Die US-Fluggesellschaft Jetblue führt nach Angaben ihrer Vorstandsvorsitzenden Joanna Geraghty keine Gespräche mit Gläubigern und plant keine Umschuldung. "Wir sind nicht in Gesprächen mit unseren Gläubigern", sagte Geraghty. Zuvor hatte ein starker Kursrückgang der Jetblue-Anleihen Zweifel an der Finanzlage der Airline geweckt.
Medienberichten zufolge hatte eine Gruppe von Gläubigern wenige Tage zuvor die Restrukturierungsberater PJT Partners und Akin Gump mandatiert. Das hatte die Frage aufgeworfen, ob Jetblue ihren Sanierungskurs ohne Neuverhandlung ihrer Schulden finanzieren könne.
Geraghty sagte, sie habe am Dienstag klarstellen wollen, dass Jetblue im Kerngeschäft Fortschritte mache. Finanzielle Unterstützung durch die US-Regierung strebe die Airline nicht an. Auch eine Umschuldung werde nicht erwogen. "Unsere Ergebnisse erzählen eine ganz andere Geschichte als das, was unsere Anleihegläubiger da draußen im Markt kommunizieren", sagte sie.
Nach Informationen aus dem Umfeld traf Geraghty in der vergangenen Woche US-Handelsminister Howard Lutnick, um über verschiedene Themen zu sprechen. Jetblue wollte sich nicht dazu äußern, ob das Treffen stattgefunden hat. Das US-Handelsministerium war zunächst nicht für eine Stellungnahme erreichbar.
Anleihen verlieren deutlich an Wert
Die mit dem Vielfliegerprogramm Trueblue besicherten Anleihen im Volumen von rund zwei Milliarden US-Dollar (rund 1,8 Milliarden Euro) notierten am Montag bei etwa 47 US-Dollar je 100 US-Dollar Nennwert. Anfang Oktober hatte der Kurs noch bei rund 80 US-Dollar gelegen. Die Rendite stieg damit auf über 30 Prozent. Das signalisiert Zweifel daran, ob die Airline ihre Schulden angesichts schwankender Treibstoffkosten bedienen kann.
Die Jetblue-Aktie schloss am Dienstag 19 Prozent im Plus. Seit Jahresbeginn liegt sie aber 38 Prozent im Minus.
Treibstoffkosten belasten Quartalsergebnis
Am Montag hatte Jetblue ihre Zahlen für das dritte Quartal vorgelegt. Der Nettoverlust weitete sich vor allem wegen stark gestiegener Treibstoffkosten auf 257 Millionen US-Dollar aus, nach 143 Millionen US-Dollar im Vorjahreszeitraum. Der Umsatz stieg um mehr als ein Fünftel auf 2,8 Milliarden US-Dollar.
Die Treibstoffausgaben legten im Quartal um 61 Prozent zu. Nach Angaben der Airline holte sie davon 87 Prozent wieder herein, weil die Ticketpreise branchenweit stiegen, ohne dass die Passagierzahlen nennenswert zurückgingen. Ein Anstieg der Treibstoffpreise um zehn Prozent würde die Treibstoffkosten in den kommenden zwölf Monaten laut der Pflichtmitteilung zum Quartal um rund 376 Millionen US-Dollar erhöhen.
Für das Gesamtjahr erwartet Jetblue nun eine bereinigte operative Marge von minus 4,5 bis minus 6,5 Prozent. Im Juli hatte die Prognose noch bei minus zwei bis minus fünf Prozent gelegen. Die Airline will 2027 operativ wieder profitabel sein und 2028 einen positiven freien Cashflow erzielen.
Hohe Tilgungen ab 2029
Jetblue hat Schulden und Verpflichtungen aus Finanzierungsleasing von rund 8,4 Milliarden US-Dollar. In den ersten neun Monaten verbrauchte die Airline im operativen Geschäft 273 Millionen US-Dollar. Ihre frei verfügbaren Barmittel und Geldanlagen sanken seit Dezember auf 1,6 Milliarden US-Dollar. Die planmäßigen Tilgungen steigen von 477 Millionen US-Dollar im Jahr 2027 auf 1,8 Milliarden US-Dollar im Jahr 2029.
Nach eigenen Angaben verfügt Jetblue über eine Liquidität von 2,2 Milliarden US-Dollar, die für mindestens die kommenden zwölf Monate reiche. Hinzu kommen rund sieben Milliarden US-Dollar an Vermögenswerten, die noch nicht als Sicherheit verpfändet sind.
Als mögliche Geldquellen jenseits klassischer Kredite nannte Geraghty in der Telefonkonferenz zu den Quartalszahlen am Dienstag das Reisegeschäft Paisly, Risikokapitalbeteiligungen und die Partnerschaft für eine Co-Branding-Kreditkarte. Konkrete Pläne nannte sie nicht.
Jetblue hatte zuletzt 2019 einen Jahresgewinn ausgewiesen.
