SAS ist wieder voll da – das war die Botschaft im historischen Vilhelm Lauritzen Terminal von 1939 am Flughafen Kopenhagen. Und für Embraer war die erste Großbestellung aus Skandinavien für die bisher eher mittelgut laufenden Verkäufe ihrer E2 Balsam auf der geschundenen Seele. Hatten die Brasilianer doch während der Paris Airshow kürzlich nach jahrelangen Anstrengungen spektakulär ihren bisherigen Großkunden Lot Polish Airlines an Airbus und die A220 verloren.
Danach waren die Südamerikaner semi-öffentlich dabei, ihre Wunden zu lecken, gaben nach ihrer Niederlage sogar eine ziemlich unverblümt Unverständnis zeigende Pressemitteilung heraus. Ein höchst ungewöhnliches Verhalten für einen unterlegenen Flugzeughersteller.
Auch dass Embraer-Konzernchef Francisco Gomes Neto an der Seite des Chefs der kommerziellen Flugzeugsparte Arjan Meijer in Kopenhagen auftauchte, war ein deutliches Zeichen. Den großen Deal über 45 Embraer E195-E2 als Festbestellung im Wert von etwa vier Milliarden US-Dollar (rund 3,4 Milliarden Euro) nach Listenpreisen präsentierten dann in Dänemark zwei Holländer: Neben Arjan Meijer stammt auch SAS-CEO Anko van der Werff aus den Niederlanden.
Arjan Meijer. : Ein Mann im Anzug spricht vor einer großen Leinwand, die ein SAS-Flugzeug (vermutlich Embraer E2) zeigt, das über eine Küstenlandschaft mit einer langen Brücke fliegt. Blaues Wasser und klare Wetterbedingungen dominieren das Bild. Die Szene wirkt modern und freundlich. © Andreas Spaeth
"Wir brauchten noch ein weiteres Flugzeug, um den Hub Kopenhagen weiterzuentwickeln sowie die weiteren SAS-Drehkreuze in Stockholm und Oslo. Die E2 hat genau die richtige Größe, um darauf in allen drei Ländern aufzubauen",, sagte Anko van der Werff.
"Die E2, die wir mit 136 Sitzen ausstatten wollen, ist die Lösung auf Strecken, für die die A320 Neo zu groß und die heute eingesetzten Bombardier CRJ-900 und ATR-72 zu klein sind. Mit der E2 schaffen wir uns Flexibilität, um damit neue Märkte oder mehr Frequenzen anzubieten", so der SAS-CEO. Natürlich habe man sich auch die A220 angeschaut. "Aber da gibt es keine Kompatibilität mit unserer bestehenden Flotte, weder bei Crews noch bei Ersatzteilen. Weil es eben kein Airbus-Flugzeug, sondern ursprünglich eins von Bombardier ist, ein Standalone-Flugzeug. Wir wollten ein Muster, das zwischen die ATR/CRJ und die A320 Neo passt. Deshalb denken wir, dass die E2 besser passt als die etwas größere und schwerere A220."
Bestätigung für Embraer
Embraer dürfte es besonders gefreut haben, dass ihr neuer Kunde SAS gerade die Kompatibilität als einen wichtigen Grund für ihre Entscheidung anführte. Denn die SAS-Regionaltochter Link betreibt derzeit bereits 13 Embraer E195 LR, allesamt geleast, und bis zur Auslieferung der ersten E2 Ende 2027 sollen es sogar noch rund 20 E1 insgesamt werden.
"Es dauert nur zweieinhalb Tage, um die Umschulung für Piloten von der E1 auf die E2 abzuschließen, dafür ist kein Simulatortraining nötig, und damit können Piloten jeden Tag beide Typen fliegen", betonte Embraer Commercial CEO Arjan Meijer. Auf diese im Falle von Lot, die derzeit insgesamt 44 Embraer ERJ-170 und -190 betreibt, noch bedeutsamere Tatsache, neben dem geringeren Verbrauch der E2 gegenüber der A220, hatte Embraer die Polen vergeblich immer wieder verwiesen. "Wir gehen davon aus, dass das eine rein politische Entscheidung war", hieß es aus Embraer-Führungskreisen gegenüber airliners.de.
Für SAS-Chef Anko van der Werff, seit vier Jahren im Amt, war die Bestellung einer der wichtigsten Schritte bei SAS nach dem Übertritt von der Star Alliance zur Skyteam-Allianz im September 2023. "Das ist ein Zeichen unserer erfolgreichen Transformation. Zuerst haben wir erfolgreich das Unternehmen stabilisiert. Dann mussten wir sicherstellen, dass die Firma gut funktioniert für die wichtigsten Bedürfnisse unserer Kunden wie Pünktlichkeit. Jetzt kommt die nächste Stufe – die Zukunft aufbauen und sicherstellen, dass wir eine Wachstumsphase beginnen, und dafür steht die heutige Order."
Anko van der Werff. : Ein Mann im Anzug steht auf einer Bühne vor einer großen Leinwand, auf der ein Triebwerk mit der Aufschrift 'Scandinavian' zu sehen ist. Die Szenerie wirkt modern und lichtdurchflutet, mit Akzentbeleuchtung und hellen Farben im Raum. Die Atmosphäre ist professionell und betont den Bezug zur Luftfahrt. © Andreas Spaeth
Bei der auch vor der Pandemie lange kränkelnden SAS scheint ein neues Zeitalter angebrochen zu sein. "Nach allen Restrukturierungen stehen wir jetzt auf sehr stabilen Füßen", freute sich van der Werff. "Wir sind durch einige schwere Zeiten gegangen, doch das liegt hinter uns, und hier sind wir und platzieren 45 Festbestellungen. Das fühlt sich definitiv wie eine Wiedergeburt an."
Expansion unter Skyteam
SAS hatte zuletzt insgesamt 28 neue Ziele beziehungsweise Routen gestartet, vor allem in Nordamerika, etwa zu den Hubs des Skyteam-Partners Delta nach Atlanta und Seattle.
Als nächstes folgen neue Ziele in Asien, darunter ab September Seoul und ab Juni 2026 Mumbai ab Kopenhagen. Für van der Werff ein gutes Zeichen: "Wir sind richtig gesund jetzt nach der Restrukturierung und brauchen keine weitere Unterstützung von unseren Eigentümern, das können wir jetzt selbst."
2025 werde SAS definitiv profitabel abschließen, "das ist ein Fakt". Und er ergänzte: "Ich fühle dieses erneuerte Selbstvertrauen bei SAS. Eine Flottenbestellung wie jetzt wäre früher nicht möglich gewesen, und wir sind die pünktlichste Airline der Welt, ganz ohne in unsere Systeme zu investieren. Das liegt alles an verbesserten Prozessen und engagierten Menschen."
