Nach Israel hat erstmals auch ein hochrangiger Regierungsvertreter der Vereinigten Arabischen Emirate im Zusammenhang mit dem Vorfall auf einem Flydubai-Flug von Terrorismus gesprochen.
Der indische Flugkapitän Smit Machchhar verdiene "höchste Anerkennung, weil er im Angesicht eines Terrorakts und einer drohenden Katastrophe Mut und Verantwortung verkörperte", schrieb Anwar Gargasch, Berater des emiratischen Präsidenten, auf X. Zum möglichen Motiv des Angreifers äußerte sich Gargasch nicht.
Gargasch mahnte allerdings zu "Wachsamkeit vor Extremismus und Terrorismus" und warnte gleichzeitig vor Verschwörungstheorien. Der Copilot wird aktuell in den VAE medizinisch versorgt und befragt.
Die israelische Regierung geht von einem islamistischen Anschlagsversuch aus. Israelische Regierungsvertreter erklärten, der Copilot habe auf den Kapitän eingestochen und offenbar versucht, das Flugzeug zum Absturz zu bringen. Die Umstände und Motive sind weiterhin unklar.
Folgen hängen vom Motiv ab
Welche Folgen der Vorfall für die Airlines in der Region hat, lässt sich nach Einschätzung von James Halstead, Managing Partner der Beratung Aviation Strategy, derzeit nur schwer abschätzen. Das hänge maßgeblich davon ab, ob es sich tatsächlich um Terrorismus handle oder um psychische Probleme wie beim Germanwings-Absturz 2015.
"Wenn es ein Vorfall wie bei Germanwings war, hat das wahrscheinlich eher Auswirkungen auf Flydubai als Fluggesellschaft selbst als auf das Reisen in der Region", sagte Halstead. Im Fall von Terrorismus betreffe es vermutlich den gesamten Verkehr nach Israel.
Luftfahrtanalyst John Strickland bezeichnete Flydubai als eines der zentralen Wirtschafts- und Tourismusinstrumente Dubais. Die Nachfrage in der Region sei recht stark, sagte er. Nach Daten des Flughafens Ben Gurion zählt die staatliche Airline aus Dubai zu den zehn größten Passagier-Fluggesellschaften dort und ist der wichtigste Carrier aus der Golfregion.
Golf-Airlines kämpfen mit Folgen des Iran-Kriegs
Der Vorfall trifft die Fluggesellschaften der Region in einer ohnehin schwierigen Phase. Nach den Angriffen der USA und Israels auf den Iran am 28. Februar war das Flugaufkommen der Golf-Airlines nahezu auf null eingebrochen. Inzwischen liegt es wieder etwa auf Vorkriegsniveau. Flydubai hinkt den regionalen Wettbewerbern dabei nach Daten von Flightradar24 hinterher.
In den vergangenen Wochen ging das Flugaufkommen wieder etwas zurück, weil ein Friedensabkommen mit dem Iran in weiter Ferne schien. Zudem setzen stark gestiegene Kerosinpreise die Airlines am Golf unter Druck. Piloten sind in dem seit sieben Monaten andauernden Konflikt außerdem erhöhten Risiken durch Raketen und Drohnen sowie zusätzlichem Stress ausgesetzt.
Passagiere überwältigten mutmaßlichen Angreifer
Machchhar schaffte es nach eigenen Angaben trotz schwerer Verletzungen, die Cockpittür zu öffnen. Mehrere Passagiere drangen daraufhin ins Cockpit ein und überwältigten den mutmaßlichen Angreifer.
Das Flugzeug hatte zuvor stark an Höhe verloren. Eine zufällig mitreisende zweite Besatzung landete die Maschine schließlich sicher im saudi-arabischen Tabuk. Der festgenommene Copilot wurde in die Emirate gebracht.