Bei unserem letzten Besuch des Flughafen Frankfurts konnten wir interessante Bauarbeiten am Flugsteig A16 beobachten. Große Displays und eine speziell verkleidete Säule zeigten sich. Außerdem konnten wir erstmals Auracast in der Praxis ausprobieren – aber nur an A17.
Wer aktuell am Gate A16 des Terminal 1 am Flughafen Frankfurt vorbeigeht, der wird sich vielleicht über einige Änderungen wundern. Der Flugsteig wurde nämlich umgebaut und unterscheidet sich damit von anderen Flugsteigen im Terminal. Allerdings war bei unserem Besuch der Bereich noch nicht fertig.
Wir entdeckten das kurz vor unserem Starlink-Test am 19. August und schauten uns das Ganze nochmal nach unserem Flug an.
Nebenher hatten wir die Gelegenheit, Auracast-Ansagen am Flugsteig A17 in der Praxis auszuprobieren. Aber dazu später mehr. Kommen wir zu den Gate-Umbauten an A16.
Sonderlich viel ist noch nicht über das Gate A16 bekannt. Lufthansa selbst hüllt sich in Schweigen. Das einzige, was die Fluggesellschaft auf Anfrage von airliners.de sagen wollte, war, dass es sich um das Projekt "Gate of the Future" handelt. Man kann also davon ausgehen, dass die Lufthansa hier neue Techniken ausprobieren will.
Die typischen Arbeitsplätze in der Form eines länglichen Service-Desks waren schon abgebaut. Stattdessen gibt es einen kleinen seitlichen Arbeitsplatz. Es sieht also nach mehr Automation aus.
Moderne Boarding-Maschinen waren ebenfalls zu sehen. Die gab es aber auch an A17 und sind damit nur bedingt etwas Neues.
Zwei riesige LED-Wände
Interessanter waren hingegen die beiden riesigen LED-Display-Installationen an den Wänden des Gates. Auf dem Hinweg konnten wir dort schon typische Anzeigen für den Flugbetrieb sehen. Leider haben wir nicht schnell genug geschaltet und daher kein Foto geschossen.
Im Hintergrund ist eine riesige LED-Wand. Links vom Gate, nicht sichtbar, befindet sich eine zweite LED-Wand. : Blaues, würfelförmiges Gate-Schild mit der weißen Aufschrift „A16“ hängt unter einer gerippten Decke. Darunter warten Reisende mit Gepäck im Terminal; im Hintergrund leuchtet eine große blaue LED-Wand. © airliners.de / Andreas Sebayang
Die beiden Wände wirkten schon übertrieben groß. Immerhin, als wir uns der Wand näherten, bemerkten wir keine Wärmestrahlung. Das deutet auf effiziente LED-Panels hin. Normalerweise spürt man die Hitze der Technik recht schnell, auch wenn sie allgemein als effizient gilt. Bei Wandinstallationen ist es aber auch einfach eine Frage der Masse.
Mysteriös war eine Säule vor dem Gate. Die war nämlich noch mit dem Hinweis verpackt, dass die Fluggäste die Säule bitte nicht anfassen sollen, denn etwas "magisches" soll hier passieren.
Nanu, wo ist der Servicedesk der Lufthansa? Und was verbirgt sich in der verhüllten Säule? Genaues weiß man noch nicht. : Lufthansa-Gate A16 mit automatischen Zugangsschranken, Prioritäts-Bordinghinweisen und zwei Anzeigetafeln. Rechts verdeckt ein schwarzer Stoff eine Säule; ein Schild trägt den Text „Do not touch – Magic is happening here“. © airliners.de / Andreas Sebayang
Eine Änderung gab es zudem am Gate A16 beim Thema Auracast. Das ist eigentlich eine Zukunftstechnik, doch die war abgeschaltet, vermutlich, weil mit dem Service-Desk-Umbau auch die alte Sprechanlage von Sittig Technologies entfernt wurde. Auracast hat Sittig nämlich als Nachrüstlösung einfach in das Mikrofongehäuse integriert.
Doch der Auracast-Test ist deswegen nicht beendet worden. Am Gate A17 gab es die Anlage nämlich noch.
Auracast-Test nur noch am Gate 17
Beim Scannen über unsere Sennheiser-Ohrstöpsel (Accentum TW) konnten wir entsprechend das Gate A16 nicht mehr finden. Dafür funktionierte aber weiter Auracast am Gate A17 und wir hatten Glück. Denn unser Rückflug vom Starlink-Test nach Berlin ging vom Flugsteig A17 ab.
Glück gehabt: Unser Flug nach Berlin wird am Flugsteig A17 mit Auracast abgefertigt. : An Flugsteig A17 zeigt ein Lufthansa-Monitor den Flug LH 202 nach Berlin-Brandenburg um 19:45 Uhr. Unter dem Schild warten Reisende im Gatebereich vor Fenstern zum Rollfeld. © airliners.de / Andreas Sebayang
Wir wählten uns also in das Gate ein und lauschten erstmals in der Praxis den Ansagen, während wir uns weiter weg vom Gate bewegten. In der Praxis merkt man leider nur anhand der Sennheiser-App, dass die Stöpsel sich in A17 eingebucht hatten. Danach gibt es erst einmal nur Stille.
Erst wenn das Personal anfängt, das Mikrofon zu nutzen, kommt auch etwas an. Unter dem Betriebssystem iOS für das iPhone gibt es keine Hinweise darauf, dass wir eingewählt sind. Das liegt daran, dass iOS im Unterschied zu Android Auracast nicht selbst unterstützt. Stattdessen übernimmt die Sennheiser-App das und nutzt die Ohrstöpsel als Scanner und natürlich für den Empfang. Das ist auch ein Vorteil, denn Auracast funktioniert so auch mit älteren Handys und in manchen Fällen sogar ohne Smartphone.
Dabei nervte uns in der Praxis, dass Sennheiser noch nicht den vollen Funktionsumfang implementiert hat. Musik hören und gleichzeitig Auracast-Ansagen lauschen sieht der Bluetooth-Standard nämlich durchaus vor. Doch die Sennheiser-Stöpsel können das nicht.
Wir kennen aber zugegebenermaßen keinen Hersteller, dem das bisher gelungen ist. In einem früheren Gespräch mit JBL erfuhr der Autor dieser Zeilen für eine andere Publikation, dass das ein recht komplexes Unterfangen ist. Das wird also noch dauern.
Aber auf der anderen Seite konnten wir die Stille natürlich genießen. Dank aktiver Geräuschunterdrückung (Active Noise Cancelling, ANC) war vom Lärm des Terminals nicht allzu viel zu bemerken. Die ist bei den Sennheiser Accentum sicher nicht die Beste, doch eine gewisse Entspannung erzeugt ANC definitiv. Vor allem mussten wir nach der ersten Ansage nicht mehr weiter in Richtung Flugsteig gucken oder in der unmittelbaren Nähe bleiben.
Wann immer Ansagen gestartet wurden, versuchten wir die räumlichen Grenzen des Systems auszuloten. Die Grenze zu den Nachbargates A18/19, die wir als den halben Weg zum Nachbargate sehen würden, konnten wir jedenfalls überschreiten. Die Klangqualität nahm auf halben Weg zum Nachbargate zwar ab, aber es würde reichen, um etwa in dem Shop zwischen den Gates noch etwas einzukaufen. Wir würden uns hier aber klare Signale seitens der App wünschen. Denn ohne Ansage wussten wir nicht, ob wir noch in Reichweite waren, und ein Blick aufs iPhone oder die Apple Watch half auch nicht.
In der Sennheiser-App: Wir sind im Auracast Gate 17 eingebucht. : Smartphone-App-Oberfläche von Sennheiser mit Karten für „Find headphones“, „Sound zones“ und „Controls“. Unten ist Auracast™ ausgewählt; als Audioquelle wird „Gate A17“ mit blauem Signalbalken angezeigt. © airliners.de / Screenshot
Zwar konnten wir die Sennheiser-App wieder starten. Doch das nervte. Denn bei der normalen Smartphone-Nutzung wurde die App schnell wieder aus dem Arbeitsspeicher unseres zugegebenermaßen mittlerweile nicht mehr jüngsten iPhone 13 Mini geworfen. Im Ergebnis muss die App neu geladen werden, nur um zu bestätigen, dass wir noch per Auracast eingebucht sind.
Ansonsten stellte sich trotz des Tests aber viel Entspannung ein. Nicht die ganze Zeit darauf zu achten, dass man in Hörreichweite ist, hilft auch jenen, die keine oder leichte Hörprobleme haben. Das gilt auch für uns – wir leiden unter dem Cocktail-Party-Hörproblem. Auch die automatischen Ansagen waren gut verständlich.
Die Prozesse sind aber noch nah an dem der alten Ansagen. So kommen deutsche und englische Ansagen hintereinander. Auracast kann durch das gezielte Anwählen von Kanälen die Sprachen eigentlich aufteilen. Das ist bei manuellen Ansagen aber auch ein praktisches Problem. Schließlich weiß das Auracast-Modul nichts von der gesprochenen Sprache des Personals, um diese dann auf Kanäle umzuleiten. Bei vollständig automatischen Ansagen wäre das aber denkbar.
Leichte Nachteile hat Auracast aber durchaus. Es gibt einen durchaus wahrnehmbaren Lag, wenn man darauf achtet und Lautsprechern und Auracast gleichzeitig zuhört. Die Lautsprecher sind minimal früher zu hören, sodass sich ein gewisser Hall-Effekt entwickelt. Damit sind die Ansagen des Personals auch nicht mehr lippensynchron. Allerdings sah man den Mund ohnehin nicht.
Es gibt aber vereinzelt kritische Stimmen, die die fehlende perfekte Lippensynchronität als Nachteil der Auracast-Technik für Schwerhörige sehen und deswegen die alte Telecoil-/Telespule-Technik bevorzugen.
Deutsche Flughäfen setzen kaum auf Telecoil
Doch realistisch gesehen hatte Telecoil an deutschen Flughäfen in den vergangenen Jahrzehnten keine Chance. Berlin-Brandenburg ist mit mehreren Installationen eine der wenigen vorbildlichen Ausnahmen. Das Thema ist zudem so unbekannt, dass wir zu den wenigen gehörten, die überhaupt darüber berichteten.
An eine Durchdringung wie etwa am Flughafen Dublin in Irland ist hierzulande aber nicht zu denken. In anderen Ländern ist Telecoil deutlich besser verbreitet und auch bekannt. Wie wir aus dem Hörgerätebereich gehört haben, wird mitunter vergessen, Telecoil in den Hörgeräten zu aktivieren.
Telecoil-Symbole sieht man auch in der Öffentlichkeit kaum. In Berlin kennen wir etwa nur zwei Orte mit solchen Symbolen. Zum Vergleich sieht man in Dublin oder Barcelona die Symbole recht häufig. Bei ersterem etwa in Straßenbahnen und am Flughafen, bei Barcelona sind Straßenbahnhaltestellen damit ausgestattet. Hier hat die Technik absehbar kaum Chancen. Vor allem weil Auracast den Flughäfen nun die Chance gibt, schnell nachzubessern.
Deutschland ist hier ausnahmeweise in der Barrierefreiheit im Flughafenumfeld recht weit vorne. Das liegt nicht zuletzt am Pilotprojekt von Sittig Technologies in Frankfurt und seit Kurzem auch in München. Aber nach unserem Wissen auch nur dort, auch wenn wir schon von Projekten im Bahnbereich gehört haben.
Im Vereinigten Königreich geht es hingegen deutlich stärker voran. Wie "Aurahear.com" berichtete, will die dortige Regierung die Installation von Auracast in Bussen empfehlen. Dort gibt es freilich aber auch Busse mit Induktionsspulen für Telecoil. Selbst Kinos sind dort schon mit Auracast ausgestattet. Man kann sich also gut vorstellen, dass auch britische Flughäfen bald mit Auracast nachgerüstet werden. Allgemein gibt es in vielen Ländern eine gewisse Euphorie, was die Technik angeht.