Trotz der Blockade der Straße von Hormus und einer Verdopplung der Kerosinpreise zeigt sich die europäische Luftfahrtbranche vor der Sommersaison gelassen. Airlines, Flughafenbetreiber und Reiseveranstalter berichten übereinstimmend von keinen Treibstoffengpässen.
Dieser Optimismus steht im Kontrast zu Warnungen von Händlern und Energieexperten. "Der Sommer ist die wichtigste Ertragsperiode für Airlines, und natürlich wollen sie ihren Kunden versichern, dass sie beruhigt buchen können", sagte der unabhängige Luftfahrtanalyst John Strickland.
Normalerweise passiert etwa ein Fünftel des weltweiten Öls und ein Viertel des europäischen Flugtreibstoffs die Straße von Hormus. In der Region Amsterdam, Rotterdam und Antwerpen sind die Kerosinvorräte laut LSEG-Daten nahezu auf ein Rekordtief gesunken.
Die Internationale Energieagentur prognostiziert, dass das weltweite Ölangebot in diesem Jahr die Nachfrage nicht decken wird.
Branche sieht Versorgung gesichert
Führende Branchenvertreter weisen Bedenken zurück. Tui-Chef Sebastian Ebel nannte die Diskussion über Kerosinknappheit "sehr erstaunlich". Er sehe keine Indikation dafür und erwarte auch im Sommer keine Auswirkungen, abgesehen von den Preisen.
Lufthansa-Chef Carsten Spohr erklärte, die Versorgung sei bis Mitte Juli gesichert. Die Hälfte der fehlenden Kerosinlieferungen aus dem Nahen Osten werde durch höhere Importe aus den USA und Nigeria, kleine Mengen aus Israel sowie höhere europäische Eigenproduktion ausgeglichen.
Flughafenbetreiber haben ihre Reserven aufgestockt. Laut dem Luftfahrttechnologie-Unternehmen "i6" Group stiegen die Kerosinbestände im April um mehr als 60 Prozent. "Kurzfristig sehen wir sicherlich keine Auswirkungen auf das Angebot", sagte der Geschäftsführer des Dubliner Flughafens, Gary McLean.
Auf politischer Ebene zeigt man sich vorsichtiger. "Wir erwarten kurzfristig kein sehr ernstes Problem bei der Versorgungssicherheit", sagte EU-Energiekommissar Dan Jørgensen am Mittwoch.
"Aber wir können nicht ausschließen, dass es auf längere Sicht Probleme geben wird. Das hängt alles von der Situation im Nahen Osten ab."