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Milliarden für den Verkehr

Die Infektions-Zahlen werden besser, zumindest in Deutschland. Damit es mit dem Hochfahren der Verkehrsträger klappt, gibt es jetzt Milliarden für die Lufthansa, die Bahn und vielleicht auch für die Autoindustrie. Die Begünstigten sollten das Geld dazu nutzen, besser zu werden, meint Verkehrsjournalist Thomas Rietig.

Aktivisten protestieren vor dem Bundeskanzleramt mit Plakaten und Masken mit den Konterfeis von Bundeskanzlerin Merkel und Bundesfinanzminister Scholz gegen eine Lufthansa-Rettung ohne Bedingungen. © dpa / Kay Nietfeld

Als die Luftverkehrsbranche über Milliardenhilfen für die Lufthansa diskutierte, wurde sie nicht müde zu betonen, dass es auf keinen Fall an dem hochprofessionell agierenden Konzern liege, dass er jetzt so in der Bredouille ist, obwohl der Aktienkurs auch vor Corona nicht gerade durch Höhenflüge auffiel.

Mitten in der Diskussion startete ein Eurowings-Airbus in Düsseldorf, um als Flug EW9844 dieses Image mit mehreren Warteschleifen über dem Mittelmeer kaputtzumachen. Das Flugzeug mit 168 Sitzen wollte mit 2 (in Worten: zwei) Passagieren von Düsseldorf nach Olbia auf Sardinien. Im dortigen Luftraum angekommen, wurde ihm jedoch die Landung verweigert, weil der Flughafen geschlossen war.

Das stand auch in einer wenige Tage vorher veröffentlichten Notam. Diese "Nachrichten für Luftfahrer" sind Pflichtlektüre für Piloten und alle, die mit der Erstellung von Flugplänen beschäftigt sind. Bei dem hochprofessionellen Konzern gab es aber, wie ein Eurowings-Sprecher der dpa sagte, ein "Missverständnis bei der Interpretation" dieser Notam. Presseberichten zufolge haben sich sogar die beiden Passagiere bei der Buchung gewundert, dass die Lufthansa-Tochter den Flug überhaupt anbot. "Aber gut", werden sie sich gesagt haben, "Eurowings/Lufthansa werden schon wissen, was sie tun." Hm. Ob dafür wohl jemandem der Bonus gestrichen wird?

Foto: © Screenshot Flightradar24

Aber zurück zu den Milliarden für die Lufthansa. In Interviews zu der Debatte zeigte sich Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier ziemlich großzügig, indem er betonte, die Staatshilfen dienten auch dazu, Arbeitsplätze zu sichern. Er kann nicht wirklich alle Arbeitsplätze im Lufthansa-Konzern meinen, will aber erst einmal so verstanden werden. Selbst Nikoley Baublies von der Gewerkschaft Ufo wird sich nicht darauf festlegen lassen, dass die Lufthansa nach Corona mit genau so vielen Mitarbeitern wie jetzt in überschaubarer Zeit wieder in die Gewinnzone oder auf das Verkehrsvolumen vor Corona kommen kann. Vorstandschef Carsten Spohr will sich doch von 100 Flugzeugen trennen, oder? Dann wird er sich wohl auch von einigen Crews trennen müssen, zumindest für ein paar Jahre.

Von: Thomas Rietig für airliners.de Jetzt Gastautor werden

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