Nach der ungeplanten Rückkehr einer Maschine der Fluggesellschaft Vietnam Airlines zum Münchner Flughafen laufen die Untersuchungen zu dem Vorfall.
Kurz nach dem Start seien Warnungen zu einem Kontakt zwischen Heck und Landebahn sowie zu niedrigem Reifendruck ausgelöst worden, teilte die vietnamesische Luftfahrtbehörde CAAV (Civil Aviation Authority of Vietnam) mit. Vietnam Airlines hatte zuvor lediglich ein "technisches Problem" als Grund für die Rückkehr genannt.
Experten der Bundesstelle für Flugunfalluntersuchung seien am Wochenende vor Ort gewesen, sagte ein Sprecher. Die Flugschreiber seien sichergestellt und nun auf dem Weg nach Braunschweig. Die Untersuchung werde mehrere Wochen in Anspruch nehmen, dann werde es zunächst einen Zwischenbericht geben.
Die CAAV stehe derzeit mit der zuständigen deutschen Untersuchungsbehörde in Kontakt, um die Zusammenarbeit zu koordinieren und um zeitnahe Informationen zum Vorfall und zum Ermittlungsverlauf zu bitten, teilte die Behörde mit. Die Untersuchung werde nach internationalen Luftfahrtregeln von den deutschen Behörden geleitet, Vietnams Behörde für die Untersuchung schwerer Zwischenfälle und Flugunfälle werde dabei unterstützend tätig.
Die Maschine mit 271 Passagieren und 16 Besatzungsmitgliedern kreiste den Angaben zufolge mehr als zwei Stunden, um Treibstoff abzulassen, bevor sie nach München zurückkehrte. Zuvor soll das Flugzeug beim Start laut dem Flugverfolgungsdienst "Flightradar24" die Landebahn überrollt haben. Alle Insassen blieben unverletzt.
Das Abheben des Flugzeugs am Samstagnachmittag von der südlichen Start- und Landebahn habe ungewöhnlich lange gedauert, sagte ein Flughafensprecher. Wegen der geringen Startgeschwindigkeit setzte das Heck des Flugzeugs auf und wurde schwer beschädigt. Wenig später sei die Maschine umgedreht und auf der nördlichen Bahn wieder gelandet. Dabei wurden zudem die Reifen des Hauptfahrwerks zerfetzt. Die Passagiere seien unverletzt mit Bussen in das Flughafengebäude gebracht worden. Nach der Landung habe das Flugzeug laut Flughafen München nicht mehr aus eigener Kraft von der Nordbahn rollen können und sei dort liegen geblieben, was den Flugbetrieb beeinträchtigte.
Nach Informationen des Portals "Aviation Herald" hat die Untersuchungsbehörde ein nicht öffentliches Video zum Vietnam-Airlines-Vorfall in München gesichtet. Die rechte Hauptfahrwerksbremse griff demnach rund 210 Meter vor dem Pistenende, die Räder blockierten bis zum Pistenende, wo das Flugzeug abhob. Bilder und Videos zeigen online Spuren auf dem Ende der Runway.
Defekte Maschine in Hangar geschleppt
Das manövrierunfähige Flugzeug sei stabilisiert und dann in einen Hangar geschleppt worden. Reifenteile seien aufgesammelt und Beschädigungen an der Fahrbahn ausgebessert worden, erklärte der Sprecher. Die Aufräumarbeiten dauerten demnach bis in die Nacht.
Die nördliche Bahn war zeitweise durch die defekte Maschine blockiert. Starts und Landungen mussten auf die andere Bahn verlegt werden. Am Sonntagmorgen habe der Flugbetrieb regulär wieder aufgenommen werden können, so der Sprecher.
Vietnam Airlines habe betroffenen Passagieren alternative Reisemöglichkeiten auf eigenen Flügen sowie über andere Fluggesellschaften organisiert und biete Wartenden auf Ersatzflüge Unterkunft, Verpflegung und Bodentransport an, berichteten vietnamesische Staatsmedien.