Die US-Luftfahrtbehörde FAA benötigt nach Angaben ihres Chefs weitere zehn Milliarden Dollar (rund 8,75 Milliarden Euro) vom Kongress, um das veraltete amerikanische Flugsicherungssystem zu reformieren. Hintergrund ist die Erwartung der Politik, dass sich der Flugverkehr in den kommenden 20 Jahren verdoppeln wird.
FAA-Administrator Bryan Bedford sagte, die Behörde arbeite bereits mit Hochdruck daran, die ersten vom Kongress bewilligten 12,5 Milliarden Dollar einzusetzen – nach Jahren der Vernachlässigung.
"Wir sind 20 Jahre im Rückstand. Das System ist extrem sicher, aber das hat seinen Preis: Ineffizienz und Unannehmlichkeiten", sagte Bedford in einem Interview. "Die Amerikaner tolerieren dieses überaus ineffiziente System... Und solange es sicher ist, nimmt das wohl den Willen, es zu reparieren."
Die FAA investiert Milliardenbeträge, um veraltete Telekommunikationsinfrastruktur und Radar-Überwachungssysteme der Flugsicherung zu ersetzen. Vorausgegangen war eine Reihe von Störfällen, darunter schwere Ausfälle im Luftraum von Newark und Washington sowie eine Panne im FAA-System 2023, die zu einem kurzzeitigen landesweiten Startstopp geführt hatte.
Luftfahrtverbände unterstützen Forderung
Große Luftfahrtverbände sprachen sich für die zusätzlichen Ausgaben zur Reform der Flugsicherung aus. Die FAA hat den ursprünglich auf 15 Jahre angelegten Modernisierungs-Zeitplan auf drei Jahre verkürzt und bereits 57 Prozent der Kupferinfrastruktur ersetzt.
Bedford will im September zudem ein neues System zur Flugplanung starten, um das Flugmanagement zu verbessern. Es soll mithilfe Künstlicher Intelligenz Flugpläne und Flugbahnen bereits vor dem Start koordinieren und so größere Staus und Verspätungen verhindern.
Neues Flugplanungssystem soll Verspätungen reduzieren
Nach Bedfords Worten bauen die Fluggesellschaften wegen der systembedingten Verzögerungen erhebliche Zeitpuffer in ihre Flugpläne ein. "Wenn wir diese Kosten aus dem System herausnehmen, verschwinden auch die Unannehmlichkeiten", sagte er.
Die FAA arbeitet intern zudem an einer Überarbeitung der Regeln für das Luftraummanagement. Bedford möchte Flugzeuge mit Satelliten in niedriger Erdumlaufbahn vernetzen, sodass jedes Flugzeug zu einer Art fliegender Wetterstation wird – mit dem Ziel, Verspätungen zu reduzieren.
Ein Jahr im Amt: Luftraum-Neuordnung und schärfere Hubschrauber-Regeln
Bedford, der vergangene Woche sein einjähriges Dienstjubiläum feierte, arbeitet an einer effizienteren Neugestaltung des Luftraums. Zudem hat er zusätzliche Beschränkungen für Hubschrauber erlassen – Folge des tödlichen Zusammenstoßes einer Maschine von American Airlines mit einem Hubschrauber der US-Armee im vergangenen Jahr, bei dem 67 Menschen ums Leben kamen und für den die NTSB die FAA verantwortlich macht. Bedford selbst räumte vor dem US-Senat Versäumnisse seiner Behörde im Vorfeld der Kollision ein und plant, in Kürze das nächste Reformpaket der FAA unter dem Namen "Flight Plan 2027" vorzustellen.
Unentschieden ist Bedford bislang bei der Frage, ob die FAA die verpflichtende Nutzung von ADS-B vorantreiben wird, einer wichtigen Technologie zur Ortung von Flugzeugen. Der Kongress berät derzeit über eine entsprechende Gesetzesvorlage. "Alle sind sich einig, dass alles, was sich im Luftraum bewegt, senden sollte", sagte Bedford dazu.
Ein wichtiger Schritt wird für Ende 2027 erwartet: Dann soll die Flugsicherung von analoger auf digitale Kommunikation umstellen. Später will die FAA sämtliche 313 Einrichtungen von individuellen Computersystemen auf Cloud-Lösungen umstellen.