Boeing intensiviert einem Bericht des Wirtschaftsdienstes "Bloomberg" zufolge seine internen Planungen für ein neues Verkehrsflugzeug, das im oberen Schmalrumpfsegment positioniert werden soll.
Das Projekt knüpft konzeptionell an die frühere Studie für ein sogenanntes New Mid-market Airplane (NMA) an, das in der Branche mitunter als "797" bezeichnet wurde.
Das neue Flugzeug soll die Lücke zwischen klassischen Schmalrumpfflugzeugen wie dem 737 Max und kleineren Großraumflugzeugen wie dem 787 Dreamliner füllen – ein Segment, das der US-Hersteller seit der Einstellung der 757-Produktion nicht mehr bedienen kann.
Der Markt, den Boeing damit ins Visier nimmt, gehört derzeit Airbus. Die A321 Neo-Familie – einschließlich der Langstreckenversion A321 XLR – kommt auf mehr als 7000 Bestellungen. Das verschafft dem europäischen Hersteller eine marktbeherrschende Stellung im oberen Schmalrumpfsegment.
Laut "Bloomberg" plant Boeing, die vorbereitenden Arbeiten für das Programm im kommenden Jahr aufzunehmen. Ein offizieller Programmstart ist demnach für das Ende des Jahrzehnts vorgesehen, der Einsatz bei Fluggesellschaften frühestens Mitte der 2030er Jahre.
Ein Airbus A321 Neo. © AirTeamImages.com / Matthieu Douhaire
Konventioneller Ansatz statt radikaler Technologie
Technisch verfolgt Boeing dem Bericht zufolge ein eher konservatives Konzept. So setzt Boeing angeblich auf einen konventionellen Röhren-Rumpf mit herkömmlichen Turbofantriebwerken. Airbus hatte zuletzt mitgeteilt, bei der neuentwicklung der A320-Familie auf Open-Rotor-Technik zu setzen.
Geplant sind dem Bericht zufolge aerodynamisch optimierte Tragflächen mit größerer Spannweite und dünneren Profilen sowie klappbare Wingtips – ähnlich wie bei der 777X. Der Transonic-Truss-Braced Wing des Boeing/Nasa-Testflugzeugs X-66 spielt in den aktuellen Studien dagegen wohl keine Rolle mehr.
Boeing selbst hatte Berichte über Flugzeug-Neuentwicklungen noch im Oktober 2025 als irreführend bezeichnet. Konzernchef Kelly Ortberg betont regelmäßig, ein neues Flugzeug werde nur dann auf den Weg gebracht, wenn Fluggesellschaften, Technologie und Boeing selbst dafür bereit seien.
Solange die Zertifizierung der 777-9 erhebliche Ressourcen bindet, dürfte eine formelle Programmfreigabe ohnehin noch in weiter Ferne liegen. Würde das Projekt tatsächlich realisiert, wäre es Boeings erste vollständig neue Verkehrsflugzeugentwicklung seit dem 787 Dreamliner, der 2011 in den Dienst ging.