Streikchaos: Polizei schließt Eingänge am Hamburger Flughafen

10.02.2015 - 10:06 0 Kommentare

Die Streiks sind beendet: Während es in Hannover kaum Auswirkungen gab, konnte das Wach- und Sicherheitspersonal die Flughäfen in Hamburg und Stuttgart lahmlegen. In Hamburg mussten sogar Polizisten die Eingänge absperren.

Polizisten am Airport in Hamburg

Polizisten am Airport in Hamburg
© dpa - Bodo Marks

Wegen eines Warnstreiks des Sicherheitspersonals gestrandete Reisende schlafen in der Nacht zum 10. Februar 2015 in einem Terminal des Flughafens in Hamburg auf Feldbetten.

Wegen eines Warnstreiks des Sicherheitspersonals gestrandete Reisende schlafen in der Nacht zum 10. Februar 2015 in einem Terminal des Flughafens in Hamburg auf Feldbetten.
© dpa - Daniel Reinhardt

Passagiere warten an den Sicherheitskontrollen in Hamburg.

Passagiere warten an den Sicherheitskontrollen in Hamburg.
© dpa - Bodo Marks

In Hamburg haben sich lange Schlangen gebildet.

In Hamburg haben sich lange Schlangen gebildet.
© dpa - Bodo Marks

Das Wach- und Sicherheitspersonal am Flughafen Stuttgart streikt.

Das Wach- und Sicherheitspersonal am Flughafen Stuttgart streikt.
© dpa - Marijan Murat

Blick in den Stuttgarter Flughafen

Blick in den Stuttgarter Flughafen
© dpa - Marijan Murat

Die Mitarbeiter der Fluggast-, Personal- und Warenkontrolle streiken in Hannover.

Die Mitarbeiter der Fluggast-, Personal- und Warenkontrolle streiken in Hannover.
© dpa - Holger Hollemann

Warnstreiks des Sicherheitsgewerbes haben die Flughäfen in Hamburg und Stuttgart am Montag nahezu lahmgelegt. Zehntausende Passagiere mussten umbuchen oder nahmen stundenlange Wartezeiten vor ihrem Abflug in Kauf. In Hamburg sperrten vorübergehend Polizisten die Eingänge ab, weil das Gebäude überfüllt war. Der Warnstreik lief bis Mitternacht.

Am heutigen Dienstag soll nach Worten einer Hamburger Flughafensprecherin der Betrieb wieder normal laufen. Am Morgen hatte sich die Lage in Stuttgart schon wieder normalisiert. Es gebe keine Verspätungen, sagte ein Airportsprecher. Weitere Arbeitsniederlegungen waren nicht angekündigt worden.

Kaum Auswirkungen in Hannover

Der Bundesverband der Sicherheitswirtschaft (BDSW) warf der Gewerkschaft Verdi vor, erneut unschuldige Passagiere zu schädigen. Lediglich in Hannover hatte der Streik nach Angaben eines Flughafensprechers so gut wie keine Auswirkungen. Dort demonstrierten Dutzende Mitarbeiter mit Trillerpfeifen, Fahnen und Transparenten.

Grund für den Ausstand sind festgefahrene Tarifverhandlungen um mehr Lohn. Verdi fordert je nach Bundesland und Beschäftigtengruppe 0,70 Euro bis 2,50 Euro mehr Lohn in der Stunde. Aus Sicht der Dienstleistungsgewerkschaft leisten "die Beschäftigten der Personen-, Fracht- und Warenkontrolle an den Flughäfen jeden Tag eine anstrengende und verantwortungsvolle Arbeit", die besser entlohnt werden müsse.

BDSW-Verbandschef Harald Olschok warf Verdi vor, mit falschen Zahlen zu operieren. Die Arbeitgeber seien bereit, die Stundenlöhne der Luftsicherheitskontrolleure in Niedersachsen um 6,13 Prozent, in Hamburg um 6,4 Prozent und in Baden-Württemberg um 3,53 Prozent zu erhöhen.

Flughafenverband fordert Schlichtungsverfahren

Die Fluggesellschaft Germanwings verlangte "klare Spielregeln für den Ablauf von Arbeitskämpfen". Streiks schadeten dem Luftverkehrsstandort, der sich in einer kritischen Wettbewerbssituation befinde. Der Flughafenverband ADV sprach von einer Zumutung für die Passagiere. "Ein zwingendes Schlichtungsverfahren ist dringend erforderlich", verlangte ADV-Hauptgeschäftsführer Ralph Beisel.

Verdi-Vertreter Peter Bremme sprach in Hamburg allerdings von einem "notwendigen Paukenschlag" und einer "grandiosen Streikbeteiligung". Er erwartet bei der Tarifrunde am Mittwoch eine Bewegung bei den Arbeitgebern. In Nordrhein-Westfalen war jüngst ein Tarifabschluss erzielt worden. Im Bewachungs- und Sicherheitsgewerbe sind in Baden-Württemberg rund 19.000 Menschen beschäftigt, in Hamburg 8.000 und in Niedersachsen schätzungsweise rund 7.000 Mitarbeiter.

Polizisten schließen Eingänge in Hamburg

"Wir hatten noch nie die Situation, dass wir Gebäude schließen mussten. Das ist das erste Mal in der 103-jährigen Geschichte des Flughafens", sagte Airport-Sprecherin Stefanie Harder. Weil sich mehr als 5.000 Reisende am Morgen in den Terminals aufhielten, wurden die Gebäude rund zwei Stunden lang von Polizisten abgeriegelt.

Etwa 40.000 Passagiere waren dem Flughafen zufolge insgesamt von dem Ausstand betroffen. Von den mehr als 400 An- und Abflügen wurden insgesamt 160 gestrichen. Teilweise konnten nur ein bis drei Sicherheitskontrollen offen gehalten werden.

"Passagiere sollten nicht mehr zum Flughafen kommen", hatte eine Sprecherin gesagt, als die Wartezeit immer noch vier bis fünf Stunden betrug. "Sie werden ihre Flüge nicht mehr erreichen." Der Flughafen stellte sich für Dienstag auf zusätzliche Reisende ein.

© dpa, Marijan Murat Lesen Sie auch: Hintergrund: Sicherheitspersonal streikt für höhere Löhne

Verdi hatte am Flughafen Hamburg rund 900 Sicherheitskräfte zum Ausstand aufgerufen. Ebenfalls rund 900 Beschäftigte der Bodenverkehrsdienste wie Belader und Reinigungskräfte schlossen sich an. Am Abend stellte der Hamburger Flughafen 50 Feldbetten für gestrandete Passagiere auf.

Lange Schlangen in Stuttgart

Wegen des Arbeitskampfes wurden am Flughafen Stuttgart 32 Starts und Landungen gestrichen. Ursprünglich standen für den Montag 241 Verbindungen im Plan. Nach Angaben einer Sprecherin waren bis zu 12.000 Passagiere von den Einschränkungen betroffen.

Bei der Kontrolle mussten Reisende tagsüber Wartezeiten von gut zwei Stunden hinnehmen, einzelne Flüge starteten erst mit etwa einer Stunde Verspätung. Nur an einem der insgesamt vier Terminals waren die Kontrollstellen geöffnet. Es bildeten sich zeitweise mehrere hundert Meter lange Warteschlangen. Zum Warnstreik waren unter anderem 400 Luftsicherheitsassistenten aufgerufen.

Von: dpa
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