Zwischen Deutschland und Syrien gibt es erstmals seit 2011 wieder Direktflüge. Nach Informationen aus der Branche wollen mehrere deutsche Airlines mehr Flüge nach Syrien anbieten. Angeblich gibt es jedoch Probleme bei den Genehmigungen auf syrischer Seite – obwohl das Luftverkehrsabkommen beider Länder weitere Flüge zulasse.
Auf Anfrage von airliners.de teilte das Bundesministerium für Verkehr (BMV) mit, dass die bilateralen Absprachen zwischen Deutschland und Syrien 30 Flüge pro Woche für jede Seite vorsehen würden. Das Luftfahrt-Bundesamt (LBA) habe den deutschen Airlines alle 30 Frequenzen für den Sommerflugplan genehmigt, teilte eine Sprecherin mit. "Tatsächlich genutzt werden von deutscher Seite aktuell sechs Frequenzen."
"Es ist nicht unüblich, dass Luftfahrtunternehmen mehr Flüge beantragen, als sie dann tatsächlich durchführen", sagte die Sprecherin. Gerade bei der Öffnung eines neuen Markts könnten unternehmensinterne Neuplanungen dazu führen, dass Strecken doch nicht oder erst später aufgenommen würden.
Die Sprecherin verwies allerdings auch auf die Lage vor Ort. Nach dem Wiederanlaufen des Luftverkehrs in Syrien stünden vor allem am Flughafen Damaskus weiterhin nur eingeschränkte Kapazitäten zur Verfügung. Das Ministerium sei mit der syrischen Zivilluftfahrtbehörde in engem Austausch, auch über die Vergabe von Landerechten an den syrischen Flughäfen.
Erste Direktflüge seit Ende Juli
Deutschland und Syrien hatten ein neues bilaterale Luftverkehrsabkommen Mitte Juli in Damaskus unterzeichnet. Damit war erstmals seit Beginn des bewaffneten Konflikts in Syrien 2011 wieder ein rechtlicher Rahmen für Direktflüge entstanden.
Ende Juli lief zudem ein deutsches Flugverbot für Syrien aus. Das Verkehrsministerium hatte dies mit der verbesserten Lage im Land begründet, das Auswärtige Amt warnte jedoch weiterhin vor Reisen nach Syrien.
Airbus A320 von Leave Aviation auf dem Flughafen Amman in Jordanien. : Das Bild zeigt einen weißen Airbus A320 der Fluggesellschaft Leave Aviation, der auf dem Vorfeld des Amman-Flughafens in Jordanien steht. Vor dem Flugzeug ist eine mobile Treppe mit mehreren Personen zu sehen. Im Hintergrund befindet sich das moderne Flughafenterminal unter blauem Himmel. © Leav Aviation
Als erste deutsche Airline nahm dann Leav Aviation Ende Juli den Flugbetrieb auf. Nach Angaben der Kölner Fluggesellschaft war ihr Flug von Düsseldorf nach Damaskus der erste Direktflug aus Deutschland nach Syrien seit mehr als einem Jahrzehnt. Mitte August folgte eine Verbindung von Köln/Bonn nach Aleppo, ebenfalls zweimal wöchentlich.
Auch Eurowings hat Syrien als mögliches Ziel genannt. Eurowings-Chef Max Kownatzki sagte Anfang Juni, die Airline wolle den Markt in Betracht ziehen, sobald Infrastruktur und Sicherheitslage dies zuließen. Er sprach allerdings von einem "Long Shot" und einer Perspektive weit in der Zukunft.
Es gibt aber noch eine deutsche Airline, die Syrian anfliegt. Sundair verbindet seit Mitte August Berlin zweimal pro Woche mit Damaskus, jeweils dienstags und samstags. Angeblich will die Airline ihr Syrien-Engagement sogar noch weiter ausbauen – nicht nur in Berlin, sondern auch aus anderen deutschen Flughäfen aus.
Syrische Airlines drängen auf Markt
Airbus A320-200 von Cham Wings Airlines © AirTeamImages.com / Alpha Romeo
Doch auch syrische Airlines drängen auf den Markt. Syrische Fluggesellschaften werden nach Angaben des Ministeriums voraussichtlich in Kürze Flüge zwischen beiden Ländern aufnehmen. Um welche Airlines es sich handelt, nannte das BMV nicht. Die syrische Botschaft ließ eine Anfrage zu den Streckenrechten unbeantwortet.
Die syrische Fluggesellschaft Cham Wings hatte bereits im März 2025 angekündigt, wieder nach Europa fliegen zu wollen. Wegen der großen syrischen Diaspora zielte sie dabei vor allem auf Deutschland, wie damals "CH-Aviation" berichtete. Die Airline unterlag zu diesem Zeitpunkt noch EU-Sanktionen, während die EU jene gegen Syrian Air bereits aufgehoben hatte.
Zudem hatten die syrische Luftfahrtbehörde und die saudi-arabische Fluggesellschaft Flynas Anfang des Jahres die Gründung der Airline Flynas Syria vereinbart, die zu 51 Prozent in syrischer Hand ist. Der Flugbetrieb sollte nach damaligen Angaben im vierten Quartal beginnen.