Vor Kongressanhörung: Muilenburg weicht Fragen nach Rücktritt aus

Boeing-Chef Dennis Muilenburg sagt vor dem US-Kongress aus. Nach den jüngsten Anschuldigungen, der Konzern habe schon vor den Abstürzen von Problemen der 737 Max gewusst, wird eine hitzige Anhörung erwartet, die Muilenburgs persönliches Gebahren als CEO in den Fokus rücken könnte.

Dennis Muilenburg © AP/dpa / Andrew Harnik

Boeing-Chef Dennis Muilenburg hat gegenüber dem US-Kongress Fehlverhalten seines Unternehmens hinsichtlich des Unglücksfliegers 737 Max eingeräumt. Der Top-Manager steht gegenwärtig im US-Senat bei einer Anhörung den Abgeordneten des Handelsausschusses zum Debakel rund um den nach zwei verheerenden Abstürzen mit Flugverboten belegten Krisenjet Rede und Antwort. Vor genau einem Jahr hatte sich in Indonesien das erste der Unglücke ereignet.

"Wir wissen, dass wir Fehler und einige Dinge falsch gemacht haben", heißt es in Muilenburgs vorab von Boeing veröffentlichtem Redetext. Der Chef des Flugzeugbauers beteuert darin aber auch, dass große Fortschritte und entscheidende Verbesserungen vorgenommen worden seien, damit Boeings bestverkaufte Modellreihe bald wieder abheben könne. "Wenn die 737 Max wieder in Betrieb genommen wird, wird sie eines der sichersten Flugzeuge sein, die jemals geflogen wurden."

Die Frage, was schon vor den Abstürzen wem bekannt war, ist weiter offen

Zuletzt geriet der Konzern weiter unter Druck: So wurde kürzlich bekannt, dass Boeing offenbar schon vor der Zulassung der Maschine von Problemen wusste. In Kurzbotschaften an einen Kollegen soll sich der technische Chefpilot der 737, Mark Forkner, 2016 über die "ungeheuerliche" Fehlleistung des speziell für die Boeing 737 MAX entwickelten Stabilisierungssystem MCAS bei Simulator-Tests beschwert haben. Nach Einschätzung amerikanischer Medien werden die Senatoren besonders zum Fall Forkner scharfe Nachfragen stellen, die das Boeing-Management in die Bredouille bringen könnten.

Kurz vor der Anhörung wich Muilenburg der Frage, ob er nach den beiden tödlichen Unfällen und den im Anschluss bekannt gewordenen Verfehlungen bei Boeing im Rahmen des Zertifizierungsprozesses der 737 Max zurücktreten wird, aus. Auf eine entsprechende Frage von Reportern sagte der Manager: "Ich konzentriere mich auf den anstehenden Job." Den Posten des Verwaltungsratschefs bei Boeing gab Muilenburg bereits Anfang Oktober auf.

Bei dem ersten Absturz einer Boeing 737 Max waren am 29. Oktober 2018 in Jakarta alle 189 Insassen ums Leben gekommen. Nur wenige Monate später kam es in Äthiopien zu einem weiteren Unglück mit 157 Toten. Als Hauptursache gilt bislang eine fehlerhafte Steuerungssoftware von Boeing. Die Abstürze haben den Konzern in eine tiefe Krise gebracht. Die Flugverbote für die 737 Max belasten mittlerweile nicht nur Boeings Bilanz erheblich. Wegen der betroffenen Zulieferer und Airlines sind sie auch eine Belastung für die US-Wirtschaft insgesamt.

© dpa, Elaine Thompson/AP Lesen Sie auch: Boeing entlässt Chef der Passagiermaschinensparte

Von: dk, dpa

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