Passagierflügen, darunter Linien-, Low-Cost- und Charterverkehr. Die Daten beziehen sich auf die Mitglieder des Verbands und sind laut ACI Europe möglicherweise nicht für den gesamten europäischen Flughafenverkehr repräsentativ.