Der internationale Flughafen Riad bleibt nach anhaltenden Angriffen der mit dem Iran verbündeten jemenitischen Huthi-Miliz bis Samstag geschlossen. Die saudi-arabische Zivilluftfahrtbehörde verlängerte die Sperrung, zahlreiche Airlines strichen ihre Flüge in die Hauptstadt. Laut einer am Montag veröffentlichten Luftfahrerinformation (Notam) bleibt der Flughafen bis zum 17. Oktober um 21:00 Uhr GMT geschlossen.
Die Behörde teilte mit, der Betrieb am zweitgrößten Flughafen des Landes sei ausgesetzt, damit Verfahren zur Sicherstellung der Sicherheit und Betriebsbereitschaft der Flughafenanlagen abgeschlossen werden könnten.
Am späten Montagabend erklärten die Huthis, sie hätten den Flughafen mit einer ballistischen Rakete angegriffen. Kurz zuvor hatte Saudi-Arabien mitgeteilt, eine von der Miliz auf Riad abgefeuerte ballistische Rakete abgefangen und zerstört zu haben. Nach eigenen Angaben griffen die Huthis zudem mit einer Drohne einen Luftwaffenstützpunkt in Chamis Muschait im Südwesten des Landes an. Eine saudi-arabische Bestätigung lag zunächst nicht vor.
Der Flughafen ist seit einem Angriff am Samstag geschlossen, bei dem 13 Menschen getötet und mehr als 300 verletzt worden waren. Es war der folgenschwerste Angriff im Königreich seit mehr als zehn Jahren. Bei einer weiteren Attacke am Sonntag kam ein Mensch ums Leben, fast ein Dutzend weitere wurden verletzt.
Airlines setzen Verbindungen aus
Die Lufthansa Group strich alle Flüge nach Riad bis zum 16. Oktober. Air France-KLM verlängerte die Aussetzung ihrer Verbindungen von und nach Riad bis Ende Oktober. Etihad Airways strich wegen Störungen in der Region Flüge zwischen Abu Dhabi und Riad, Dschidda sowie Dammam. Die Verbindungen zwischen Abu Dhabi und Riad entfallen nach Angaben der Airline bis zum 19. Oktober.
Qatar Airways setzte am Montag Flüge von und nach Riad und Dammam vorübergehend aus. Delta Air Lines verschiebt die geplante Verbindung Atlanta–Riad, die am 23. Oktober starten sollte, auf März 2027.
Daten des Flugverfolgungsdienstes Flightradar24 zeigten am Montag, dass Flugzeuge die Hauptstadt umflogen. Der saudi-arabische Luftraum wurde jedoch weiter durchquert, auch das wichtigste Drehkreuz Dschidda an der Westküste wurde weiter angeflogen. An allen saudi-arabischen Flughäfen erreichte die Annullierungsquote nach Angaben des Datenanbieters Cirium 46,4 Prozent.
FAA und EASA warnen
Die US-Luftfahrtbehörde FAA riet US-Airlines am Sonntag zur Vorsicht bei Flügen nach oder über Saudi-Arabien. Die EASA hatte ihre Luftraumwarnung für Saudi-Arabien bereits am Freitag ausgeweitet und dies mit Raketen- und Drohnenangriffen begründet.
"Dieses Ausmaß an anhaltenden, intensiven Angriffen auf die zivile Luftfahrt ist beispiellos", sagte Mark Zee, Gründer der Flugsicherheitsberatung Opsgroup. "Ich denke, das erfordert, dass wir unsere Sicht auf das aktuelle Risikobild überdenken und sehr vorsichtig vorgehen."
Opsgroup empfahl Airlines, den südlichen Luftfahrtkorridor über den Nahen Osten vollständig zu meiden und zwischen Europa und Asien über Zentralasien zu fliegen. Zee sagte, das verlängere einige Strecken erheblich. Zudem verschließe es den meisten westlichen Airlines Möglichkeiten, Dubai und Abu Dhabi anzufliegen.
Folgen über Saudi-Arabien hinaus
Die Angriffe zählen zu den schwersten Störungen der saudi-arabischen Luftfahrt seit Jahren. Sie treffen eine Branche, die bereits mit den Konflikten im Nahen Osten und mit höheren Kerosinpreisen zu kämpfen hat, die auf die Gewinne drücken. Zugleich wächst die Sorge, dass die zivile Luftfahrt in bewaffneten Konflikten zum Ziel wird.
"Die Auswirkungen reichen über Saudi-Arabien hinaus in die gesamte Region und auf ihre globalen Verbindungen", sagte Luftfahrtanalyst John Strickland.
Die Eskalation weckt zudem Sorgen über die wirtschaftlichen Folgen. Für dieses Jahr wird ein Rückgang des realen Bruttoinlandsprodukts Saudi-Arabiens um 3,6 Prozent erwartet, unter anderem wegen geringerer Ölförderung. Unter Druck geraten auch Veranstaltungen, die in diesem Monat in Riad geplant sind. Dazu zählen die wichtigste Investorenkonferenz des Königreichs und der WPC Energy Congress, bei dem mehrere Spitzenmanager der Ölbranche aus dem Programm genommen wurden.
