Im Tarifkonflikt zwischen der Gewerkschaft Vereinigung Cockpit (VC) und der Ryanair-Tochter Malta Air spitzt sich die Lage weiter zu. Der Arbeitgeber habe deutsche Piloten einseitig von einem 5/4- auf einen 5/3-Dienstplanrhythmus umgestellt, bestätigte die VC auf Anfrage von airliners.de mit. Das bedeute weniger freie Tage und eine höhere Arbeitsbelastung, ohne dass dies entsprechend vergütet werde.
Gleichzeitig ist im laufenden Tarifstreit weiterhin ungeklärt, wie weit Malta Air die Mitbestimmungsrechte eines künftigen Betriebsrats per Tarifvertrag einschränken darf, hieß es.
Zentraler Streitpunkt ist laut einem Rundschreiben der VC an die Mitglieder vom 10. August, welches airliners.de vorliegt, der sogenannte Tarifvorrang: Was im Tarifvertrag verbindlich geregelt ist, kann ein künftiger Betriebsrat nicht mehr eigenständig ändern. Die VC sieht darin bereits ausreichenden Schutz für den 5/4-Roster, sollte er tarifvertraglich festgeschrieben werden. Malta Air verlange jedoch eine weitergehende Absicherung, die aus Sicht der Gewerkschaft über den reinen Schutz des Rosters hinausgehe und gesetzliche Mitbestimmungsrechte eines künftigen Betriebsrats beschneiden würde.
Die VC habe dem Arbeitgeber bereits vor einem Treffen Anfang August schriftlich und mündlich mitgeteilt, gesetzliche Betriebsratsrechte nicht zusätzlich per Tarifvertrag einschränken zu wollen, hieß es in dem Rundschreiben. Zugleich habe die Gewerkschaft Zugeständnisse gemacht, etwa den Verzicht auf eine sonst übliche Rückdatierung vereinbarter Gehaltserhöhungen ab April 2026. Einen überarbeiteten Vertragsentwurf habe die VC dem Unternehmen nach eigenen Angaben in Aussicht gestellt.
VC spricht von Union Busting
Auf Anfrage von airliners.de bestätigte die VC weitere Spannungen. Eine breite Kritik der Ryanair-/Malta-Air-Piloten an der eigenen Arbeit der VC oder an der Tarifkommission könne die Gewerkschaft jedoch nicht bestätigen. Dabei handle es sich vielmehr um einzelne Personen, die sich wiederholt kritisch äußerten. Wachsende Forderungen nach Streiks unter den Beschäftigten seien vor allem Ausdruck der Unzufriedenheit mit dem Arbeitgeber und den aktuellen Arbeitsbedingungen – nicht mit der eigenen Interessenvertretung, so die Gewerkschaft.
Die Belastung der Piloten sei erheblich, teilte die VC weiter mit. Neben der einseitigen Umstellung auf den 5/3-Rhythmus kämen weitere Maßnahmen und Konflikte auf mehreren Ebenen hinzu, die nach Einschätzung der Gewerkschaft erheblichen Druck auf die Beschäftigten und ihre gewählten Vertreter ausübten. "Aus unserer Sicht zielen diese Maßnahmen darauf ab, die Arbeitnehmervertretung zu schwächen", erklärte die VC. Der Begriff "Union Busting" beschreibe aus ihrer Sicht die Stoßrichtung der verschiedenen Maßnahmen treffend.
Ryanair nutze den europäischen Binnenmarkt und seine grenzüberschreitenden Strukturen, um Beschäftigte verschiedener Länder gegeneinander auszuspielen und gewerkschaftliche Strukturen zu schwächen, kritisierte die VC. Unternehmen, die europaweit operierten und Ressourcen grenzüberschreitend verlagern könnten, benötigten deshalb auch europaweit klare Regeln.
Vorgeschichte: Betriebsratsurteil und BER-Schließung
Erst im Mai 2025 hatten die Beschäftigten der Ryanair-Tochter in Berlin einen Betriebsrat gewählt. Das Bundesarbeitsgericht entschied zudem, dass an den deutschen Standorten von Malta Air Betriebsräte nach dem Betriebsverfassungsgesetz gegründet werden dürfen – ein Betriebsteil könne demnach auch vorliegen, wenn der Hauptbetrieb im Ausland sitze.
Zeitgleich kritisierten Verdi und die VC die von Ryanair angekündigte Schließung der Basis am Flughafen BER zum kommenden Winterflugpln als möglichen Einschüchterungsversuch. Ryanair begründete den Schritt mit zu hohen Standortkosten. Nach Angaben von Verdi sind davon rund 500 Beschäftigte betroffen, Ryanair nennt 210.
Die Fluggesellschaft will ihre sieben in Berlin stationierten Flugzeuge nach eigenen Angaben unter anderem nach Schweden, in die Slowakei, nach Albanien und Italien verlegen.
Vorgehen gegen zwei Verhandler
Nach Informationen aus dem Umfeld der Belegschaft, die airliners.de vorliegen, soll Malta Air zwei Mitglieder der VC-Tarifkommission gekündigt haben. Die VC bestätigte auf Anfrage das Vorgehen des Arbeitgebers gegen zwei Mitglieder der Kommission, wollte sich zu den konkreten Fällen wegen laufender rechtlicher Auseinandersetzungen aber nicht weiter äußern.
Ryanair reagierte bis zum Zeitpunkt der Veröffentlichung nicht auf eine Anfrage von airliners.de zu den Vorwürfen.