Ryanair prüft wegen steigender Treibstoffkosten Einsparungen an allen Fronten und schließt vorübergehende Nullrunden für die Mitarbeiter nicht aus. Im wichtigen Sommerquartal von Juli bis September sank der Gewinn nach Steuern um sechs Prozent auf 1,61 Milliarden Euro, wie die Billigfluggesellschaft in Dublin mitteilte. Analysten hatten mit diesem Rückgang gerechnet. Im ersten Halbjahr des Geschäftsjahres 2026/2027 summierte sich das Minus auf 15 Prozent.
Belastet wurde das Ergebnis vor allem durch die hohen Kerosinkosten im Zusammenhang mit dem Nahost-Konflikt. Der Preis für nicht abgesichertes Kerosin verdoppelte sich. Zudem fielen die Ticketpreise in der Hauptsaison im Vergleich zum Vorjahr um durchschnittlich zwei Prozent. Nach Angaben von Ryanair führte der Nahost-Konflikt in den ersten sechs Monaten bei den Verbrauchern zu einer gewissen Zurückhaltung und dazu, dass Flüge erst später gebucht wurden. Dies habe die Ticketpreise gedrückt.
Auch für das kommende, bis März 2028 laufende Geschäftsjahr kalkuliert die Airline mit einer um rund zwei Milliarden Euro höheren Treibstoffrechnung. Auf Basis der aktuellen Terminpreise entspricht das einem Anstieg um 33 Prozent. "Wenn es keine rasche Lösung des Nahost-Konflikts gibt, erwarten wir, dass die Preise für Kerosin bis weit in das Jahr 2027 hinein hoch bleiben werden", sagte Vorstandsvorsitzender Michael O'Leary.
Nach Einschätzung von O'Leary dürften die für das kommende Jahr erwarteten Preisanstiege nicht ausreichen, um diese Kostenbelastung auszugleichen. Dafür müssten die Flugpreise um 20 Prozent steigen, sagte O'Leary. Er rechne bei Ryanair und in der gesamten europäischen Branche mit Preiserhöhungen im zweistelligen Prozentbereich. Ob die Ticketpreise bei Ryanair die nötigen 20 Prozent erreichten, sei aber unsicher.
Lohnstopp ab April möglich
Um gegenzusteuern, plant Ryanair ein umfassendes Kostensenkungsprogramm. Die Gehälter könnte die Airline ab April einfrieren, erklärte O'Leary. Auch über eine Anpassung der Personalbesetzung an Bord und weniger Verwaltungsbeschäftigte dank Nutzung von Künstlicher Intelligenz will er Geld sparen. Zudem überprüft Ryanair die Flughafenverträge und macht Druck auf die Flughäfen, die Gebühren zu senken.
"Alles steht zur Diskussion – von Lohnstopps bis hin zu anderen Bereichen", sagte Finanzvorstand Neil Sorahan in einem Interview. "Wir müssen uns wohl darauf einstellen, dass das Ölpreisniveau in den kommenden zwölf Monaten hoch bleiben wird; wir werden also den Gürtel enger schnallen müssen."
Im laufenden dritten Quartal ist die Nachfrage nach Angaben von Ryanair stark, die Ticketpreise liegen leicht über dem Vorjahresniveau. Weil vorsichtige Reisende weiterhin kurzfristig buchten, hänge die Preisentwicklung für den Rest des Quartals stark von den späten Buchungen bis Weihnachten ab, erklärte das Unternehmen.
Sorahan erwartet, dass die Nachfrage auch im kommenden Jahr stark bleibt. Fünf oder zehn Euro mehr pro Ticket würden die Reisebereitschaft nicht zwangsläufig dämpfen, sagte er.
Treibstoffbedarf bis März 2027 weitgehend abgesichert
Ryanair zählt zu den Fluggesellschaften in Europa mit der umfangreichsten Treibstoffabsicherung. Bis März 2027 ist der Bedarf nach Unternehmensangaben weiterhin zu 80 Prozent zu einem Preis von 67 US-Dollar (etwa 60 Euro) je Barrel abgesichert. Für die folgenden zwölf Monate erhöhte die Airline ihre Absicherung in den vergangenen zwei Wochen auf 25 Prozent zu 95 US-Dollar je Barrel. Zuvor waren es 15 Prozent zu durchschnittlich 85 US-Dollar gewesen.
Die Kongresswahlen in den USA in dieser Woche und die Friedensgespräche zur Beendigung des Kriegs der USA und Israels gegen den Iran könnten nach Einschätzung von Sorahan Gelegenheiten für weitere Absicherungen eröffnen. Der Ölpreis nähert sich derzeit dem tiefsten Stand seit einer Woche. Die Ryanair-Aktie eröffnete am Montag zwei Prozent höher.
