Der Wizz-Air-Vorstandsvorsitzender József Váradi hat Interesse an einer Übernahme der Inlandsstrecken der rumänischen Fluggesellschaft Tarom signalisiert. Das sagte er dem rumänischen Nachrichtenportal "Hot News". Eine Rettung des angeschlagenen Staatscarriers lohne sich aus seiner Sicht nicht, weil dieser dauerhaft auf finanzielle Unterstützung des Staates angewiesen sei.
Váradi räumte zugleich ein, in Rumänien fehle derzeit der politische Wille, Tarom stillzulegen. Wirtschaftlich betrachtet und mit Blick auf die Marktposition der Airline wäre eine Stilllegung nach seiner Einschätzung "eine naheliegende Entscheidung".
Noch in einem Interview im Jahr 2025 hatte Váradi erklärt, Wizz Air habe kein Interesse an rumänischen Inlandsflügen. Die A321 und die A321 Neo böten für lokale Verbindungen zu viele Sitzplätze. Inzwischen zieht er den Einsatz der kleineren A320 innerhalb Rumäniens in Betracht.
Ähnliche Inlandsangebote betreibt Wizz Air bereits seit Ende 2020 in Italien. In Spanien plant die Airline den Einstieg in den Inlandsmarkt für Ende 2026. Nach Angaben von "CH-Aviation" unterhält Wizz Air zusammen mit ihrer maltesischen Tochtergesellschaft Wizz Air Malta derzeit zehn Basen in Rumänien. Váradi sieht dort zudem Potenzial für weiteres Wachstum und zusätzliche Basen, nannte jedoch keine konkreten Flughäfen.
Tarom weist den Vorstoß zurück
Tarom reagierte nach Angaben von "Hot News" auf die Äußerungen und bezeichnete den Vorschlag als "unrealistisch und nicht seriös". Die staatliche Fluggesellschaft verwies auf die zahlreichen Flugstreichungen, die Wizz Air in den vergangenen Jahren in Rumänien vorgenommen habe.
Die Marktrolle von Wizz Air bestritt Tarom dabei nicht. Im Fall einer Auflösung des Staatscarriers biete deren Präsenz den rumänischen Passagieren aber keine Garantie, hieß es weiter. Tarom rechnet nach Umsetzung ihres vorläufigen Sanierungsplans mit einer Rückkehr zur wirtschaftlichen Tragfähigkeit.