Indien wird die Datenschreiber des vor einer Woche abgestürzten Air-India-Flugzeugs zur Analyse wohl in die USA schicken. Wie die Zeitung "Economic Times" unter Berufung auf informierte Personen berichtete, sollen die Daten der beiden geborgenen Geräte im Labor der US-Verkehrssicherheitsbehörde NTSB in Washington extrahiert werden.
Die Flugschreiber hätten durch das Feuer nach dem Absturz schwere äußere Schäden erlitten, wodurch eine Datenextraktion in Indien unmöglich geworden sei, zitierte die Zeitung Insider.
Der Generaldirektor des indischen Flugunfalluntersuchungsbüros (AAIB), GVG Yugandhar, teilte daraufhin in einer E-Mail an "Reuters" mit, der Bericht sei "sachlich falsch", ohne näher drauf einzugehen. Air India lehnte eine Stellungnahme ab.
Enhanced Aircraft Flight Recorder
Die digitalen EAFR ("Enhanced Aircraft Flight Recorder") der Unglücksmaschine waren in den ersten Tagen dem Unfall entdeckt worden. Beide Geräte zeichnen Flugdaten sowie Cockpitgeräusche auf. Anders als bei herkömmlichen Flugdatenschreiber- und Cockpit-Voice-Recorder-Systemen passiert das bei der Boeing 787 in einem Gerät. Die Boeing 787 verfügt über zwei EAFR – eines im Bug und eines im Heck des Flugzeugs.
Air-India-Chef bestätigt saubere Triebwerks-Historie
Air-India-Chef Natarajan Chandrasekaran bestätigte derweil, dass die abgestürzte Maschine eine "saubere" Triebwerks-Historie hatte.
In einem Interview mit dem indischen Sender "Times Now" sagte der Vorstandsvorsitzende, das rechte Triebwerk sei neu gewesen und im März installiert worden. Das linke Triebwerk sei zuletzt 2023 gewartet worden. Der "Dreamliner" war mit GEnx-Triebwerken von GE Aerospace ausgestattet.
Air India hatte zuvor bereits mitgeteilt, dass Sicherheitsinspektionen an 26 von 33 Boeing 787-8 und 787-9 Maschinen abgeschlossen seien. Diese Flugzeuge seien für den Dienst freigegeben worden. Die verbleibenden Maschinen sollen in den kommenden Tagen überprüft werden. Zusätzliche Kontrollen sind auch für die Boeing-777-Flotte geplant.
Dennoch hatte Air India kurzfristig Langstreckenflüge streichen müssen. In den vergangenen sechs Tagen wurden 83 Flüge annulliert. Die Flugplankürzungen seien dennoch bis mindestens Mitte Juli geplant, um "Betriebsstabilität und bessere Effizienz [...] zu gewährleisten", so die zum Tata-Konzern gehörende Fluggesellschaft.
Als weitere Gründe für Flugannullierungen nannte Air India geopolitische Spannungen im Nahen Osten und "nächtliche Sperrungen in vielen europäischen und ostasiatischen Lufträumen".
Der Absturz von Flug AI171 hatte 241 Menschen an Bord und mindestens 30 Menschen am Boden das Leben gekostet. Es handelt sich um die schwerste Luftfahrtkatastrophe seit einem Jahrzehnt. Die Boeing 787-8 Dreamliner war auf dem Weg zum Londoner Flughafen Gatwick und stürzte kurz nach dem Start in Ahmedabad ab.