Mit einem größeren Langstrecken-Angebot und einer Konzentration auf die Drehkreuze in Düsseldorf und Berlin will die finanziell angeschlagenen Air Berlin bald wieder dauerhaft in die schwarzen Zahlen fliegen. Eine entsprechende strategische Neuausrichtung mit dem internen Namen "Change to win" stellte Vorstandschef Stefan Pichler jetzt vor.
Vor allem die Stückkostenvorteile gegenüber den anderen Netzwerkairlines sollen der Fluggesellschaft dabei helfen, sich langfristig profitabel zu entwickeln. Im Vergleich zu Lufthansa könne Air Berlin bei sehr guter Qualität deutlich günstiger produzieren, sagte Pichler in Berlin vor Journalisten. Diese Chance sei der Kern der Strategie, die der Verwaltungsrat beschlossen habe.
Neue Langstrecken ab Düsseldorf - nicht ab Berlin
Dabei baut Air Berlin zunächst das Langstreckenangebot in Düsseldorf aus. Zum Sommerflugplan 2016 nimmt die Fluggesellschaft gleich vier neue Transatlanktikverbindungen ins Programm. Am Heimatdrehkreutz Berlin gibt es dagegen keine Veränderung im Langstreckensegment. Hier kämpft die Airline gerade zusammen mit ihrem Großaktionär Etihad um einen Fortbestand gemeinsamer Codesharing-Flüge.
Für das neue Langstreckenprogramm benötigt die Airline dabei kurzfristig keine zusätzlichen Flugzeuge. Drei bislang vor allem im Europaverkehr eingesetzte Airbus A330 würden von einer reinen Economy-Class-Bestuhlung auf die Air-Berlin-Langstreckenkonfiguration mit Business-Class und Premium-Economy umgerüstet, so Pichler.
Es wird ein langer Weg, aber die Richtung stimmt.
Air-Berlin-Chef Stefan Pichler
Neben neuen Langstrecken sehe die operative Neuausrichtung eine Konzentration auf ertragsreiche Europaverbindungen vor. Im Gegenzug würde an anderer Stelle ausgedünnt. Konkrete Streckenstreichungen wollte Pichler nicht nennen: "Wir wachsen dort, wo wir Kostenvorteile haben." Air Berlin werde zwar in Sachen Sitzplatzkapazität weiter schrumpfen. Durch die neuen Langstrecken würde das Angebot nach angebotenen Sitzplatzkilometern (ASK) dagegen beständig bleiben.
Zentraler Bestandteil bei der Netzwerkplanung ist dabei laut Pichler weiterhin die Partnerschaft mit Etihad. Mit den zwei anderen europäischen Etihad-Beteiligungspartnern Alitalia und Air Serbia will Air Berlin die bestehende Zusammenarbeit weiter intensivieren. Daneben ist den Angaben nach vor allem die Partnerschaft mit American Airlines wichtig.
Mehr Outsourcing und neuer Vertriebsfokus
Zu dem Programm gehören neben Neuordnungen im Streckennetz und bei der Flotte auch eine Vertriebsinitiative mit Fokus auf Firmenkunden und die Streichung von Arbeitsplätzen in der Verwaltung. Zum Umfang des Stellenabbaus und betroffenen Standorten wollte sich Pichler nicht äußern. Möglichkeiten für Outsourcing und Synergie-Effekten mit Etihad würden sich etwa in der Technik ergeben. Dinge wie diese müssten erst mit den Arbeitnehmervertretern diskutiert werden. Air Berlin beschäftigt rund 8000 Mitarbeiter.
Beim Vertrieb will sich Air Berlin zukünftig auf die profitablen Kundengruppen fokussieren. Firmen- und Businesskunden sollen die zentrale Klientel der Airline sein. "In den nächsten Jahren wollen und werden wir das Geschäft hier verdoppeln", ist sich Pichler sicher. Dabei gehe es vor allem darum, mit Qualität zu punkten. Dazu soll die Servicequalität ausgebaut werden. Zusatzleistungen wie etwa mehr XL-Sitze oder weitere Zusatzeinnahmen sollen die Durchschnittserlöse weiter ausbauen.
Schritt über die Gewinnschwelle dauert länger
Ziel des Konzepts ist laut Air Beriln eine Verbesserung des operativen Ergebnisses (Ebit) um 310 Millionen Euro bis Ende 2018. Pichler will nach eigenen Worten "in den nächsten zwölf bis 18 Monaten" den Wendepunkt "auf dem Weg zur Profitabilität" erreicht haben. Bisher hatte das Unternehmen 2016 ein positives Ebit angestrebt.
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Die zweitgrößte deutsche Fluggesellschaft schreibt seit Jahren Verluste. Pichler warf der Bundesregierung vor, die Misere mitverantwortet zu haben: Die Luftverkehrssteuer habe Air Berlin seit ihrer Einführung Mitte 2011 rund 600 Millionen Euro gekostet. "Wenn es die Luftverkehrssteuer nicht gäbe, wären wir bereits rentabel." Im reisestarken dritten Quartal hatte die Airline zuletzt wieder wieder schwarze Zahlen geschrieben.