Michael O'Leary, Vorstandsvorsitzender der Ryanair, hat dem Vorstandsvorsitzenden des britischen Flugsicherungsdienstleisters Nats, Martin Rolfe, am Donnerstag vorgeworfen, die tatsächliche Ursache eines Systemausfalls zu verschleiern.
Der Ausfall hatte in dieser Woche Tausende Flugausfälle ausgelöst. Nats habe Ryanair mitgeteilt, dass erneut ein fehlerhafter, im Flugsicherungssystem hinterlegter Flugplan die Störung ausgelöst habe – derselbe Fehlertyp wie bei einer schweren Störung im Jahr 2023.
Rolfe hatte am Mittwoch im Sender BBC Radio erklärt, er gehe davon aus, dass der jüngste Ausfall durch "etwas anderes" verursacht worden sei als frühere Vorfälle. O'Leary, der wiederholt den Rücktritt Rolfes gefordert hatte, wies das zurück.
O'Leary sagte: "Nats hat uns mitgeteilt, dass es sich wieder um einen fehlerhaften Flugplan gehandelt hat. Jetzt bestreitet Martin Rolfe das gestern öffentlich." Er fügte hinzu: "Ich glaube, er lügt, um seine eigene Haut zu retten."
Eine Untersuchung von Nats zum Ausfall von 2023 hatte ergeben, dass ein Ereignis mit einer Wahrscheinlichkeit von eins zu 15 Millionen die Störung ausgelöst hatte: Ein Flugplan enthielt zwei gleich benannte, aber unterschiedliche Wegpunkte und zwang sowohl das System als auch dessen Ersatzsystem in einen Sicherheitsmodus.
Auf eine ähnliche Aussage O'Learys hatte Nats bereits am Mittwoch reagiert und erklärt, der jüngste Ausfall sei durch ein anderes Problem verursacht worden. Auf O'Learys neueste Vorwürfe reagierte das Unternehmen zunächst nicht.
Ryanair klagt gegen Nats
Ryanair verklagt Nats wegen des Ausfalls von 2023 vor dem Londoner High Court auf mehr als sieben Millionen Pfund (rund 8,2 Millionen Euro) und fordert den Dienstleister auf, Gewinne in bessere Leistung und mehr Personal zu investieren.
Die britische Regierung hatte Rolfe eine Woche Zeit gegeben, die Ursache des jüngsten Systemausfalls zu untersuchen. Verkehrsministerin Heidi Alexander, die Rolfe zu einem Gespräch einbestellt hatte, sagte am Mittwoch, sie halte den Ausfall für vermeidbar. Sie bat die britische Luftfahrtbehörde CAA um eine unabhängige Überprüfung.