Die deutschen Flughäfen konnten im August erneut nicht mit dem Passagierwachstum in Europa mithalten. Nach Angaben des Flughafenverbands ADV sank die Zahl der Passagiere an deutschen Standorten um 0,2 Prozent. Die europäischen Flughäfen verzeichneten im selben Monat ein Plus von 3,1 Prozent.
Der Verband verglich dafür die in dieser Woche veröffentlichten Daten von ACI Europe mit den Verkehrszahlen der hiesigen Standorte. Das Flugangebot in Deutschland liegt demnach um 17,8 Prozent unter dem Wert von 2019. Immer mehr Geschäfts- und Privatreisende seien verärgert, weil sie keine passenden Verbindungen fänden, sagte ADV-Hauptgeschäftsführer Ralph Beisel.
Verband sieht Steuern und Gebühren als Ursache
"Deutschland hat nicht ein Nachfrage-, sondern ein Angebotsproblem", sagte Beisel. Jede Airline entscheide sehr genau, wo sie Flugzeuge stationiere und zusätzliche Europaverbindungen anbiete. Andere europäische Märkte steigerten ihre Attraktivität mit günstigen Standortbedingungen. In Deutschland würden Fluggesellschaften dagegen durch aus seiner Sicht überhöhte Steuern und Gebühren vertrieben.
Erschwerend kämen die derzeit rekordhohen Kerosinpreise hinzu. Unter diesen Bedingungen sei es im Wettbewerb der europäischen Standorte kaum möglich, eine weitere Airline für eine neue Strecke nach Deutschland zu gewinnen.
Die ADV fordert deshalb, die Luftverkehrsteuer vorübergehend auszusetzen und langfristig ganz abzuschaffen. Als Beispiel nannte Beisel Schweden. Dort sei die Steuer Mitte 2025 weggefallen, bis Jahresende wachse das Flugangebot um etwa neun Prozent.
Für die Absenkung der Luftverkehrsteuer durch die Bundesregierung zeigte sich Beisel dankbar. "Dennoch bleibt die nach wie vor viel zu hohe Steuerbelastung der Mühlstein um unseren Hals", sagte er. Die Senkung sei ein wichtiger erster Schritt gewesen, die Bundesregierung müsse diesen Kurs nun konsequent fortsetzen.
Ob Unternehmen investierten und neue Arbeitsplätze schafften, hänge auch von der internationalen Erreichbarkeit eines Landes ab, sagte Beisel. Gleiches gelte für seine Bedeutung als Handels- und Reiseziel.