Die US-Flugunfallbehörde NTSB hat die Luftfahrtbehörde FAA am Dienstag aufgefordert, die Bewertung von Pistenzuständen bei starkem Regen zu reformieren. Grundlage sind Untersuchungen von elf Runway-Overrun-Unfällen und -Vorfällen zwischen 2008 und 2022, die sich allesamt nach Landungen auf nassen Pisten ereigneten.
Die NTSB kritisiert die sogenannte Runway Condition Assessment Matrix, die Piloten eine sechsstufige Bewertungsskala liefert. Landedistanzberechnungen auf nassen Pisten auf Basis des FAA-Modells könnten "die tatsächlich benötigten Landedistanzen unterschätzen und damit das Risiko eines Runway Overruns erhöhen", warnte die Behörde.
Die tatsächliche Bremsreibung auf nassen Pisten liege in vielen Fällen deutlich unter den im FAA-Modell angesetzten Werten.
Vorfall in Jacksonville als Referenz
Als Referenzfall nannte die NTSB einen Vorfall aus dem Jahr 2019 am Naval Air Station Jacksonville in Florida. Eine Boeing 737, die im Auftrag des US-Militärs von der Marinebasis Guantánamo Bay mit 142 Personen an Bord angeflogen war, rutschte am Ende der rund 2700 Meter langen Piste in den St. Johns River.
Ursache war nach NTSB-Einschätzung unter anderem ein extremer Reibungsverlust durch starken Regen und die Wassertiefe auf der nicht genuteten Piste, was zu viskosem Aquaplaning führte. Schwere Verletzungen gab es nicht.
Die NTSB empfiehlt der FAA zudem, neue Niederschlagsintensitätskennwerte für Luftfahrt-Wetterberichte einzuführen, die Regenmengen oberhalb des bestehenden Grenzwerts von 7,62 Millimeter pro Stunde erfassen.
Die FAA erklärte, NTSB-Empfehlungen ernst zu nehmen und die Vorschläge sorgfältig zu prüfen.