Amerikanische und indische Flugunfallbehörden liegen bei der Bewertung des Air-India-Absturzes mit 260 Toten im Juni 2025 über Kreuz, wie US-Medien berichten.
Die US-Flugsicherheitsbehörde NTSB geht davon aus, dass der Kapitän die Treibstoffzufuhr bewusst unterbrochen hat. Die indische Flugunfallbehörde AAIB widerspricht dieser Einschätzung und hält technisches Versagen für wahrscheinlich.
Auswertungen des Stimmenrekorders zeigen einen Wortwechsel zwischen Kapitän und Erstem Offizier. Ein Pilot fragt den anderen, warum er die Triebwerke abgestellt habe. Der Angesprochene bestreitet dies. Der Flugdatenschreiber dokumentiert, dass die Treibstoffzufuhrschalter von der Position "Run" auf "Cutoff" gestellt wurden. Kurz darauf wurden sie wieder zurückgeschaltet.
Die NTSB-Ermittler schließen nach eigener Darstellung mechanisches Versagen aus. "Wir sind sehr sicher, dass kein mechanisches Problem an der Einheit zur Treibstoffsteuerung der Boeing vorlag", erklärte FAA-Chef Bryan Bedford im Juli 2025 gegenüber Reuters. Auch ein versehentliches Umlegen der Schalter sei ausgeschlossen.
Indien weist US-Behörde zurecht
Diese Festlegungen stießen in Indien auf scharfe Kritik. Die AAIB wies "verfrühte und spekulative Festlegungen" zurück. Im ersten offiziellen Bericht der indischen Behörde blieb die NTSB-Einschätzung unerwähnt. Die indischen Ermittler präsentierten stattdessen über Medien eine alternative Erklärung. Ein Elektrobrand könnte das Absturzgeschehen ausgelöst haben.
Derartiges Vorgehen ist bei Ermittlungen mehr als ungewöhnlich. Das Vorgehen der indischen Behörden führte in der Folge dann auch zu erheblichen Spannungen. Das NTSB soll zwischenzeitlich sogar mit dem Rückzug aus dem Ermittlungsverfahren gedroht haben.
In dieser Woche trafen sich Experten beider Behörden in Washington zu Beratungen über den Ermittlungsstand, wie aus Luftfahrtkreisen verlautet. Das Treffen wird als Zeichen gewertet, dass ein umfassenderer Zwischenbericht ausgearbeitet werden könnte.
Bei dem Unglück am 12. Juni stürzte eine Boeing 787-8 der Air India 32 Sekunden nach dem Start vom Flughafen Ahmedabad ab. Die Maschine war auf dem Weg nach London Gatwick, als beide Triebwerke von voller Startleistung in den Leerlauf fielen.