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Lufthansa schrumpft alle Konzern-Airlines - Germanwings-Aus beschlossen

Mit dem Ende der Germanwings, Flugzeugstillegungen und einer generellen Verschlankung der Flugbetriebe will sich die Lufthansa Group für die Zeit nach der Corona-Pandemie neu aufstellen. Jetzt stehen schwierige Gespräche mit der Belegschaft an.

Flugzeuge der Germanwings auf dem Flughafen Köln/Bonn. © dpa / Oliver Berg

Lufthansa reagiert mit einem "ersten Restrukturierungspaket" auf den erwarteten deutlichen und nachhaltigen Nachfragerückgang nach der Corona-Krise. Die Flugbetriebe der Lufthansa-Group sollen verkleinert und verschlankt werden, für eine dauerhafte Kapazitätsreduktion sollen mehr als 40 der insgesamt 763 Flugzeuge stillgelegt werden, teilte der Konzern in einer Mitteilung mit.

Der Vorstand der Deutschen Lufthansa AG erwarte keine schnelle Rückkehr der Luftverkehrsindustrie auf das Niveau vor der Coronakrise. Nach Einschätzung von Konzernchef Carsten Spohr werde es Monate dauern, bis die globalen Reisebeschränkungen vollständig aufgehoben sind und Jahre, bis die weltweite Nachfrage nach Flugreisen wieder dem Vorkrisen-Niveau entspreche. Die gefassten Beschlüsse beträfen daher fast alle Flugbetriebe der Lufthansa Group.

Germanwings wird abgewickelt

Am umstrittensten dürfte die Ankündigung sein, dass der Flugbetrieb der Germanwings beendet werden soll. Die Zielsetzung, den Flugbetrieb aller Eurowings-Partnerairlines auf eine betriebliche Einheit unter der Marke Eurowings zu bündeln, solle beschleunigt werden, so Lufthansa. Daher komme nun das Aus für die seit 2002 fliegende Germanwings, die jahrelang die wichtigste Low-Cost-Tochter der Lufthansa war.

Angaben über mögliche Arbeitsplatzverluste machte das Unternehmen nicht. Alle aus der Schließung von Germanwings resultierenden Optionen sollten mit den Sozialpartnern besprochen werden, hieß es. Für alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter gelte weiterhin das Ziel, möglichst vielen eine Weiterbeschäftigung innerhalb der Lufthansa Group zu bieten, erklärte der Konzern. Dazu solle über neue Beschäftigungsmodelle verhandelt werden. Die Verkleinerung der Flugbetriebe solle unter anderem durch kollektive Beschäftigungsmodelle sozialverträglich gestaltet werden.

Die Gewerkschaften hatten befürchtet, dass das Unternehmen und die Jobs schnell abgewickelt werden sollten. Das sei nun keineswegs so, erklärte der Sprecher der Kabinengewerkschaft Ufo, Nicoley Baublies. Aus seiner Sicht müsse kein einziger Flugbegleiter gehen, wenn klug über kollektive Lösungen nachgedacht und die natürliche Fluktuation genutzt werde. Für Verhandlungen stehe man zeitnah zur Verfügung.

Die Pilotengewerkschaft Vereinigung Cockpit (VC) verurteilte die Einstellung des Germanwings-Flugbetriebs. Lufthansa habe eine fertig ausverhandelte Vereinbarung zur Kurzarbeit ausgeschlagen und offenbar die Lage genutzt, um die Umstrukturierung des Konzerns auf dem Rücken der Mitarbeiter voranzutreiben. Gelebte Sozialpartnerschaft sehe gerade in Krisenzeiten anders aus, erklärte VC-Präsident Markus Wahl. Man erwarte Lösungen für alle Mitarbeiter im Lufthansa-Konzern.

Sechs A380 werden jetzt schon ausgemustert

Bei der Lufthansa Kern-Airline werden sechs Flugzeuge vom Typ Airbus A380 und sieben Flugzeuge vom Typ A340-600 sowie fünf Boeing 747-400 stillgelegt. Hinzu kommen auf der Kurzstrecke elf Airbus A320.

"Die sechs A380 waren ohnehin ab 2022 für den Verkauf an Airbus vorgesehen. Die Ausflottung von sieben A340-600 und fünf Boeing 747-400 wurde vor dem Hintergrund der nachteilhaften Ökoeffizienz und Wirtschaftlichkeit dieser Flugzeugtypen entschieden." Mit diesem Schritt reduziere man Kapazitäten an den Drehkreuzen Frankfurt und München, so der Konzern.

Zusätzlich soll Lufthansa Cityline drei Flugzeuge vom Typ Airbus A340-300 aus dem Betrieb nehmen. Seit 2015 hatte die Regionalfluglinie vor allem touristische Langstreckenziele für Lufthansa angeflogen.

Eurowings werde ebenfalls die Zahl ihrer Flugzeuge weiter reduzieren. Im Bereich der Kurzstrecke seien zusätzlich zehn Airbus A320 zur Ausflottung vorgesehen. Das Langstreckengeschäft der Eurowings, das kommerziell von Lufthansa verantwortet wird, soll ebenfalls verkleinert werden.

© AirTeamImages.com, Alun Morris Jones Lesen Sie auch: Lufthansa stellt Eurowings-Langstrecken in Frage

Die bereits begonnenen Restrukturierungsprogramme bei Austrian Airlines und Brussels Airlines werden aufgrund der Corona-Krise nochmals verschärft. Beide Gesellschaften arbeiteten unter anderem an der Reduzierung ihrer Flotten. Auch Swiss werde ihre Flottengröße durch die verzögerte Auslieferung von bestellten Kurz- und Mittelstreckenflugzeugen anpassen und prüft zudem die vorgezogene Ausmusterung älterer Flugzeuge.

Wetleasing-Verträge sollen gekündigt werden

Zudem hätten die Airlines der Gruppe nahezu alle Wetlease-Verträge mit den entsprechenden Anbietern gekündigt.

German Airways teilte auf airliners.de-Nachfrage mit, bis zum Abend noch keine Kündigung erhalten zu haben. Die Airline hat 15 Dash-8-Turbopropflugzeuge an Eurowings verleast, wobei elf Maschinen in Düsseldorf und vier in Stuttgart stationiert sind.

Auch für die von Sunexpress durchgeführte A330-Wetlease-Operations im touristischen Langstreckenmarkt liegt nach Angabe der Airline noch keine Kündigung vor. "Wir befinden uns in engem Austausch mit Lufthansa führen auch Gespräche über die Zukunft", sagte eine Sprecherin auf Anfrage.

© Christoph Brützel, Lesen Sie auch: Zum Einfluss der Coronakrise auf den Luftverkehr: (1) Europäische Airline-Industrie Aviation Management

Die Lufthansa hatte bereits vergangene Woche zehntausende Mitarbeiter in Kurzarbeit geschickt und verhandelt mit der Bundesregierung über mögliche Staatshilfen. Weltweit hat die Lufthansa für 87.000 von insgesamt 135.000 Beschäftigten und damit für rund zwei Drittel der Konzernbelegschaft Kurzarbeit angemeldet oder geplant. Zu möglichen Staatsbeihilfen der Regierungen in Berlin, Brüssel, Wien und Bern machte Lufthansa keine Angaben.

Von: dk

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