Bei einem Unfall mit einem Amazon-Frachtflugzeug sind am Sonntag in Miami mindestens fünf Menschen ums Leben gekommen. Das teilte der Feuerwehrchef von Miami-Dade, Ray Jadallah, auf einer Pressekonferenz mit. Fünf weitere Menschen seien verletzt worden, drei davon schwebten demnach in Lebensgefahr. Die Maschine sei kurz vor 14:00 Uhr Ortszeit beim Landeanflug auf den Miami International Airport über eine Landebahn hinausgeschossen und habe mehrere Fahrzeuge gerammt.
Nach Angaben Jadallahs waren mindestens zwei Menschen in am Boden getroffenen Fahrzeugen eingeklemmt, auch Pilot und Kopilot hätten das Wrack zunächst nicht verlassen können. Mehr als 60 Rettungskräfte und rund 200 Einsatzkräfte der Feuerwehrbehörde Miami-Dade Fire Rescue waren im Einsatz. Die Einsatzkräfte kämpften demnach noch am Sonntagabend mit einem auslaufenden Treibstoffleck an der Maschine. Der Flughafen stellte den Flugbetrieb zunächst vollständig ein, zwei der vier Start- und Landebahnen waren bis zum Abend wieder freigegeben.
Betrieben wurde die Boeing 767-300 von der Frachtfluggesellschaft 21 Air im Auftrag von Amazon Prime Air. Die Maschine war zuvor vom Luis-Muñoz-Marín-Flughafen im puertoricanischen San Juan gestartet. Nach Angaben des Flugverfolgungsdienstes "Flightradar24" war der 32 Jahre alte Frachter zwischen 1994 und 2015 bei mehreren Fluggesellschaften als Passagierflugzeug im Einsatz, bevor er zum Frachter umgebaut wurde.
Beim Verlassen der Landebahn war die Maschine noch mit einer Geschwindigkeit von etwa 207 Kilometern pro Stunde unterwegs.
Die US-Verkehrssicherheitsbehörde NTSB entsandte nach dem Unfall ein Ermittlerteam nach Florida. Geleitet wird es von der Vorsitzenden Jennifer Homendy. Die erste Pressekonferenz zu dem Fall ist für Montag in Miami angesetzt. Die US-Luftfahrtbehörde FAA erklärte auf der Plattform X, die Boeing 767-300 sei nach der Landung über die Landebahn hinausgeschossen.
Amazon und Ermittler äußern sich
Die Betreibergesellschaft 21 Air erklärte, sie sei über den Unfall einer ihrer Maschinen zutiefst erschüttert. Das Unternehmen spreche den Familien und Angehörigen der Todesopfer sein Beileid aus. Amazon-Sprecherin Kelly Nantel teilte mit, der Konzern arbeite eng mit den örtlichen Behörden zusammen, um den Hergang aufzuklären. Oberste Priorität habe die Sicherheit und Betreuung aller Beteiligten.
Es ist nicht der erste tödliche Unfall einer im Auftrag von Amazon Prime Air fliegenden Maschine. Im Februar 2019 war eine ebenfalls als Boeing 767-300 ausgelegte Frachtmaschine von Atlas Air auf dem Flug 3591 von Miami nach Houston in einen schnellen Sinkflug unterwegs und in die Trinity Bay im US-Bundesstaat Texas abgestürzt. Alle drei Insassen kamen dabei ums Leben.
Die genaue Ursache des aktuellen Unfalls war zunächst unklar. Ob die Maschine beladen war, ließ sich vorerst nicht klären. Die Identität der Todesopfer gaben die Behörden bislang nicht bekannt.