Die Vereinigung Cockpit (VC) hat Ryanair vorgeworfen, gezielt gegen Gewerkschaften und gegen die Mitbestimmung im Betrieb vorzugehen. Anlass sind das Aus für die Berliner Basis und Kündigungen für drei von ursprünglich sechs Tarifkommissionsmitgliedern der VC, wie die Gewerkschaft mitteilte. Ryanair weist die Vorwürfe zurück.
Ryanair schließt die Basis mit Ende des Sommerflugplans. Von der Entscheidung sind nach Angaben der VC rund 100 in Berlin stationierte Piloten betroffen. Ihnen drohe ein Wechsel ins Ausland, unter Umständen getrennt von ihren Familien, oder ein vollständiger beruflicher Neuanfang.
Berlin ist der einzige Ryanair-Standort in Deutschland mit einem Betriebsrat. Die VC verweist auf den Zeitpunkt der Schließung. Ryanair habe sie im April bekanntgegeben, zwei Wochen nach einem gerichtlichen Erfolg des Betriebsrats. Die Gewerkschaft stellt in Frage, ob rein wirtschaftliche Erwägungen den Ausschlag gaben.
Von den ursprünglich sechs Mitgliedern der VC-Tarifkommission wurden nach Angaben der Gewerkschaft drei mitten in den laufenden Tarifverhandlungen gekündigt. Zwei von ihnen haben das Unternehmen inzwischen verlassen, im dritten Fall läuft ein Kündigungsrechtsstreit.
Die VC wertet das als Hinweis auf ein gezieltes Vorgehen gegen Arbeitnehmervertreter. "Wenn eine Airline ausgerechnet den Standort mit ihrem einzigen deutschen Betriebsrat schließt und gleichzeitig Mitglieder der Tarifkommission mit Kündigungen unter Druck setzt, werden gezielt gewerkschaftliche Strukturen geschwächt und Beschäftigte eingeschüchtert. Das ist eindeutig Union Busting", sagte VC-Präsident Andreas Pinheiro.
"Diese Behauptungen sind falsch", sagte ein Ryanair-Sprecher gegenüber airliners.de. Die Schließung der Berliner Basis sei bereits Ende April angekündigt worden und allein auf die steigenden Kosten am BER zurückzuführen, wo sich hohe Flughafenentgelte, Luftverkehrsteuer und Sicherheitsgebühren summierten.
Tarifverhandlungen unter Druck
Auch das Verhalten der Konzernleitung in den Tarifgesprächen kritisierte die VC. Ryanair erwecke intern immer wieder den Eindruck, die Gewerkschaft trage die Schuld daran, dass Gehaltserhöhungen und bessere Dienstpläne ausblieben. Das sei eine falsche Darstellung, sagte Pinheiro. Die VC habe mehrfach Kompromisse vorgeschlagen, Ryanair halte dagegen in zentralen Punkten an den eigenen Forderungen fest. Die Gewerkschaft lässt die Gespräche inzwischen verstärkt von Juristen und hauptamtlichen Verhandlungsführern führen, um ehrenamtlich tätige Pilotenvertreter nicht länger persönlichem Druck auszusetzen.
Die VC hält das Vorgehen für keinen Einzelfall. Schon in früheren Tarifkonflikten sei das Unternehmen gegen einzelne Gewerkschafter vorgegangen, teils mit Kündigungen. Inzwischen wachse die Kritik europaweit. Pilotenvertreter aus dem Ryanair-Netzwerk hätten in der Ryanair Transnational Pilot Group (RTPG) dem Management ihr Misstrauen erklärt und den Verwaltungsrat zum Eingreifen aufgefordert. Die Gewerkschaften warnten, das deutsche Beispiel könne im gesamten Konzern Schule machen. Sie blickten mit Sorge auf Tarifverhandlungen in ihren Ländern.
Spätestens nach dem Aus der Berliner Basis müsse die Politik kritisch beobachten, wie das Unternehmen mit Arbeitnehmerrechten und Mitbestimmung umgehe, forderte die VC. Deutsche Arbeitnehmerrechte gälten auch für Ryanair, wirtschaftlicher oder persönlicher Druck dürfe sie nicht aushebeln.
Streit um Betriebsrat und Standortkosten
Ryanair hatte Ende April angekündigt, die Basis am BER zu schließen und das Winterangebot in Berlin zu halbieren. Die Airline will die sieben stationierten Flugzeuge nach Schweden, in die Slowakei, nach Albanien und Italien verlegen. Verdi ging von rund 500 betroffenen Beschäftigten aus, Ryanair nannte 210.
Beschäftigte der Ryanair-Tochter Malta Air hatten im Mai 2025 in Berlin einen Betriebsrat gewählt. Das Bundesarbeitsgericht entschied Mitte Mai, dass an den deutschen Standorten der Airline Betriebsräte gegründet werden dürfen. Im August warf die VC Malta Air im Tarifstreit Union Busting vor. Schon damals ging es um das Vorgehen gegen zwei Mitglieder der Tarifkommission.
Ryanair hatte Anfang Oktober bestätigt, im Winter in Deutschland 700.000 Sitzplätze zu streichen. Die Kapazität sinkt damit um zehn Prozent gegenüber dem Vorjahr. Die Airline forderte von der Bundesregierung, die Luftverkehrsteuer abzuschaffen und die Kosten für Sicherheit, Flugsicherung und Flughäfen zu senken. Bremen fliegt sie ab April 2027 nicht mehr an.
