Im Interview mit airliners.de erklärt Robert Machtlinger, Vorstandsvorsitzender des österreichischen Luftfahrtzulieferers FACC, warum die nächste Flugzeuggeneration später kommt, als noch vor einem Jahr erwartet. Bei FACC steigen Umsatz, Gewinn und Mitarbeiterzahl, das Auftragsbuch ist voll. Machtlinger spricht über neue Triebwerke als Taktgeber, den Ausbau des Drohnengeschäfts, die Fertigung in Kroatien und Indien sowie darüber, warum Österreich als Standort teurer geworden ist.
airliners.de: Umsatz, Gewinn und Mitarbeiterzahl bei FACC steigen, das Auftragsbuch ist voll. Ist bei FACC also alles paletti?
Robert Machtlinger: Der Markt läuft gut, fast 19.000 Flugzeuge sind bestellt, die Branche ist auf zehn Jahre sehr gut ausgelastet. Auch wir wachsen – und das freut uns. Aber nicht alles ist paletti. Die Standortkosten und ein dynamisches Umfeld fordern auch uns. Mit unserem Effizienzsteigerungsprogramm CORE, womit wir versuchen, die Inflationseffekte in Europa und speziell in Österreich auszugleichen, sind wir bei der Halbzeit. Das Programm greift, nicht nur die Umsätze steigen, sondern auch die Profitabilität. Wenn CORE 2027 abgeschlossen ist, dann gehen viele der Maßnahmen in unser Operating Modell über. So stellen wir sicher, dass wir als Unternehmen kompetitiv sind.
Gute Unternehmer sagen, am schwierigsten seien Veränderungen in guten Zeiten. Was müssen Sie jetzt ändern, um auch in zehn Jahren erfolgreich zu sein?
Da sind wir schon dabei! Covid hat uns stark getroffen, jetzt haben wir aufgrund der hohen Nachfrage wieder Rückenwind. Trotzdem dürfen wir uns nicht ausrasten. Wir wissen, dass zwischen 2030 und 2035 neue Flugzeuge gelauncht werden, da muss viel entwickelt werden. Um bei der neuen Flugzeuggeneration mit unseren Technologien mit dabei zu sein, müssen wir bereits heute an den Technologien von morgen arbeiten. Wir müssen forschen, neue Materialien und Prozesse entwickeln und dem Markt anbieten. Das beschäftigt uns massiv, um die zukünftigen Anforderungen unserer Kunden optimal zu erfüllen. Ausruhen gibt es nicht, denn wir wollen mit den neuen Flugzeuggenerationen weiter wachsen – also größer und stärker sein als heute.
Hat FACC noch den Biss und die Motivation für Neues, Ungewöhnliches, Innovationen? Oder macht der Erfolg träge?
Nein, wir waren nie träge. Wir haben immer überlegt, was machen wir neu, anders oder besser. Wir haben uns schon 2017 für das Thema Urban Air Mobility interessiert und viele haben uns gefragt, warum macht ihr das, das braucht ja niemand. Heute ist das ein Markt geworden, auch für FACC. Entwicklung und Innovation und noch besser zu werden sind Teil unserer DNA.
Und Spaß macht es auch noch?
Ja, es macht immer noch Spaß.
Redner mit Mikrofon vor FACC-Logo : Ein Mann mit Brille und blauem Anzug spricht in ein Mikrofon und hält Papier hoch. Rechts steht eine blonde Frau mit Unterlagen, dahinter leuchtet ein großes FACC-Logo. © Djanjesic-FACC
Kann man sagen, die größte Herausforderung werden neue Technologien sein für die neue Flugzeuggeneration und neue Antriebssysteme?
Am fertigen Flugzeug auf alle Fälle. Die Fluglinien verlangen modernere, leistungsfähigere und effizientere Flugzeuge. Auch die Gesellschaft fordert klimaverbessernde Maßnahmen. Deshalb ist es das Ziel der Branche, bis 2050 klimaneutrales Fliegen zu ermöglichen, woran die gesamte Industrie derzeit arbeitet. Ich bin überzeugt, es geht um die Entwicklung leistbarer Innovationen. Die echte Herausforderung ist es in solchen Phasen, die richtigen Leute an Bord zu haben, fachlich und kulturell, die diese Innovationen ermöglichen.
