Der Copilot des Flydubai-Flugs FZ1073 hat den mutmaßlichen Angriff auf ein Flugzeug nach Angaben von zwei israelischen Vertretern mit Kenntnis der Ermittlungen schon vor seiner Einstellung bei der Airline geplant. Das habe der omanische Staatsbürger emiratischen Vernehmern gesagt. Er habe sich bei Flydubai beworben, nachdem er nach Fluggesellschaften gesucht habe, die Tel Aviv anfliegen.
Eine dritte Quelle, die über die Ermittlungen in den Emiraten informiert ist, sagte, der Mann habe die Maschine bei dem Flug Ende September in den Flughafen Ben Gurion bei Tel Aviv steuern wollen. Er sei bereits früher in diesem Jahr auf einem Flug nach Tel Aviv im Einsatz gewesen und habe damals ebenfalls vorgehabt, das Flugzeug zu entführen und zum Absturz zu bringen. Davon habe er jedoch abgesehen. Warum, sei zunächst nicht klar gewesen. Es werde vermutet, dass er jemanden an Bord gekannt habe.
Israel wird nach Angaben der dritten Quelle von den Emiraten fortlaufend über den Stand der Ermittlungen unterrichtet. Alle Quellen äußerten sich unter der Bedingung der Anonymität. Die Behörden der Emirate und Israels sowie die Flydubai reagierten zunächst nicht auf Bitten um Stellungnahme.
Weder die Behörden der Emirate noch Flydubai haben die Identität des Copiloten öffentlich gemacht. Der Mann befindet sich in den Emiraten in Gewahrsam, die Emirate haben bislang keine formelle Anklage bekanntgegeben. Ob er einen Rechtsbeistand hat, ist nicht bekannt. Oman äußerte sich bislang nicht zu dem Vorfall.
Australien ermittelt, Israel überprüft ausländische Airlines
Eine gemeinsame Terrorabwehreinheit aus australischer Bundespolizei, Polizei des Bundesstaats Victoria und dem Geheimdienst ASIO untersucht Verbindungen des Copiloten nach Australien. Das sagte ein Sprecher der lokalen Bundespolizei.
Nach Angaben von Insidern studierte der Copilot vor rund zehn Jahren an der RMIT University in Melbourne. Die Hochschule bestätigte, der Mann sei dort eingeschrieben gewesen, habe eine Qualifikation im Ingenieurwesen aber nicht erfolgreich abgeschlossen. Seinen Namen und den Zeitraum des Studiums nannte die Universität nicht.
Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu sagte, Piloten aus Staaten, zu denen Israel keine diplomatischen Beziehungen unterhalte, dürften keine Flüge nach Israel durchführen. Zu diesen Staaten zählt Oman. Unklar ist, wie der Copilot dennoch für den Flug nach Tel Aviv eingeteilt wurde. Netanjahu wies den Nationalen Sicherheitsrat an, einen Prüfer zu benennen, der alle Sicherheitsaspekte der ausländischen Zivilluftfahrt nach Israel gründlich untersuche.
Der Hergang an Bord
Der Flug FZ1073 war Ende September von Dubai nach Tel Aviv unterwegs. Nach Angaben der Generalstaatsanwaltschaft der Emirate griff der Copilot den Kapitän mit einer Notaxt an. Die Behörde stufte den Vorfall als Terroranschlag ein. Passagiere und Besatzung überwältigten den Mann. An Bord waren mehr als 170 Passagiere und Besatzungsmitglieder, die meisten von ihnen Israelis.
Der Kapitän, ein indischer Staatsbürger, überlebte den Angriff und öffnete nach eigenen Angaben trotz schwerer Verletzungen die Cockpit-Tür. Ein Reservepilot der Airline, der als Passagier mitreiste, übernahm die Steuerung und landete die Maschine in Tabuk im Nordwesten Saudi-Arabiens. Saudische Behörden nahmen den Copiloten dort fest. Am vergangenen Donnerstag wurde er in die Emirate überstellt.
Nach der Simulation eines Fluglehrers verlor die Maschine binnen etwa 30 Sekunden rund 16.000 Fuß, bevor sie abgefangen wurde und sicher landete. Der Sinkflug habe sich wie eine vertikale Achterbahn angefühlt, sagte der Fluglehrer, der den Verlauf im Flugsimulator nachgestellt hat.
Ein israelischer Geschäftsmann, der nur als Tal bezeichnet wird, schilderte der "Jerusalem Post" die Minuten nach dem Angriff. "Im Cockpit war niemand", sagte er der Zeitung. Er habe gesehen, dass ein Pilot verletzt und ein anderer in einen Kampf verwickelt gewesen sei. Zugleich habe das Flugzeug stark an Höhe verloren.
Tal habe zwei zufällig neben ihm sitzende Piloten ins Cockpit gebracht, die den Flug in Saudi-Arabien gelandet hätten. "Ich musste sie schütteln, damit sie nach vorn gingen und die Kontrolle über das Flugzeug übernahmen, weil es im Sturzflug war", sagte er. Einer der beiden sei schließlich nach vorn gegangen und habe die Kontrolle übernommen, der zweite habe länger gebraucht, um sich vom Schock zu erholen. Der Ablauf lässt sich bislang nicht unabhängig bestätigen.