Die brasilianische Fluggesellschaft Azul rechnet mit einer längeren Erholungsphase als bislang erhofft und hält an einem vorsichtigen Wachstumsplan fest. Hohe Kerosinpreise belasten weiterhin die Margen, obwohl die Airline das Gläubigerschutzverfahren nach Chapter 11 inzwischen verlassen hat. Das sagte Finanzvorstand Antonio Carlos Garcia am Montag am Rande einer Konferenz des Branchenverbands Latin American & Caribbean Air Transport Association.
"Wir sehen eine Erholung zu einem späteren Zeitpunkt als zuvor", sagte Garcia. Sollten die Kerosinpreise hoch bleiben, könne sich der Zeitplan um ein Jahr oder mehr verschieben.
Azul geht nach Garcias Angaben weiterhin davon aus, das Jahr mit einer um rund fünf Prozent geringeren Kapazität als im Vorjahr abzuschließen. Darin spiegele sich eine Strategie, die die Airline bereits vor dem jüngsten Preisschock beim Kerosin eingeschlagen habe.
Als Reaktion auf den Preisanstieg hatte Azul die Kapazität im zweiten Quartal um mehr als zehn Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum gekürzt. Ab dem vierten Quartal soll sie wieder moderat wachsen. Garcia sagte, Azul nehme bereits einige Frequenzen wieder auf und hole gegroundete Flugzeuge in den Betrieb zurück. Das sei jedoch nicht als aggressive Expansion zu verstehen.
Nach Garcias Angaben kann die Airline 60 bis 65 Prozent der gestiegenen Kerosinkosten über die Ticketpreise an die Kunden weitergeben.
Schulden gesunken, Cashflow noch belastet
Azul hatte das Chapter-11-Verfahren im Februar nach einer Restrukturierung ihrer Bilanz abgeschlossen. Im August bezifferte die Airline ihre Gesamtverschuldung auf 21,4 Milliarden Real (rund 3,8 Milliarden Euro). Garcia zufolge nähert sich Azul operativ einem positiven freien Cashflow. Der Mittelzufluss werde aber noch durch Zahlungen im Zusammenhang mit der Restrukturierung gebremst, und zwar aus der Zeit vor und nach dem Chapter-11-Verfahren.
Zudem setze Azul stärker auf Geschäftsfelder jenseits des Passagierverkehrs, sagte Garcia. Dazu zählten das Vielfliegerprogramm, Reisedienstleistungen, Fracht und Instandhaltung.
Garcia äußerte sich auch zu Spekulationen über eine weitere Konsolidierung in der lateinamerikanischen Luftfahrt. Azul prüfe derzeit keine Zusammenschlüsse, sagte er. Die Airline konzentriere sich darauf, das eigene Geschäft neu aufzustellen.
2025 hatte der Mutterkonzern des Konkurrenten Gol die Gespräche über eine Fusion beider Airlines beendet. Er hatte sich jedoch offengehalten, die Verhandlungen künftig wieder aufzunehmen.
