Die Gewerkschaft Verdi hat der Lufthansa-Tochter City Airlines vorgeworfen, seit April fällige Gehaltserhöhungen für Cockpit- und Kabinenpersonal nicht ausgezahlt zu haben. Das ging aus einem Mitgliederschreiben hervor, das "Aero" vorliegt. City Airlines hat für diesen Montag eine rückwirkende Nachzahlung angekündigt. Die Konkurrenzgewerkschaft Ufo wiederum hat sowohl dem Unternehmen als auch Verdi Versäumnisse vorgeworfen.
In dem Schreiben hielt Verdi fest: "Im Kern lässt sich festhalten, dass das Unternehmen einer Vielzahl an Vereinbarungen und tarifvertraglichen oder individualrechtlichen Ansprüchen nicht nachkommt." Die Gewerkschaft beklagte, dass ständig neue Probleme hinzukämen, ohne dass bestehende gelöst würden. Ihre Geduld mit der Lufthansa-Tochter sei nach eigener Darstellung nahezu erschöpft.
Konkret bemängelte Verdi, dass neue Gehaltstabellen über Monate nicht angewendet worden seien. Die im April vereinbarten Erhöhungen seien bislang nicht ausgezahlt worden, teilte die Gewerkschaft ihren Mitgliedern mit. Nach Verdis Darstellung befindet sich die Airline damit seit der Aprilzahlung durchgehend im Zahlungsverzug.
Lufthansa verspricht Nachzahlung
Nach Angaben Verdis eskalierte die Gewerkschaft den Konflikt in der vergangenen Woche auf Konzernebene. In einem daraufhin anberaumten Spitzengespräch zwischen Lufthansa, City Airlines und Verdi sagte der Konzern demnach Besserung zu. Ein Lufthansa-Sprecher erklärte gegenüber "Aero", City Airlines setze die Ergebnisse der Tarifeinigung vom 10. April "planmäßig" um. Die Umsetzung könne sich bei einzelnen Anpassungen bis ins dritte Quartal hinziehen, so der Sprecher weiter.
Als Grund nannte die Airline komplexe technische Anpassungen in den Systemen für Lohnabrechnung und Crew-Planung, die teils manuell durch den Dienstleister erfolgen müssten. Den Gehaltslauf für August will City Airlines am Montag durchführen und dabei rückwirkend alle tariflichen Änderungen seit April berücksichtigen, um offene Ansprüche auszugleichen.
Offen blieb bislang der Teilzeit-Tarifvertrag. Verdi wartet nach eigenen Angaben weiterhin auf die Unterschrift des Arbeitgebers unter den fertig verhandelten Text. City Airlines teilte den Beschäftigten dazu mit: "Der Tarifvertrag Teilzeit steht kurz vor dem Abschluss." Man erwarte, dass die Teilzeitvergabe für 2027 noch vor Ende des Monats starten könne.
Ufo kritisiert beide Tarifparteien
Die Flugbegleitergewerkschaft Ufo hat zunächst den Arbeitgeber in der Pflicht gesehen. Geschlossene Vereinbarungen vollständig, fristgerecht und korrekt umzusetzen, liege in dessen Verantwortung, erklärte Ufo. Interne Abstimmungen oder Flottenveränderungen könnten zwar zusätzlichen Aufwand verursachen, dürften aber nicht über Monate zulasten der Beschäftigten gehen. Die Erweiterung der Flotte und die Einführung des Airbus A220 seien unternehmerische Entscheidungen, deren Komplexität keine dauerhafte Rechtfertigung für verspätete oder unvollständige Umsetzung liefere, so Ufo.
Zugleich richtete die Gewerkschaft Kritik an Verdi. Wer ein Tarifergebnis verhandle und anschließend als Erfolg kommuniziere, müsse auch für eine rechtssicher vereinbarte, unterschriebene und praktisch umsetzbare Regelung sorgen, erklärte Ufo. Gleichzeitig stellt die Spartengewerkschaft in Frage, ob die Umsetzung vor Vertragsschluss ausreichend geklärt gewesen sei.
Verdi-Gewerkschafter Marvin Reschinsky wies das gegenüber "Aero" zurück: Ufo habe die Probleme offenbar zunächst gar nicht erkannt. Erst Verdis eigene Kommunikation habe politischen Druck aufgebaut und kostenlose juristische Hilfe für Betroffene ermöglicht. Verdi stehe mit Konzern, Unternehmensführung, Personalvertretung und Beschäftigten im Austausch, um die Versäumnisse notfalls auch mit juristischen Mitteln zu beheben, sagte Reschinsky.
Führungswechsel und wachsende Flotte
Die aktuellen Spannungen treffen City Airlines in einer Wachstumsphase. Lufthansa hatte die Airline im April erstmals durchgehend tarifiert, nachdem sich Konzern und Verdi auf abgestimmte Dienstregeln für Piloten und Flugbegleiter geeinigt hatten. Die Vereinbarung soll den geplanten Ausbau von Flotte und Streckennetz an den Lufthansa-Drehkreuzen Frankfurt und München bis 2029 absichern.
Zum 1. November übernimmt Michael Kircher die Leitung von City Airlines und löst damit Peter Albers ab. Kircher wechselt von Austrian Airlines zur Lufthansa-Tochter und ist selbst A320-Kapitän.