Airlines weltweit rüsten ihre Flotten mit schnellem Satelliten-Wlan aus und machen die Bordkonnektivität zum Premiumprodukt. Im Mittelpunkt steht ein Duell zwischen Starlink, dem Satellitennetzwerk von Space X, und Amazon Leo, der noch im Aufbau befindlichen Konstellation von Amazon.
Starlink hat in diesem Jahr bisher elf neue Airline-Kunden gewonnen, nach 22 im Jahr 2025, acht im Jahr 2024 und drei im Jahr 2022, wie das Luftfahrtforschungsunternehmen Valour Consultancy mitteilt. Space X hält damit Starlink-Verträge über insgesamt mehr als 7000 Flugzeuge.
Amazon hat mit Delta Air Lines und Jetblue Airways erste Airline-Kunden gewonnen. Delta wählte Amazon Leo für zunächst 500 Flugzeuge ab 2028 – aufbauend auf seiner bestehenden Amazon-Web-Services-Beziehung.
Einen Rückschlag könnte Amazon durch einen Raketenstarter-Ausfall von Blue Origin im vergangenen Monat erlitten haben, da die Satellitenkonstellation noch im Aufbau ist.
Investitionen in dreistelliger Millionenhöhe
Die Installation von Starlink oder Amazon-Breitband ist für Airlines eine erhebliche Investition. Jefferies-Analysten schätzen die Kosten für American Airlines' Starlink-Ausbau auf 150 bis 250 Millionen US-Dollar (rund 130 bis 216 Millionen Euro) für Ausrüstung und Installation – zuzüglich jährlicher Servicegebühren von möglicherweise mehr als 60 Millionen US-Dollar.
American Airlines hatte Ende Mai angekündigt, mehr als 500 Schmalrumpfflugzeuge ab Anfang 2027 mit Starlink auszurüsten. Southwest Airlines wählte Starlink wegen der "Markteinführungsgeschwindigkeit" und hat bis Jahresende mehr als 300 Umrüstungen angepeilt.
Das erste Starlink-Flugzeug soll noch in diesem Monat einsatzbereit sein. United Airlines bietet kostenloses Starlink-Wlan für Mileage-Plus-Mitglieder bereits auf mehr als 25 Prozent ihrer täglichen Flüge an – Ende 2027 soll die gesamte Flotte folgen.
Ryanair lehnt Starlink wegen Kosten ab
Nicht alle Airlines sind überzeugt. Ryanair-Chef Michael O'Leary hat Starlink mit Verweis auf Kosten und Mehrverbrauch durch die Antennen abgelehnt, was zu einem öffentlichen Streit mit Elon Musk führte.
Decius Valmorbida, Reisechef des Reisetechnologieunternehmens Amadeus, bezeichnete schnelles Bord-Wlan dennoch als "Game Changer": "Es wird zu einer Notwendigkeit werden."
Starlink gegen Amazon: Unterschiedliche Ansätze
Lluc Palerm, Forschungsdirektor bei Analysys Mason, erwartet, dass Bord-Wlan "zum Schlachtfeld" zwischen Starlink und Amazon Leo wird. Starlinks früher Vorsprung sei bedeutsam, weil ein Anbieterwechsel kostspielig sei: Flugzeuge müssten für die Installation aus dem Betrieb genommen werden. Bordspezifische Ausrüstung sei anbieterspezifisch und Verträge liefen typischerweise über mehrere Jahre, sagte Daniel Welch von Valour Consultancy.
Starlink setzt auf Geschwindigkeit und einfache Installation; Amazon wirbt mit einem breiteren Technologieökosystem inklusive Cloud-Diensten und Einzelhandelsintegration. Etablierte Anbieter wie Viasat, Intelsat, Panasonic Avionics und Hughes bleiben in großen Flotten verankert.
Für Airlines geht es bei schnellem Wlan nicht nur um Unterhaltung: Es ermöglicht, Passagiere in Loyalitätsprogramme einzubinden und nach dem Flug gezielt anzusprechen. Delta berichtet, dass mehr als 163 Millionen Sky-Miles-Mitglieder seit 2023 das kostenlose Wlan genutzt haben.
Starlink erzielte 2025 einen Umsatz von 11,4 Milliarden US-Dollar – von insgesamt 18,67 Milliarden US-Dollar Space-X-Gesamtumsatz.