Die US-Verkehrssicherheitsbehörde National Transportation Safety Board (NTSB) hat Ermüdungsrisse in einem zentralen Bauteil als Ursache für den Absturz einer MD-11 von UPS Anfang November in Kentucky identifiziert. Das teilte die Behörde mit. Bei dem Unglück kamen 14 Menschen ums Leben.
Neben den Ermüdungsrissen, die dem Unfall am linken Pylon vorausgingen, stellte die NTSB in ihrem vorläufigen Bericht auch Bereiche mit Überlastungsversagen fest. Infolgedessen versagte eine Seite der Pylon-Halterung aufgrund von Materialermüdung. Als sie brach, konnte die andere Seite die zusätzliche Last nicht bewältigen.
Risse schwächten Stützstruktur
Luftfahrt-Sicherheitsexperten bezeichneten die Entdeckung von Ermüdungsrissen in der Stützstruktur am linken Pylon, der Flügel und Triebwerk des Flugzeugs verbindet, als bedeutenden Fund für die Untersuchung des Absturzes am 4. November in Louisville.
"Das ist ein wichtiger Hinweis", sagte der US-Luftfahrt-Sicherheitsexperte Anthony Brickhouse über die Risse. Diese hätten sich über mehrere Flüge entwickelt.
Brickhouse sagte, die Ermittler müssten herausfinden, warum der Riss im Rahmen der Flugzeugwartung nicht entdeckt wurde. Diese Suche könne Jahre zurückreichen. Die US-Sicherheitsermittler untersuchen bereits die Wartungshistorie des 34 Jahre alten UPS-Frachtflugzeugs, das Wochen vor dem Absturz in Flammen nach dem Start in Texas zur Reparatur war. Diese Wartung wurde an einem Standort von ST Engineering aus Singapur durchgeführt.
Laut Bericht hatte das Flugzeug noch nicht genügend Zyklen geflogen, um spezielle detaillierte Inspektionen des Bauteils zu rechtfertigen.
Ähnlicher Vorfall 1979
Der vorläufige Bericht verwies auf den Absturz einer DC-10 von American Airlines im Mai 1979, der unter "ähnliche Ereignisse" aufgeführt wurde. Während der Startrotation von Flug 191 vom Flughafen Chicago O'Hare hatten sich das linke Triebwerk und die Pylon-Baugruppe sowie etwa einen Meter der Vorderkante des linken Flügels vom Flugzeug gelöst.
UPS und Fedex legten ihre MD-11-Flotten in diesem Monat vorsorglich und auf Empfehlung des US-Flugzeugherstellers Boeing still. Die Federal Aviation Administration erließ zudem Anweisungen, die die MD-11 und die DC-10 aufgrund ihrer ähnlichen Konstruktion vorübergehend am Boden zu halten.
NTSB-Vorsitzende Jennifer Homendy sagte gegenüber "Reuters", dass Boeing im Rahmen der Untersuchung zusätzliche Modellierungen und Tests durchführe. Boeing besitzt das umfassendere MD-11-Programm seit seiner Fusion mit McDonnell Douglas im Jahr 1997.
Vorläufige Berichte werden normalerweise rund 30 Tage nach einem Vorfall veröffentlicht. Ein umfassenderer Abschlussbericht wird etwa ein Jahr nach dem Absturz vorgelegt.