Die Renditen der Anleihen von Air Baltic sind am Mittwoch auf ein Rekordhoch gestiegen. Das Signal kommt kurz vor einem virtuellen Gläubigertreffen am Freitag, bei dem über eine Notfinanzierung für die angeschlagene lettische Fluggesellschaft entschieden wird.
Die auf 2029 fälligen Anleihen im Volumen von 380 Millionen Euro fielen am Mittwoch auf ein Rekordtief. Die Rendite kletterte dabei laut Daten des Finanzdienstleisters LSEG um bis zu 176 Prozent. Steigende Renditen bei fallenden Kursen zeigen an, dass Investoren eine Anleihe als riskanter einstufen.
Air Baltic wird mehrheitlich vom lettischen Staat gehalten, an der Fluggesellschaft ist zudem die Lufthansa Group beteiligt. Air Baltic gilt als Testfall für den breiteren Airline-Markt: Schwächere Anbieter, die höhere Kosten kaum an Passagiere weitergeben können, geraten wegen der durch den Iran-Krieg gestiegenen Kerosinpreise am stärksten unter Druck.
Iran-Krieg verschärft die Risiken für schwächere Airlines
Air Baltic kämpft mit Triebwerksengpässen, die einen Teil der reinen Airbus-Flotte am Boden gehalten und die Pläne für einen Börsengang verzögert haben. Der Iran-Krieg erhöhte den Druck zusätzlich: Die Airline musste lukrative Flüge nach Dubai aussetzen, ihre Treibstoffkosten stiegen. Das weckt Zweifel daran, ob Air Baltic ihre Schulden refinanzieren oder zurückzahlen kann.
Die irische Billigfluggesellschaft Ryanair warnte in diesem Monat, die Ticketpreise im Kurzstreckenverkehr müssten steigen, sollten die aktuellen Bedingungen 2027 anhalten. Einige Wettbewerber dürften den Winter demnach kaum überstehen.
Neue Anleihen sollen Vorrang vor bestehenden Papieren erhalten
Bei dem virtuellen Treffen am Freitag will Air Baltic die Anleihegläubiger um Zustimmung zu einem Plan bitten, mit dem bis zu 257 Millionen Euro durch neue vorrangig besicherte Schuldtitel mit Fälligkeit 2027 aufgenommen werden sollen. Der Vorschlag braucht die Zustimmung von mehr als 75 Prozent der anwesenden Gläubiger. Die Airline senkte zudem das Quorum für Gläubigerversammlungen auf mehr als 25 Prozent, nachdem ein Treffen im August wegen zu geringer Beteiligung gescheitert war.
Die neuen Anleihen erhalten bei der Rückzahlung aus dem Sicherheitenpaket – darunter acht Flugzeuge und sieben Triebwerke – Vorrang. Die bis 2029 laufenden Anleihen fallen dadurch auf den dritten Rang zurück. Analysten werteten dies als möglichen Grund für den Renditesprung am Mittwoch.
Yves Schwyter, Gründer der auf Luftfahrt-Kapitalrisiken spezialisierten Analysefirma Vectus Intelligence, sagte: "Von den bestehenden Gläubigern wird verlangt, etwas zuzustimmen, das ihren eigenen Anspruch nachrangig macht."
Den Plan unterstützen der Kreditfonds Polus Capital, der zugesagt hat, mindestens 50 Prozent der neuen Anleihen zu zeichnen, sowie die israelische Investmentgesellschaft Klirmark Capital.
Der lettische Staat, der ebenfalls Anleihegläubiger ist, unterstütze Bemühungen, die Airline zu stabilisieren, habe aber keine zusätzliche befristete Finanzierung zugesagt, berichtete der öffentlich-rechtliche Sender LSM am Dienstag. Die Ratingagentur Fitch schrieb im August, EU-Beihilferegeln und politische Erwägungen würden umfangreiche Eigenkapitalhilfen des Staates schwierig machen.
Schwyter sagte: "Niemand, auch nicht der Staat, hat sich öffentlich auf einen benannten Plan B festgelegt. Dieses Fehlen ist die ehrlichere Antwort, als es jeder einzelne Mechanismus wäre, den ich mit Zuversicht nennen könnte."