Die US-Verkehrssicherheitsbehörde NTSB hat den Flugschreiber und den Stimmenrekorder aus dem Wrack eines Frachtflugzeugs geborgen, das am Sonntag bei der Landung in Miami über das Ende der Landebahn hinausschoss und verunglückte. Bei dem Unfall kamen fünf Menschen am Boden ums Leben.
Bei der verunglückten Maschine handelte es sich um eine 32 Jahre alte Boeing 767-33A. Sie war im Auftrag von Amazon Prime Air unterwegs und wurde von der in Miami ansässigen Fluggesellschaft 21 Air betrieben.
Die beiden sogenannten Blackboxes würden am Montagabend zur Auswertung in die NTSB-Zentrale nach Washington gebracht, sagte die Vorsitzende der Behörde Jennifer Homendy.
Die NTSB sicherte darüber hinaus weiter Spuren und Beweismittel. Einsatzkräfte pumpten noch Kerosin vom Unglücksort ab, zwei der vier Start- und Landebahnen des Flughafens blieben deshalb gesperrt. Der Flugbetrieb war nach dem Unfall zunächst komplett eingestellt worden, am Sonntagabend liefen die Flüge aber wieder an.
Die beiden Insassen des Flugzeugs, Pilot und Kopilot, überlebten den Unfall. Nach Angaben Homendys waren sie bis Montag noch nicht befragt worden. Von fünf am Sonntag gemeldeten Verletzten befanden sich drei in Lebensgefahr.
Homendy: Szenerie ist "vollständige Zerstörung"
Homendy beschrieb die Szenerie als "vollständige Zerstörung". Auf dem Asphalt zögen sich Reifenspuren bis ins Gras, überall liege Trümmer. Die beiden Fahrzeuge, mit denen das Flugzeug kollidiert war, sind komplett zerstört.
Homendy leitete am Flughafen Miami ein Team von 32 Ermittlern. Sie informierte Journalisten über den frühen Stand der Untersuchung. Eine wahrscheinliche Unfallursache werde erst am Ende der Untersuchung feststehen, sagte sie.
Die Maschine schoss nach der Landung rund 400 Meter über das Ende der Landebahn hinaus und prallte auf zwei Fahrzeuge außerhalb des Flughafengeländes. Ein Kleinbus vom Typ Ford Econoline transportierte sieben Mitarbeiter des Reinigungsdienstleisters Professional Ocean Service, der für Fluggesellschaften arbeitet.
Dritter Flug des Tages
Die Maschine befand sich auf ihrem dritten Flug des Tages. Sie kam aus San Juan in Puerto Rico und war am Sonntag zunächst von Cincinnati nach Miami und anschließend von Miami nach San Juan geflogen, bevor sie um 13:53 Uhr Ortszeit auf dem Rückflug nach Miami verunglückte.
Ein Teil der Untersuchung befasst sich mit der Bedeutung eines fehlenden Fangbetts für überschießende Flugzeuge, eines sogenannten Engineered Materials Arresting Systems (EMAS). Nicht jeder US-Flughafen verfügt über ein solches System.
Homendy rief die Öffentlichkeit dazu auf, der Behörde Fotos oder Videos vom Unglücksort zur Verfügung zu stellen. Solches Material könne die Untersuchung unterstützen, sagte sie.