Emirates fliegt vorerst nicht nach Berlin. "Wir werden im Moment nicht nach Berlin fliegen", sagte Emirates-Präsident Tim Clark am Mittwoch auf der Luftfahrtkonferenz World Routes in Frankfurt. Den fünften deutschen Landepunkt, den die Bundesregierung im September Airlines aus den Vereinigten Arabischen Emiraten (VAE) eingeräumt hatte, lässt die Airline damit zunächst ungenutzt.
Clark begründete den Schritt mit offenen Fragen zum Abkommen zwischen Deutschland und den VAE. Man müsse sicherstellen, dass der Geist der Vereinbarung und die Art ihrer Übersetzung korrekt seien, sagte er. Erst wenn darüber Klarheit bestehe, werde Emirates Berlin anfliegen.
Welche Punkte der Vereinbarung Clark konkret meinte, ließ er offen. Insidern zufolge ist vor allem eine Auflage zu Verkehrsrechten der fünften Freiheit nicht eindeutig formuliert. Die Begrenzung des Wachstums an den übrigen deutschen Standorten gilt dagegen als unstrittig – aber besonders bitter für die Airline, die sich entscheidet, Berlin mit ins Streckennetz aufzunehmen.
Abkommen knüpft Berlin an Wachstumsstopp
Nach der Vereinbarung darf eine Airline aus den VAE an einem zusätzlichen deutschen Flughafen sieben Flüge pro Woche anbieten. Im Gegenzug wäre weiteres Wachstum an ihren bisherigen deutschen Zielen ausgeschlossen. Für Emirates hieße das etwa, dass sie weder eine dritte tägliche Verbindung nach München noch eine vierte nach Frankfurt aufnehmen könnte. Drei tägliche München-Flüge hatte die Airline in der Vergangenheit bereits angeboten.
Auch in Düsseldorf und Hamburg wäre dann kein weiteres Wachstum mehr möglich. Bislang sind VAE-Airlines in Deutschland nur bei der Zahl der Ziele begrenzt, nicht bei der Zahl der Flüge zu den vier zugelassenen Flughäfen.
Zudem soll der Nutzer der neuen Rechte auf Weiterflüge von deutschen Flughäfen in Drittstaaten verzichten müssen. Solche Rechte der fünften Freiheit der Luftfahrt hatte Emirates früher unter anderem für die Strecke Hamburg–New York genutzt. Nach Angaben der "FVW" müsste die Airline außerdem ihre Wirtschaftsdaten offenlegen.
Emirates hatte in Berlin bereits Slots beantragt. Insider hielten Flüge in die Hauptstadt allerdings frühestens zum Sommer 2027 für realistisch.
Auch Etihad, Air Arabia und Flydubai kommen infrage
Die zusätzlichen Rechte sind nicht an Emirates gebunden, auch andere Fluggesellschaften aus den VAE können sich darum bemühen. Als Bewerber galten bislang vor allem Emirates und Etihad Airways. Etihad aus Abu Dhabi fliegt derzeit Frankfurt, München und Düsseldorf an.
Air Arabia aus dem Emirat Sharjah bedient München und nimmt im Dezember Frankfurt und Düsseldorf in ihr Programm auf. Flydubai ist in Deutschland bislang nicht vertreten, fliegt in der DACH-Region aber Salzburg und Basel an.
Mit Emirates kooperiert Flydubai auf einzelnen Strecken per Codeshare. Das von Clark angestrebte Produkt zwischen Berlin und Dubai ließe sich so laut "FVW" aber nicht umsetzen.
Branche und Gewerkschaften kritisierten Vergabe
Die Bundesregierung hatte die zusätzlichen Verkehrsrechte im September beim Deutschlandbesuch des VAE-Präsidenten im Rahmen eines größeren Wirtschaftspakets gewährt. Die VAE kündigten dabei an, weitere 40 Milliarden Euro in Deutschland zu investieren, vor allem in digitale Infrastruktur.
Berlin, Brandenburg und zahlreiche Wirtschaftsvertreter begrüßten die Entscheidung. Die Lufthansa, der Bundesverband der Deutschen Fluggesellschaften (BDF), die Gewerkschaft Verdi und der hessische Wirtschaftsminister Kaweh Mansoori (SPD) kritisierten sie dagegen. Sie warnten davor, dass Umsteigeverkehre, Wertschöpfung und Arbeitsplätze an das Drehkreuz in Dubai abwandern.
Clark hatte sich über viele Jahre für eine Verbindung nach Berlin eingesetzt. Branchenkreisen zufolge war zwischenzeitlich bereits ein Codeshare von Condor und Emirates auf der Strecke gescheitert. Condor hat ihre eigene Verbindung Berlin–Dubai aus wirtschaftlichen Gründen inzwischen aus dem Winterflugplan 2026/2027 gestrichen.
