Brandenburgs Minister für Infrastruktur und Landesplanung, Robert Crumbach (SPD), hat im Interview mit dem "RBB" Bewegung in die monatelange Debatte um das Nachtflugverbot am Flughafen Berlin-Brandenburg (BER) signalisiert. Die für den Lärmschutz maßgeblichen Schutzgebiete rund um den Flughafen würden derzeit neu vermessen, sagte Crumbach.
Nach den bislang vorliegenden Daten sei davon auszugehen, dass die Lärmschutzgebiete etwas kleiner ausfallen könnten, erklärte der Minister. Grund sei zum einen, dass am Flughafen weniger Verkehr stattfinde als ursprünglich prognostiziert. Vor allem aber seien die eingesetzten Flugzeuge inzwischen leiser geworden.
Zur laufenden Diskussion um mehr Kulanz bei verspäteten Landungen sagte Crumbach: "Wenn ein Flugzeug rechtzeitig losfliegt, unterwegs in ein Gewitter kommt, dann ist auch jetzt schon möglich, das Ermessen auszuüben und der große Unterschied wird dann gegebenenfalls vielleicht sein, dass weniger Leute schallschutzmäßig betroffen sind, wenn die Gebiete neu ausgewiesen sind." Man müsse aber abwarten, wie sich die Lage entwickle, fügte er hinzu.
Bußgelder und Umleitungen nach Hannover
Am BER gilt bislang eine Nachtflugbeschränkung von Mitternacht bis 5:00 Uhr – davor gilt eine Kulanzzeit, in denen Flugzeuge bereits mit Ausnahme später starten oder landen dürfen.
Landet ein Flugzeug nach Mitternacht, drohen der Luftfahrtbehörde zufolge Bußgelder. Verspätete Maschinen werden deshalb häufig auf Ausweichflughäfen wie Hannover umgeleitet, wo kein Nachtflugverbot gilt. Betroffene Passagiere müssen dann oft mehrstündige Anschlussfahrten nach Berlin in Kauf nehmen.
Monatelanger Streit um mehr Flexibilität
Airlines, allen voran Ryanair, kritisieren die strikte Regelung seit Monaten und fordern eine Kulanzregelung von bis zu 15 Minuten.
Erst Anfang Juli hatte BER-Chefin Aletta von Massenbach bemängelt, dass die zuständige Behörde bei Umleitungen wegen Unwettern keine Ausnahmegenehmigungen erteile. Auch Berlins Regierender Bürgermeister Kai Wegner hatte sich für ein flexibleres Nachtflugverbot ausgesprochen.
Crumbachs Vorgänger im Amt, Detlef Tabbert, hatte eine Lockerung der Regelung im vergangenen Herbst noch abgelehnt und auf den Schutz der Anwohner verwiesen.
Das Verfahren zur Neuausweisung der Lärmschutzgebiete soll laut Ministerium bis Ende 2027 abgeschlossen sein. Bis dahin bleibt das bestehende Nachtflugverbot unverändert in Kraft.