Gunnar Schmidt, jahrzehntelanges Mitglied und Ex-Vorstand der Pilotengewerkschaft Vereinigung Cockpit, hat sein Amt in der Lufthansa-Tarifkommission niedergelegt und ist aus der Gewerkschaft ausgetreten. Das bestätigte der Lufthansa-Pilot auf Anfrage von airliners.de.
Zu den Hintergründen des Schritts wollte sich Schmidt nicht öffentlich äußern. Nach airliners.de vorliegenden Informationen soll es innerhalb der Tarifkommission und des Vorstands Konflikte um die Ausrichtung der Tarifpolitik gegeben haben.
Schmidt war von 1997 bis 2006 Vorstand Finanzen der Vereinigung Cockpit und zuletzt Mitglied der Tarifkommission. Schmidt flog zunächst bei Lufthansa, wechselte zu Condor und kehrte später zur Lufthansa zurück, wo er derzeit als Flugkapitän arbeitet.
Die Vereinigung Cockpit teilte auf airliners.de-Anfrage mit, dass der Rücktritt keine Auswirkungen auf die aktuellen Verhandlungen hätte. Wenn ein Mitglied die Tarifkommission verlasse, rücke jemand nach – in diesem Fall ein weiterer Lufthansa-Kapitän.
Der gleichzeitige Rücktritt aus der Tarifkommission und der Austritt aus der Gewerkschaft ist dennoch ungewöhnlich. Üblicherweise legen Mitglieder der Tarifkommission ihr Amt meist aus beruflichen Gründen nieder, etwa bei einem Arbeitgeberwechsel zu einer anderen Fluggesellschaft. Ein vollständiger Austritt aus der Gewerkschaft – zumal nach jahrzehntelanger Mitgliedschaft – kommt extrem selten vor.
Monatelanger Tarifstreit
Die Vereinigung Cockpit und die Lufthansa verhandeln seit Monaten über neue Tarifverträge. Kern des Konflikts ist die betriebliche Altersversorgung der rund 4800 Piloten bei Lufthansa und Lufthansa Cargo. Die Gewerkschaft forderte zunächst eine Verdreifachung des Arbeitgeberanteils zur Betriebsrente und reduzierte diese Forderung später. Nach sieben erfolglosen Verhandlungsrunden erklärte die Vereinigung Cockpit die Gespräche zuletzt für gescheitert.
Ende September hatten die Piloten bereits in einer Urabstimmung mit großer Mehrheit für Streiks gestimmt. Trotz des klaren Votums rief die Vereinigung Cockpit bisher keinen Streik aus. Die Gewerkschaft erklärte stattdessen, der Lufthansa noch Zeit für ein verbessertes Angebot geben zu wollen. Eine konkrete Frist wurde nicht genannt.
Offiziell geht es in dem Tarifkonflikt um die betriebliche Altersversorgung bei Lufthansa und Lufthansa Cargo. Im Hintergrund schwelt jedoch auch der Streit um die Zukunft der Ferien- und Mittelstreckenflotte. Die Lufthansa will aus Kostengründen immer mehr Flugzeuge in die Tochtergesellschaften City Airlines und Discover verlagern. Die Vereinigung Cockpit befürchtet dadurch schlechtere Karrierechancen für Lufthansa-Piloten.
Die VC befindet sich bei den neuen Lufthansa-Töchtern zudem im Tarif-Wettstreit mit Verdi, die bereits bei Discover in Cockpit und Kabine vertreten ist.