Raus aus dem Hotel, zum Hauptbahnhof, den Koffer abgeben und den Rest des Abreisetags mit Sightseeing verbringen? In der taiwanesischen Hauptstadt Taipeh geht das dank In-Town Check-in und speziellen Bahnen zum Flughafen. Leider machen nicht alle Airlines mit.
Das Schleppen der Koffer gehört mit zu dem anstrengendsten und langweiligsten einer Flugreise. Und sie kostet wertvolle Urlaubszeit. Insbesondere auf dem Heimweg, wenn die Koffer voll sind mit Souvenirs, Süßigkeiten und anderen Mitbringseln aus fernen Ländern. In einer fremden Stadt ist das selbst mit ein paar Wochen Erfahrung nicht so einfach. Nicht zuletzt deswegen wird gern das Taxi vom Hotel zum Flughafen genutzt. Wenn der Flug aber spät ist, lohnt es sich, eigentlich den Tag über mit ein wenig Sightseeing zu verbringen – wären da nicht die Koffer. Diese im Hotel unterzubringen ist zwar eine Lösung, doch das erfordert eine Rückkehr und schränkt den Bewegungsraum durch die einzurechnenden Reserven ein. Zum Flughafen bringen und wieder in die Stadt fahren kostet zudem oft viel zu viel Zeit, da die meisten größeren Flughäfen fernab der Stadt liegen.
Sogenannte In-Town Check-Ins (kurz ICTI) lösen das Problem. Der Koffer wird lange vor dem Flug mitten in der Stadt der Fluggesellschaft übergeben, die die Verantwortung für den sicheren Transport zum Flughafen übernimmt. Das Verfahren ist bekannt, doch weltweit nur in wenigen Städten zu finden. Taipeh und dessen Hauptflughafen (TPE), der genau genommen in Taoyuan liegt, gehört seit 2017 zu den Städten, die diesen Service anbieten. Zeit, sich dieses Konzept etwas genauer anzuschauen, was in Deutschland auch einmal existierte.
In-Town Check-In
Die Gepäckaufgabe in der Stadt ist vor allem in Asien verbreitet. Seoul bietet für den Flughafen Incheon (ICN) gleich zwei Orte. Zum einen den zentralen Hauptbahnhof Seoul Station samt Schnellzugverbindung und zum anderen den City Airport Busbahnhof in Seoul-Gangnam: Beide wurden seinerzeit von den Fluggästen gern angenommen und sind gut besucht. Aktuell (2024) ist die Gepäckaufgabe nur noch in Seoul Station möglich.
Das gilt auch für die Sonderverwaltungsregion Hong Kong, die für ihren Flughafen (HKG) gleich zwei Airport-Express-Stationen mit Check-in bietet: Hong Kong und Kowloon. In der notorisch überfüllten Stadt ein gern angenommenes Angebot. Sowohl Hong Kong als auch Seoul werden von sehr vielen Fluggesellschaften unterstützt.
Kuala Lumpur (KUL) gehört ebenfalls zu den Gepäckaufgabe-Gebieten in der Innenstadt. Hier bietet der KLIA Ekspres die Möglichkeit, am Bahnhof KL Sentral das lästige Gepäck loszuwerden. Leider ist das nur etwas für die dort ansässigen Carrier, wie Malaysia Airlines. Geschlossen ist leider schon länger die Option in Bangkok (Makkasan Station für Suvarnabhumi).
Doch nicht nur in Asien gibt es das Konzept In-Town Check-In. Die Stadt Wien bietet mit dem City Airport Train einen sehr gut nutzbaren Service für den Flughafen Wien inmitten der schönen Wiener Innenstadt. Zu den Vorzügen Wiens gehört eine breite Unterstützung der Fluggesellschaften für das ITCI. In Europa gab es außerdem einmal ein In-Town Check-In in Madrid (Nuevos Ministerios) und in London für Flüge ab Gatwick.
Ungewöhnlich ist das Fiji Airways Resort Check-in. Das ist zwar kein ITCI bietet aber Hotelgästen eine direkte Aufgabe von Gepäck im Hotel.
(as)
So gab es vor Jahrzehnten einmal den Lufthansa Airport Express, einen markant gelben Zug, der als Zubringer sogar aus weit entfernten Städten funktionierte. Damit war die Kofferabgabe sogar in anderen Städten möglich, was die Bahnfahrt zum Flughafen vereinfachte. Selbst nach der Einstellung des Zugs und der Verbreitung der ICEs, wurde die Gepäckaufgabe für Flüge ab Frankfurt noch ermöglicht. Spezielle Schalter gab es etwa im Kölner Hauptbahnhof, bei denen das Gepäck aufgegeben werden konnte. Der Bahnhof Siegburg/Bonn, der zwischen Köln und Frankfurt liegt, konnte ebenfalls Lufthansa-Gepäck annehmen. Auch Stuttgarts Hauptbahnhof bot diesen Service einmal an.
Ferner wurde 2003 ein In-Town Check-in am Magdeburger Hauptbahnhof getestet. Fluggäste des Flughafens Leipzig/Halle konnten am Vorabend das Gepäck abgeben.
Wer den Frankfurter Weg vom ICE-Bahnhof zum Terminal kennt, würde das Angebot sicher heute noch dankend annehmen, auch wenn per Airrail-Check-in zumindest einige Fluggäste dort die Koffer direkt am Fernbahnhof des Flughafen Frankfurt abgeben können. Doch die Zeiten der Abgabe in der Innenstadt sind hierzulande lange vorbei. Heute heißt es Koffer schleppen, bis in den Terminal.
In Asien beschränkt man sich vor allem auf Innenstädte
Im serviceorientierten Asien wird das System hingegen gern angenommen, wenngleich bei Weitem nicht so weitreichend, wie es mal in Deutschland war. Es ist zum Beispiel nicht möglich, seinen Koffer im Süden Taiwans in Kaohsiung bei der Fluggesellschaft aufzugeben und dann mit dem Hochgeschwindigkeitszug zum Flughafen zu reisen. Taiwan und viele andere Länder, beschränken sich auf die Innenstadt.
Das System in Taipeh besteht aus einer neuen, U-Bahn-ähnlichen Hochbahn-Linie, der Taoyuan Metro (MRT), die den Flughafen mit dem Hauptbahnhof (Taipei Main Station) verbindet. Dessen Züge sind teilweise mit einem speziellen Gepäckwagen ausgestattet, der wiederum mit Gepäckstücken in einem abgeschotteten Bereich beladen wird. Die Gepäckstücke können vor dem Betreten des Bahnsteigs den Fluggesellschaften übergeben werden.
Das Konzept selbst ist recht alt. Die ersten Arbeiten fingen 2006 an. Die erste Eröffnung war eigentlich für 2010 angedacht. Eröffnet wurde schließlich erst im März 2017. Für Taiwan war die Verzögerung ein mittlerer Skandal. Die Taoyuan Metro stellt eine gewisse Peinlichkeit für das kleine Land dar. Es ist sozusagen der BER Asiens. Die Eröffnung wurde über Jahre verzögert. Einer der letzten Gründe: Der Airport Express brauchte 36 Minuten für die Fahrt zum Flughafen Terminal 1. Vertraglich vereinbart waren aber 35 Minuten Fahrzeit. Bei dem Anspruch, den viele ostasiatische Länder an ihre Infrastruktur haben, war das nicht hinnehmbar. Zudem musste eine für die Region selbstverständliche Zuverlässigkeit von 99 Prozent erreicht werden. Auch das gelang nicht - der Skandal war perfekt.
Hierzulande wundert man sich über derartige Vorgänge wegen einer Minute Fahrzeit. Allein die Vorstellung, sein Gepäck vorzeitig loszuwerden, dürfte vielen eine planmäßige Verspätung in dem Bereich wert sein. Sei es, um entspannter zum Flughafen zu fahren und sich nicht in die Schlangen einreihen zu müssen, oder auch um den Tag besser zu nutzen.
Taipeher Bahnhof der Taoyuan Metro gibt es dafür mehrere Schalter zur Aufgabe des Gepäcks. Bedingung ist allerdings meist, dass der Fluggast mindestens drei Stunden vor Abflug erscheinen muss. Den Puffer brauchen Fluggesellschaften bei ICTI-Systemen oft, um Risiken zu vermeiden. Für den Fluggast, der noch die Stadt an dem letzten Tag erkunden will, ist das in der Regel kein Problem. Die Strecke vom Hauptbahnhof bis zum Gate schafft der Nutzer in Taipeh erfahrungsgemäß in etwas mehr als zwei Stunden.
Einchecken wie am Flughafen
Der Prozess selbst funktioniert wie am Flughafen. Das Gepäck wird abgegeben und der Gast bekommt seine Bordkarte samt Gepäckquittung ausgehändigt. Eine Besonderheit ist in Taiwan allerdings zu beachten. Dort muss der Kunde so lange warten, bis das Gepäck die Sicherheitskontrolle passiert hat. Dafür gibt es zum einen zahlreiche Monitore rund um die Check-in-Zone und zum anderen zwei Barcode-Scanner, die auch Fluggäste, die nicht die ganze Zeit auf die Monitore starren wollen, über den Gepäckstatus informieren.
Die Gepäckbelege müssen nur kurz an den Scanner gehalten werden, ein unkomplizierter Service. Ist das Gepäck durch, was in der Regel nicht einmal eine Minute dauert, kann sich der angehende Flugpassagier entfernen und einen beliebigen Zug nehmen. Das Gepäck fährt in der Regel mit einem der nächsten Züge mit abgesperrtem Gepäckwagen zum Flughafen.
Die Fahrt mit der Taoyuan Metro ist dann vergleichsweise teuer. 140 Taiwan Dollar (NTD) werden für die Strecke fällig. Das sind derzeit rund vier Euro. Zum Vergleich: Die Hochgeschwindigkeitsstrecke THSR zwischen Taoyuan HSR und Taipei Hauptbahnhof kostet gerade mal 160 NTD mit Sitzplatzreservierung. Die THSR können Fluggäste übrigens auch nehmen, da die Taoyuan Metro vom Flughafen nicht nur nach Taipei fährt, sondern auch zum Taoyuan HSR, der etwa 15 Minuten vom Flughafen entfernt ist. Allerdings gibt es in Taoyuan HSR keinen In-Town Check-in. Darüber sind aber die wichtigsten Städte des Landes wie Hsinhu, Tainan oder Kaohsiung schnell erreichbar. Multimodaler Verkehr ist in dem Land kein Problem.
Die Züge fahren mit bis zu 94 Kilometern pro Stunde auf der Strecke. Möglich sind laut Betreiber 100 Kilometern pro Stunde. Durch Bahnhöfe fahren die Expresszüge teils mit Geschwindigkeiten von über 70 Kilometern pro Stunde. Für ein MRT-System ist beides ziemlich fix. Aufgrund der überall verbauten Schutztüren (Plattform Screen Doors) stellt das sicherheitstechnisch kein Problem dar.
Die hohe Geschwindigkeit der Bahn bemerkt der Nutzer nicht. Zum einen ist ein Großteil der Strecke in schwindelerregender Höhe und zum anderen sind die Züge äußerst leise. Die ohnehin leise Klimaanlage ist lauter als die Fahrgeräusche. Ein klassisches Klack-Klack, Klack-Klack gibt es gar nicht zu hören. Selbst Gleiswechsel sind extrem leise. Aus Sicherheitsgründen fahren die Züge bergab allerdings nur mit 48 km/h. Das mag mit der hohen Erdbebengefahr des Landes zusammenhängen.
Auf der gesamten Fahrt zum Flughafen muss sich der Nutzer der Metro-Systeme in Taipeh keine Sorgen machen. Sämtliche Bahnhöfe sind mit Personal bestückt. Dieses kümmert sich um potenzielle Ticket-Probleme und weist die Fahrgäste zu den Türen. Es gibt sogar spezielle Safezones, die zusätzlich zum Bahnhofspersonal besonders durch Kameras überwacht werden. Sorgen um seine Koffer muss sich in Taiwan eigentlich niemand machen. Die Gesellschaft leidet allerdings ohnehin kaum unter Straßenkriminalität. Zur Sicherheit gehört auch der Umstand, dass jeder Zug nach jeder Fahrt gereinigt wird.
In Taiwan ist man sich zudem sehr der Problematik bewusst, dass von Gästen das Lesen chinesischer Schriftzeichen nicht erwartet werden kann. Dementsprechend ist ein Großteil der Anzeigen abwechselnd auch in englischer Sprache zu lesen. Auch die Ansagen sind in englischer Sprache. Dabei bemühte sich die Taoyuan Metro um professionelle Sprecher. Eine Computerstimme, wie das hierzulande manchmal gehandhabt wird, gibt es nicht zu hören. Dazu kommen sehr moderne Digital-Signage-Systeme in den Zügen. Sogar mitunter mit einer Frontkamera auf die Strecke.
Vor- und Nachteile des ICTI-Konzepts
Auslagerung des Check-In-Prozesses in einen externen
kürzere Schlangen, da die Fluggäste sehr verteilt über den Tag ankommen
zusätzliche Stressreduktion für Passagiere mit spätem Flug
hohe Kosten durch zusätzliches Personal und Infrastruktur
Check-In nur mit einigen Fluggesellschaften möglich
Der Komfort ist abhängig von der gewählten Zugkategorie. Für die Einheimischen sind eigentlich die gleich teuren Commuter Trains gedacht, die an jeder Haltestelle halten. Aber die kann auch ein Fluggast nutzen, der das ITCI genutzt hat. Sie sind aber mit ihren harten Sitzschalen in Längsanordnung nicht so komfortabel wie die schnelleren Expresszüge mit weichen Polstern und ausklappbaren Tischen. Die Hitze Taiwans ist in beiden Zuggarnituren kein Problem. Die Klimaanlage ist so stark, dass man durchaus in den Zügen frieren kann. Insgesamt bietet Taiwan damit einen sehr guten Zubringerservice zum internationalen Flughafen.
Einen großen Nachteil hat das ITCI in Taiwan derzeit leider. Initial boten nur EVA Airlines (BR), die Tochter Uni Air (B7) und Taiwans Flagcarrier China Airlines (CI) samt der Tochter Mandarin Air (AE) das System an. Mittlerweile ist das Aufgeben bei den Airlines Cathay Pacific und Starlux ebenfalls möglich.
Nachtrag vom 28. Mai 2025: Der Artikel wurde um Informationen zu ITCI-Angeboten in Siegburg/Bonn, Stuttgart und Magdeburg ergänzt. Außerdem wurde die Einstellung des Services in Seoul für Airport-Busse vom Samseong-dong City Airport Terminal (Coex-Areal) vermerkt.
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Die Mobilitätsformel (5)
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