Ita Airways hat zum 1. Januar 2026 einen tiefgreifenden Umbau ihrer Führungsebene vollzogen. Konzernchef Jörg Eberhart, den die Lufthansa Group im vergangenen Sommer entsandt hatte, strebt eine Organisationsstruktur nach deutschem Vorbild an. Dies berichtete die italienische Zeitung "Corriere della Sera" unter Berufung auf drei interne Quellen.
Der bisherige Generaldirektor Andrea Benassi verlässt das Unternehmen. Er war zuletzt für Flotte, Streckennetz, Allianzen, Produkt und Marketing verantwortlich. Seine Aufgaben werden vom Geschäftsbereich Commercial übernommen.
Auch Domenico Galasso, Leiter der Personalabteilung, scheidet aus und wird durch Mario de Gennaro ersetzt. Die Rolle von Riccardo Privitera, Direktor des Flugbetriebs, stehe zur Überprüfung, hieß es.
"Wir müssen agiler werden"
In einer internen E-Mail von Anfang Dezember 2025 erläuterte Eberhart den Mitarbeitern seine Vision: "Wir müssen uns agiler machen und mit einer weniger komplizierten Struktur arbeiten." Die neue Organisation solle unternehmerischen Geist fördern und auf Performance, Zusammenarbeit und bessere Entscheidungsfindung ausgerichtet sein.
Der Umbau orientiert sich am Modell der Lufthansa Group. Der Prozess wurde nach einer Sitzung des Verwaltungsrats im November 2025 eingeleitet.
Auf eine Anfrage des "Corriere della Sera" reagierte Ita Airways mit "kein Kommentar".
Die Umstrukturierung fällt in eine entscheidende Phase der Übernahme durch die Lufthansa. Der Konzern will seinen Anteil an der italienischen Airline bis Mitte 2026 von derzeit 41 Prozent auf 90 Prozent aufstocken. Damit geht die Kontrolle über die ehemalige Alitalia-Nachfolgerin faktisch vollständig an den Kranich über.
Ehrgeizige Gewinnziele gesetzt
Die neue Führung hat sich dabei ehrgeizige Ziele gesetzt. Ita Airways soll eine operative Marge von acht Prozent erreichen – ein Wert, den viele europäische Carrier derzeit nicht erreichen. Teil der Strategie ist eine Langstrecken-Expansion ab Rom.
Ein zentraler Baustein ist die Aufnahme in das transatlantische Joint Venture zwischen Lufthansa, United Airlines und Air Canada. Allerdings steht die Genehmigung durch die US-Behörden noch aus. Mit Air Canada besteht bereits ein Codeshare-Abkommen.
Die strategische Neuausrichtung zeigt sich auch im Allianzwechsel. Im April 2025 verließ Ita Airways die Skyteam-Allianz. Anfang 2026 folgt der Beitritt zur Star Alliance, dem weltgrößten Airline-Verbund unter Führung der Lufthansa Group.
Für Fluggäste sind erste Veränderungen bereits erkennbar. Seit März 2025 verbinden mehr als hundert Codeshare-Strecken die Netze von Ita Airways und der Lufthansa Group. Auch die Vielfliegerprogramme beider Seiten sind mittlerweile verknüpft.